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Görlachs Gedanken
Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass sich bis zu 100.000 Menschen bereits mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Quelle: REUTERS

Was uns das Coronavirus über die globalisierte Welt lehrt

Das Coronavirus greift von China aus weiter um sich. Das zeigt, wie anfällig unsere Welt und ihre Ordnung sind. Die Akteure unserer Weltwirtschaft sollten mindestens zwei Lehren daraus ziehen.

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Das Coronavirus ist längst nicht unter Kontrolle: China meldet mehr als 100 Todesfälle und tausende Infizierte. Die Mongolei schließt die Grenze zur Volksrepublik. An vielen Flughäfen in der Welt – auch in Deutschland – werden Vorkehrungen getroffen, um infizierte Passagiere erkennen und medizinische Hilfe leisten zu können. Am Montagabend wurde in Bayern der erste deutsche Fall eines infizierten Patienten offiziell bestätigt.

Betroffen ist auch die Wirtschaft: Die unbekannte Lungenkrankheit drückte etwa die Kurse an Japans Börsen. In China und Hongkong fand wegen des Neujahrsfestes kein Handel statt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass sich bis zu 100.000 Menschen bereits infiziert haben könnten. China verbietet indessen der benachbarten Insel Taiwan die Mitgliedschaft in dieser Organisation, obwohl sich durch Reisende, die aus China kommen, auch Menschen in dem kleinen Inselstaat infiziert haben. Viele Chinesen haben Familie außerhalb ihres Landes: in den USA, Kanada oder Australien. In einer Zeit, in der interkontinentale Flüge für viele Menschen normal sind, breitet sich der Virus schnell über den Erdball aus.

In der globalisierten Welt mit ihrem beständigen Waren-, Personen-, Finanz- und Ideenverkehr erinnert das Virus an zweierlei: Erstens mahnt es an die notwendige Zusammenarbeit von Nationen zu denken, deren Grenzen für ein tödliches Virus kein Hindernis darstellen. Um einer solchen Herausforderung begegnen zu können, gibt es internationale Institutionen wie die WHO. Ohne ihren koordinierten Einsatz wären die Auswirkungen des Coronavirus um ein vielfaches verheerender. Das ist wichtig zu betonen in einer Zeit, in der es in vielen Ländern isolationistische Bestrebungen gibt, die auf den Rest der Welt nichts geben und vorgeben, dass die eigene Nation „first“ kommt.

Das Gegenteil ist wahr, denn es zeigt sich doch nun, wieder einmal, dass die Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht – Klimawandel, Flüchtlinge, ein faires Wirtschaftssystem – nicht von einem Land alleine bewältigt werden können. Vor diesem Hintergrund muss die Weltgemeinschaft auch darauf dringen, Taiwan, das wegen China in internationalen Gremien blockiert wird, in die WHO zugelassen wird. In einem solchen Falle wie dem Coronavirus darf es keine politische Rivalität, sondern nur zwischenmenschliche Empathie geben.

Zweitens legt das Virus offen, wie anfällig unsere Welt und ihre Ordnung sind. Nichts davon ist selbstverständlich und erhält sich wie von Wunderhand selbst. Die Akteure einer Weltwirtschaft, die darin besteht, dass Waren, Dienstleistungen und Personen unentwegt den Globus kreuzen, müssen achtsam und aufmerksam darauf schauen, dass sie sich die Grundlage dafür nicht entziehen: Erst kommen der Mensch und sein Wohlergehen. Alles andere baut darauf auf. Der Kampf gegen das Coronavirus wird dies der Weltgemeinschaft wieder neu vor Augen führen.

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