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Görlachs Gedanken

Donald Trump führt einen Kreuzzug gegen die Demokratie

Sollte Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl verlieren, war die Wahl gefälscht. So einfach ist es aus Sicht des Milliardärs – und es zeigt: Trump hat Lust daran, das Land an den Rand eines Bürgerkriegs zu manövrieren.

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"Weil du dann im Gefängnis wärst"
Donald Trump Quelle: dpa
Donald Trump (links), Hillary Clinton (rechts) Quelle: REUTERS
Donald Trump küsst seine Frau Melania Quelle: AP
Donald Trump Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: REUTERS
Hillary Clinton (links), Donald Trump (rechts) Quelle: REUTERS
Hillary Clinton (links), Zuschauer (rechts) Quelle: REUTERS

Es ist noch kein Jahrzehnt her, da regierte ein ultra-christlicher Präsident George W. Bush die Vereinigten Staaten von Amerika – mit verheerenden Konsequenzen, die sich unter anderem im Gefolge der Kriege im Irak und Afghanistan noch besichtigen lassen. George W. Bush nutzte nicht selten eine religiöse Rhetorik, die „Achse des Bösen“ ist ein Beispiel. Auch führte er den Begriff des „Kreuzzugs“ gegen den Terror ein. Kabinettstreffen des frommen Mannes begannen mit Gebeten. Alles in allem schien sein Weltbild von apokalyptischen und gnostischen Bildern geprägt gewesen zu sein. Hier die Guten, dort die Bösen. Der Konflikt zwischen islamistischem Terrorismus und den Vereinigten Staaten von Amerika als Fanal des biblischen Armageddon.

Biblische Terminologie und christliche Rhetorik ist den Amerikanern, den Republikanern im Besonderen, nicht fremd. Die „scheinende Stadt auf dem Berge“, wie Ronald Reagan die USA apostrophierte, hat darin ihren Ursprung. Wann immer sich der moderne Staat versucht mit Religion zu legitimieren oder aufzuwerten, tut es ihm nicht gut.

Die Marke Donald Trump

Am Ende stehen angeschlagene und ausgehöhlte Institutionen, wie es in der Türkei oder in Russland zu beobachten ist. Und nun Donald Trump. Sein „Grab them by the pussy“ ist sicher nicht einem biblischen Text entnommen, aber die Rhetorik, die er entfaltet, ist ebenso geeignet, die Nation zu spalten und die Amerikaner gegeneinander aufzubringen und bürgerkriegsähnliche Szenen zu evozieren.

Zwar sagte der Sexist und Politik-Anfänger am Ende der ersten Präsidentschaftsdebatte, dass er den Ausgang der Wahl akzeptieren würde. Wenig später aber, und zum wiederholten Male, äußerte er, dass der Wahlausgang, sollte er nicht gewinnen, garantiert gefälscht wäre. Seine Anhänger glauben ihm. Denn der Narrativ, dass „die in Washington“, dass „das Establishment“ ihn verhindern wolle, ist tief verankert im US-amerikanischen Selbstverständnis. Fast nichts ist einem Amerikaner mehr verhasst, als seine Zentralregierung.

Das Land ist groß und die Behauptung, dass die in der Hauptstadt nur die individuellen Rechte beschneiden wollten, ist mehr als salonfähig. Die Debatte um Waffenbesitz, den zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung, kreist ebenfalls darum: es geht nicht darum, ob es sinnvoll ist, Waffen zu besitzen, sondern darum, dass es illegitim sei, sollte die Zentralregierung die Waffen ihrerseits einsammeln wollen.

Die größten Absurditäten im US-Wahlkampf
Hillary Clintons Doppelgängerin Quelle: AP
Von Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick Quelle: dpa
Der Knopf in Clintons Ohr Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Donald Trump – der Antichrist Quelle: dpa
Hillary Rodham Clinton Jimmy Quelle: AP
Die Illuminati und Trump Quelle: REUTERS

Die Legitimation der Bundesregierung hängt von ihrem als amerikanisch verstandenen Verhalten ab. Dies ist auch der Grund, warum Barack Obama für viele, auch wieder in religiöser Sprache, der „Anti-Christ“ ist. Er hat die Krankenkasse für alle eingeführt. Was eine Selbstverständlichkeit in Europa ist, der Begriff der Solidarität, gilt in den individualistischen USA nicht nur ein Fremd-, sondern auch ein Schimpfwort.

Für viele ist das schlicht Sozialismus. Wenn ein Kandidat presidentiell sein soll, wird er geprüft: verkörpert er das, was als amerikanische Werte gilt? Dabei machen Präsidenten immer einen Spagat, denn sie entstammen dem Politikbetrieb und müssen gleichzeitig so tun, als sei dies nicht der Fall.

Trump behauptet, die Wahl werde garantiert gefälscht

Das, was gerade in den USA passiert, ist aber historisch singulär und nicht in einer Linie mit bisherigen Wahlkämpfen: der Kandidat der Republikaner behauptet, dass die Wahl garantiert gefälscht werden wird. Es ist der erwähnte George W. Bush, dessen Regierung den Nährboden bildet dafür, dass so etwas, wie die Behauptung Donald Trumps, überhaupt gedeihen kann. Seine erste Wahl, von der nicht heute wenige behaupten, dass George W. Bush nicht ihr rechtmäßiger Gewinner war, steht am Anfang dieses Arguments.

Wir erinnern uns an Wahlurnen, die nach der Auszählung der Stimmen irgendwo auftauchten. Bush gewann mit kleinem Vorsprung. Jeb Bush, der Bruder des Präsidenten und auch ein Kandidat im Rennen um das Weiße Haus in diesem Jahr, war damals Gouverneur von Florida.

