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Global Wealth Report Europäer werden reicher, mögen aber Aktien nicht

Die Menschen rund um den Globus sind so reich wie nie. Vor allem dank der Kursfeuerwerke an den Börsen steigt das Geldvermögen 2013 auf Rekordhöhe. Auffällig ist: Europäer machen einen Bogen um Aktien.

Was uns Superreiche nicht verraten
Immer mehr ReichtumWährend die Zahl der Milliardäre weltweit steigt, sinkt das Durchschnittsvermögen des Durchschnittsverdieners. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Finanzmärkte immer wieder neue Rekorde erzielen und so das Nettovermögen der Reichsten steigen lassen. Die leben übrigens in den USA, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum, Europa, dem übrigen Amerika, dem Nahen Osten und Afrika. Quelle: dpa
Frauen gesuchtDie Forbes-Liste umfasst derzeit 1426 Menschen - darunter nur 136 Frauen. Mehr als 90 Prozent der Milliardäre sind Männer, das ist wenig verwunderlich. Schließlich sind auch nur vier Prozent der CEO-Positionen der 1000-Fortune-Unternehmen mit Frauen besetzt. Wenn man es nicht die Karriereleiter hochschafft, muss man das Geld wohl wie die reichste Frau der Welt, Liliane Bettencourt, von seinem Vater erben. Quelle: dpa
Millionär-Sein für JedermannIm Chinesischen gibt es ein Wort für neureiche Menschen, die mehr Geld als Geschmack haben und es für unnötige Dinge ausgeben: tuhao. Frei nach dem Motto: "Je auffälliger, desto besser". Millionäre sind nicht mehr das, was sie mal waren. Denn wer viel Geld hat, umgibt sich nur mit Menschen, die genauso viel Geld haben. Menschen, die für den Außenstehenden viel besitzen, haben in der Finanzelite wahrscheinlich nur "Peanuts". Quelle: REUTERS
Geld ausgebenWer es hat, gibt das Geld mit vollen Händen aus: Eine Tasche für knapp 40.000 Dollar, ein Gemälde für 140 Millionen Dollar - das zählt für den Vermögenden am Ende gar nichts, wenn er viel mehr Geld besitzt. Und weniger geizig sind sie dann auch nicht, sie setzen nur andere Prioritäten, wofür sie das Geld ausgeben möchten. Quelle: AP
Gute Familie, gute Universität, viel GeldSagen wir es so: Es hilft, wenn die Eltern schon im Besitz eines nicht gerade kleinen Vermögens sind - gleichzeitig bedeutet es aber nicht, dass einem das Glück hold ist. Allerdings, so eine Studie, sei es wahrscheinlicher, dass Milliardäre ein College mit sehr hohen Zulassungsbeschränkungen besuchen als Menschen, die "nur" CEOs oder Richter sind. Aber man kann sich bekanntlich auch hocharbeiten. Quelle: REUTERS
Reichtum durch AktienAn den Beispielen von Steve Jobs, Bill Gates und Mark Zuckerberg zeigt sich deutlich, dass Reichtum nicht unbedingt aus einem Aktienpaket kommen muss, sondern viel mehr durch die Gründung eines Unternehmens oder den Verkauf dessen entsteht. Mit keinem oder wenig Kapital kann man auch nur schwer eine gute Rendite erzielen. Quelle: dpa
Steuerhinterziehung - oder doch nicht?Medienaufmerksamkeit ist besonders reichen Menschen gewiss - das sollte bereits eine warnende Tatsache sein. Trotzdem hinterziehen einige Steuern oder zahlen sie zumindest nicht in der verlangten Höhe. Allerdings lässt sich nicht klar nachvollziehen, ob sie es in einem größeren Ausmaß tun, als der Normalbürger. Wahrscheinlich fällt es nur häufiger auf. Die Besonderheit ist viel mehr, dass viele Reiche nur einen kleineren Teil ihres Einkommens versteuern müssen als ein durchschnittlicher Steuerzahler, weil sie auch mit Investments Geld verdienen und die werden niedriger versteuert. Quelle: dpa

Kräftige Kursgewinne an den Börsen haben das Geldvermögen privater Haushalte in aller Welt einer Studie zufolge auf ein Rekordniveau getrieben. Nicht nur die Deutschen waren 2013 mit einem Brutto-Geldvermögen von 5153 Milliarden Euro (plus 4,0 Prozent) so reich wie nie: Weltweit kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit so stark wie seit 2003 nicht mehr, wie der Versicherungskonzern Allianz am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports“ mitteilte. Rund um den Globus summierte sich der Geld-Vermögensbestand demnach auf 118 Billionen Euro.

Haupttriebfeder des Wachstums war die ausgezeichnete Entwicklung der Börsen in Japan, den USA und Europa. Das in Form von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren gehaltene Vermögen erzielte ein Plus von 16,5 Prozent auf 45 Billionen Euro, wie Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise betonte: „Dahinter steht aber nicht die plötzlich wiederentdeckte Liebe der Sparer für Aktien. Lediglich in den USA floss frisches Geld in nennenswerter Höhe in Aktien oder andere Wertpapiere, vor allem Europäer zogen hingegen weiter Geld ab.“

In Westeuropa (ohne die Schweiz) flossen nach den Angaben etwa 45 Milliarden Euro oder rund 110 Euro pro Kopf aus Wertpapieren ab. Dank der Bewertungsgewinne blieb unterm Strich dennoch ein kräftiger Zuwachs des Wertpapiervermögens um 7,3 Prozent. Auch davon profitierte freilich nur, wer Aktien besaß. Der Vermögenszuwachs 2013 lag deutlich über dem Plus der beiden Vorjahre von 8,3 Prozent (2012) und 2,8 Prozent (2011) - und er übertraf das langfristigen Durchschnittswachstum von 2001 bis 2013 von jährlich 5,2 Prozent klar. Immobilien, Ansprüche auf die gesetzliche Rente oder Vermögensgegenstände wie Autos oder Kunst sind in der Statistik nicht enthalten. Unter den drei großen Anlageklassen - Wertpapiere, Bankeinlagen sowie Versicherungen und Pensionen - schnitten die Bankeinlagen mit plus 5,5 Prozent am schwächsten ab. Trotz der Minizinsen, die zu realen Wertverlusten führen, brachten die meisten Europäer auch 2013 einen großen Teil ihrer Ersparnisbildung zur Bank.

Die Westeuropäer hielten nach den Angaben Ende 2013 fast ein Drittel ihres Geldvermögens in Form von Sicht-, Termin- und Spareinlagen aber nur 27 Prozent in Wertpapieren. Zum Vergleich: 54 Prozent des Geldvermögens von Nordamerikanern steckt in Aktien & Co, aber nur 13 Prozent in Bankeinlagen. Somit erhöhte sich das Brutto-Geldvermögen amerikanischer Haushalte im vergangenen Jahr mit 11,7 Prozent mehr als doppelt so schnell wie das der Westeuropäer (5,2 Prozent).

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„Für viele private Sparer, insbesondere in Europa, stellen kurzfristige Bankeinlagen immer noch die erste Wahl dar, während um langfristige Anlagen, auch Aktien, weiterhin ein großer Bogen gemacht wird“, schreibt Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann im Vorwort der Studie: „Geld wird nicht investiert, sondern geparkt.“ Dies stehe im klaren Widerspruch zu den neuen Realitäten. Denn die Krise der letzten Jahre habe die Dringlichkeit der eigenverantwortlichen Altersvorsorge noch weiter erhöht: „Die demografische Zeitbombe tickt angesichts leerer Staatskassen immer lauter.“

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