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Gipfel in Helsinki Russland exportiert mehr in die USA als umgekehrt

USA: Handelsbilanzdefizit auch gegenüber Russland Quelle: REUTERS

Vor seinem Treffen mit Wladimir Putin bezeichnete US-Präsident Trump die EU als einen „Feind“ in der Handelspolitik. Doch auch gegenüber Russland fällt die amerikanische Bilanz negativ aus – von einigen Gütern abgesehen.

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Der amerikanische Präsident hat seine eigene Sicht auf die Dinge - besonders wenn es darum geht, Handelsbilanzen zu interpretieren. So verkündete er beim Treffen der G7 im Juni, die Europäische Union schulde den USA mehr als 150 Milliarden Dollar. Dies entspricht dem US-Handelsbilanzdefizit gegenüber der EU, also der Summe aller Güter, die die EU 2017 mehr in die Vereinigten Staaten exportiert als importiert hat. Die „EU ist ein Feind, was sie uns im Handel antun“, sagte Trump in einem Interview mit dem TV-Sender CBS. Gerade mit Deutschland habe er „große Probleme“. Trump nannte Russland zwar auch einen “Feind in bestimmten Bereichen“. Von einer unfairen Handelspolitik Putins sprach er jedoch nicht.

Warum eigentlich nicht? Nach der Trumpschen Logik müssten die USA durchaus über weitere Strafzölle auch gegenüber Russland nachdenken. Denn im bilateralen Handel gab es für die Amerikaner 2017 ein Defizit von zehn Milliarden US-Dollar. So importierten die USA zum Beispiel mehr Rohöl und Gas (Saldo: minus 0,95 Milliarden Dollar), mehr Öl- und Kohleprodukte (minus 6,67 Milliarden Euro), mehr unverarbeitete Metallerzeugnisse (minus 5,57 Mrd. Dollar) und mehr Chemikalien (minus 0,76 Milliarden Dollar) aus Russland als sie ihrerseits ins flächenmäßig größte Land der Welt lieferten.

Umgekehrt könnte sich Trump, folgt man seiner Logik, nicht beschweren, wenn Putin Strafzölle für US-Produkte im Transportwesen in Erwägung ziehen würde, also etwa auf Flugzeuge, Autos und Boote. Anders als im Handel mit der EU kommen die USA in diesem Sektor gegenüber Russland auf einen Gesamtüberschuss von 2,41 Milliarden US-Dollar. Dabei entfallen allein rund 1,27 Milliarden Dollar auf die Autoindustrie. Auch bei Computern verzeichneten die Vereinigten Staaten einen Überschuss von 0,59 Milliarden US-Dollar.

US-Handelsbilanz mit Russland in Mrd. US-Dollar, gesamt und ausgewählte Gütergruppen, 2017 Quelle: U.S. Census Bureau

Ökonomen raufen sich bei dieser Debatte freilich die Haare, denn ein Handelsbilanzdefizit bedeutet nicht, dass das Land mit einem Überschuss dem anderen Land etwas schuldet. Ganz im Gegenteil: Die zu viel exportierten Waren müssen mit irgendetwas bezahlt werden. Die USA finanzieren ihr Handelsbilanzdefizit mithin mit hohen Kapitalimporten. Sprich: Ausländische Investoren erhalten im Gegenzug für die exportierten Waren US-Dollar oder anderes Vermögen in den USA. Die USA verschulden sich durch ihr Handelsbilanzdefizit also beim Ausland.

Davon freilich mag Donald Trump offenbar nichts hören.

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