Damals bot das kommunistische Kuba an, Wahlbeobachter in die USA zu entsenden. Viel tiefer konnte man in jener Zeit nicht sinken. Die Demokratie ist seitdem angezählt und sie wurde weiter beschädigt durch die Tea-Party-Bewegung und die Verstumpfung des konservativen Spektrums in den USA, am besten in seiner ganzen Pracht verkörpert durch Fox-News und die frühere US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin.

Trump „jämmerlich unvorbereitet“ für Präsidentschaft
„Hillary Clinton will Amerikas Angela Merkel werden, und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist“, sagte Trump Mitte August in einer außenpolitischen Rede in Youngstown (Ohio). „Die Kriminalität ist auf ein Niveau gestiegen, das niemand geglaubt hat, je zu sehen.“ Die USA hätten genug Probleme, ohne sich durch die ungezügelte Aufnahme syrischer Flüchtlinge weitere aufzubürden. Quelle: AP
„Jämmerlich unvorbereitet“, um die USA als Präsident führen zu können, ist Donald Trump nach Aussagen von US-Präsident Barack Obama. Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus forderte Obama die Republikaner am Dienstag auf, Trump nicht mehr zu unterstützen. Dabei gehe es um mehr als unterschiedliche Ansichten politischer Natur, sagte Obama. Trotz des wachsenden Unmuts gegenüber Trump hat bisher kein Republikaner ihm seine Unterstützung entzogen. Obama sagte, republikanische Politiker hätten wiederholt feststellen müssen, dass Äußerungen Trumps inakzeptabel seien. „Warum unterstützen Sie ihn dann noch?“, fragte Obama. Quelle: dpa
„Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort - großartige Gebäude“, sagte Donald Trump in einer Rede und zeigte, wie es um seine geographischen Kenntnissen bestellt ist. „Ich war mal dort, vor vielen, vielen Jahren. Vor ein paar Monaten habe ich dann ein Statement abgegeben, nach dem Motto, Belgien ist ein elendes Loch. Dafür wurde ich dann schwer kritisiert, man hat gesagt, was für eine böse Sache - und dann hatten sie in Belgien dieses massive Problem.“ Quelle: dpa
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat die Washington Post von künftigen Wahlkampfauftritten ausgeschlossen: Auf Facebook bezeichnete er das Blatt als "unehrlich und verlogen". Die Washington Post hatte erst kürzlich kritisch über den Milliardär berichtet. In den Augen von Trump sei die Berichterstattung "unglaublich fehlerhaft", deshalb habe er der Zeitung die Akkreditierung für seine Wahlkampfveranstaltungen entzogen. Der umstrittene republikanische Präsidentschaftsbewerber Trump ist ein Quereinsteiger und hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Im Wahlkampf macht er immer wieder mit skurrilen Aussprüchen auf sich aufmerksam. Quelle: AP
Donald Trump Quelle: REUTERS
Donald Trump Quelle: dpa
Trumps Knaller nach dem Sieg in den Vorwahlen von Nevada: „Wir haben bei den Evangelikalen gewonnen. Wir haben bei den Jungen gewonnen, wir haben bei den Alten gewonnen. Wir haben bei den gut Gebildeten gewonnen, wir haben bei den schlecht Gebildeten gewonnen. Ich liebe die schlecht Gebildeten.“ Quelle: REUTERS

Heute führt Donald Trump nicht weniger als einen „Kreuzzug gegen die Demokratie“. In der zweiten TV-Debatte hat er umfänglich zu Protokoll gegeben, dass er das demokratische System der USA, das Gesetzgebungsverfahren, nicht versteht. Hillary Clinton musste ihn darauf aufmerksam machen, dass es ein Veto des Präsidenten gibt, als Trump sie anging, warum sie als eine der Senatorinnen nicht im Alleingang ein Gesetz durchgeboxt hat. Ihr war es nicht möglich, weil eben jener Republikaner, George W. Bush, seinerzeit im Amt war.

Ob Donald Trump wirklich versteht, was er da tut? Ist er ein Soziopath, ein Bully, ein Tyrann? Macht er all das mit Berechnung und Kalkül oder nur und einfach, weil er es kann? Mit seinen fanatischen Anhängern, von denen er einmal gesagt hat, dass sie ihn auch weiter wählen würden, wenn er auf der Fifth Avenue in New York jemand erschösse, ist in jedem Fall nicht zu spaßen.

Die Wirtschaftsberater von Donald Trump

Donald Trump hat Lust daran, das Land an den Rand des Bürgerkriegs zu manövrieren. Ob er dabei eine Marionette des Kreml ist oder nicht, wird früher oder später herauskommen. In jedem Fall lacht man sich in Moskau kaputt und sehnt den Untergang der verhassten USA herbei. Seine Ankündigung, Hillary Clinton ins Gefängnis zu werfen, wenn er Präsident wird, spricht Bände. Eine unabhängige Justiz, Gewaltenteilung? Der Generalstaatsanwalt muss sich der Sache des Präsidenten Trump annehmen, sagt dieser.

Am Ausgang dieser Untersuchung hat Trump indessen schon heute keinen Zweifel. „Lock her up!“ skandieren seine Anhänger: „Sperr die Clinton ein!“ Die USA erinnern nicht mehr an die Stadt auf dem Berge, sondern an das durch den Tyrannen Nebukadnezar zerstörte Jerusalem. Und es erinnert an das Wort des Herrn, der im Angesicht der Tragöde spricht: „Weint über euch und eure Kinder“ (Lk. 23,28).

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