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Gipfel zum Finanzmarkt G20-Beschlüsse sind Experten nicht streng genug

Die Fachwelt hat mit Zustimmung, aber auch mit Kritik auf den Ausgang des G20-Gipfels in Pittsburgh reagiert. Vielen Experten gingen die Ergebnisse zur strengeren Regulierung der Finanzmärkte nicht weit genug.

Beatrice Weder di Mauro, Quelle: AP

Die Vorschläge zur Eigenkapitalregulierung der Banken seien unzureichend, sagte Beatrice Weder di Mauro, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der „Welt am Sonntag“. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, wies auf Risiken bei Regelungen zum Verschuldungsgrad der Banken hin. Die relativ geringe Kapitalmarktorientierung der deutschen Banken könne bei der Verschärfung der Eigenkapitalforderungen zu Wettbewerbsnachteilen für deutsche Banken führen, sagte Schnappauf.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, warnte vor einer zu frühen Verschärfung der Vorschriften. Sie könne in der sensiblen Phase der wirtschaftlichen Erholung negative Auswirkungen auf die Konjunktur haben. Sein Kollege Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo Institutes, begrüßte die höheren Eigenkapitalquoten als „richtige und wichtige Entscheidung der G20“. „Heute haften die Banken mit vier Prozent der Bilanzsumme, das ist viel zu wenig“, sagte er. Zugleich warnte er in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Die Krise ist noch nicht überstanden.“ Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurter School of Finance und Management, bemängelte bei NDR Info, dass bisher noch kaum etwas von den Vorhaben der Politiker umgesetzt sei. Es bleibe abzuwarten, ob etwa die Begrenzung der Manager-Boni tatsächlich im Rahmen nationaler Gesetze überwacht werde.

Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht werden die Beschlüsse von Pittsburgh überwiegend positiv gesehen. Die Vorgaben der G20 seien zwar allgemein, aber hinsichtlich der Richtung, wohin die Reise gehen soll, glasklar, sagte Präsident Jochen Sanio. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bezeichnete die Beschlüsse in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ als „sehr verantwortungsvoll“. „Sie tragen der Globalisierung politisch Rechnung und machen damit die Weltwirtschaft und das Weltfinanzsystem stabiler.“ Auch der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, äußerte sich in der Zeitung positiv. „Die Welt kann künftig besser mit Risiken umgehen“, sagte er. Es sei richtig, dass der Regulator eingreifen könne, wenn eine Bank zu kippen drohe.

Schutz für Steuerzahler

Die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrie- und Schwellenländer waren Ende der Woche in Pittsburgh in den USA zusammengekommen. Sie einigten sich darauf, die Banken künftig zu mehr Eigenvorsorge gegen Finanzkrisen zu zwingen. Daneben sollen die umstrittenen Bonuszahlungen für Bankmanager künftig langfristigen Erfolg eines Instituts belohnen und sich nicht mehr an kurzfristig, risikoreichen Geschäften ausrichten. Dem Schlussdokument zufolge sollen die schärferen Eigenkapitalvorschriften für Banken 2010 formuliert und bis Ende 2012 eingeführt werden. Die Institute müssten dann – abhängig von ihrer Größe und den Risiken – mehr eigenes Geld vorhalten. Die G20-Länder verpflichteten sich zudem, ein spezielles Banken-Insolvenzrecht zu entwickeln, damit Gläubiger und Aktionäre zur Rechenschaft gezogen würden und nicht mehr die Steuerzahler.

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