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Görlachs Gedanken
Venezuela droht zu einem zweiten Syrien zu werden Quelle: AP

Venezuela könnte ein zweites Syrien werden

Der Machtkampf in Venezuela ist auch Kräftemessen der Großmächte. Im schlimmsten Fall droht ein zweites Syrien. Die internationale Gemeinschaft sollte aktiv werden.

Es geht eigentlich um die Zukunft eines lateinamerikanischen Landes, aber aus dem Konflikt ist längst ein Kräftemessen zwischen den großen Mächten geworden. Am Ende geht es, wieder einmal, um die Systemfrage. Wenn Russland und China gemeinsame Sache machen und eine Resolution der UN für freie Wahlen in dem Land blockieren, dann weiß man sogleich, wer in diesem Spiel die Bösen sind. Die Guten, das sind die USA und Teile ihrer Verbündeten, wie auch die Bundesrepublik Deutschland. Sie wollen dem Land aus der Misere helfen und die schlimmste humanitäre Katastrophe abwenden.

So holzschnittartig kann man das Grundsätzliche abstecken, aber über die Instrumente, mit denen das Gute für Venezuela erreicht werden soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Und letztendlich wird ein „regime change“ nur durch die Hilfe von außen möglich und hier kommen dann immer Interessen ins Spiel, die über jene der Bevölkerung eines Landes wie Venezuela hinausgehen und ein Land sehr schnell zu einem Punkt im Interessenkalkül der Geostrategen machen. Venezuela, ein Land reich an natürlichen Ressourcen, ist so ein Punkt auf der Landkarte.

Russland ist ein Verbündeter des Landes. Gemeinsam mit Hugo Chavez war der Kreml daran interessiert, im „Vorgarten“ der USA eine Rolle spielen und Washington empfindlich stören zu können, wenn gewünscht. China hat wie überall auf der Welt auch in Lateinamerika das Scheckheft gezückt. Auch hier geht es, unter anderem, darum, in unmittelbarer Nähe zu den Vereinigten Staaten, operieren und deren Einfluss in der Welt limitieren zu können.

Russland und China dringen darauf, dass nun alles regelbasiert ablaufen müsse und treffen dabei den neuralgischen Punkt: die demokratischen, rechtsstaatlichen Länder von Japan bis Kanada kritisieren ja die beiden autokratischen Führer Putin und Xi ja genau dafür, dass sie eben in ihren Ländern Rechtsstaatlichkeit nicht durchgehend zulassen. Dabei lassen sie außer Acht, dass eben genau diese Rechtsstaatlichkeit in Venezuela nicht mehr gegeben ist, und ein ebenfalls autokratischer Führer Hilfslieferungen für seine Bevölkerung nicht zulässt. Sollte der rechtliche Instrumentenkasten hier in der Tat nicht ausreichend gefüllt sein, um einem solchen Entgleiten der Führung, wie unter Herrn Maduro geschehen, zu begegnen, dann muss die internationale Gemeinschaft hier schleunigst aktiv werden.

Gleichzeitig droht das Szenario, dass aus Venezuela ein zweites Syrien wird: Mit Russland und China auf der einen Seite, die einen Autokraten, der auf das eigene Volk nichts gibt, stützen, und den USA und ihren Partnern auf der anderen Seite. Damit steht der Welt ein neues Kräftemessen ins Haus, das die USA im Falle Syriens verloren haben. Dort teilen sich Russland, die Türkei und der Iran die Beute, der Westen schaut zu. Für die Menschen in Venezuela bleibt zu hoffen, dass Ihnen dasselbe Schicksal wie den Syrern erspart bleibt.

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