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Golden State Kalifornien ist im Goldrausch

Der US-Bundesstaat hat die Beinahe-Pleite umsurft und erstrahlt in neuem Glanz - vor allem durch Steuererhöhungen für Besserverdienende. Doch ist der Aufschwung erst einmal vorbei, leidet die Wirtschaft doppelt.

Stellt Bürger vor die Qual der Wahl - Kaliforniens Gouverneur Brown Quelle: dpa

Zu triumphieren gab es nichts. Als der Republikaner Arnold Schwarzenegger am 3. Januar 2011 sein Amt als Gouverneur von Kalifornien dem Demokraten Jerry Brown übergab, hinterließ er eine Haushaltslücke von etwa 28 Milliarden Dollar – rund ein Viertel des gesamten Jahresetats. Seine Sparbemühungen, viele in heftigen Kämpfen mit Gewerkschaften ausgetragen, hatten wenig gefruchtet. Aus einer stagnierenden Wirtschaft mit einer zweistelligen Arbeitslosenrate konnte sich Schwarzenegger nicht heraussparen. Kalifornien stand am Rand des Bankrotts und hatte mal wieder seinen Ruf bestärkt, weit über seine Verhältnisse gelebt zu haben.

Zwei Jahre später erstrahlt der Golden State in neuem Glanz. Wirtschaftsnobelpreisträger und "New York Times"-Kolumnist Paul Krugman preist Kalifornien sogar als Vorbild für die hoch verschuldeten USA – nicht nur, weil es seinem Rat gefolgt ist, die Steuern zu erhöhen.

Die größten Gläubiger der USA
Der Schuldenberg der USA wächst und wächst. Inzwischen ist die 15-Billionen-Dollar-Marke locker geknackt. Mit rund einem Drittel der Summe steht Washington im Ausland in der Schuld. Staaten und Investoren aus aller Welt halten (Stand Mai 2012) US-Staatsanleihen im Wert von mehr als fünf Billionen US-Dollar. Dem südlichen Nachbar der USA, Mexiko, schuldete die größte Volkswirtschaft der Welt im Mai nach Angaben des US-Finanzministeriums 46,3 Milliarden US-Dollar. Innerhalb von zwölf Monaten haben die Mexikaner ihren Besitz an US-Schuldscheinen fast verdoppelt: Vor einem Jahr hatte Mexiko noch US-Anleihen im Wert von 27,7 Milliarden US-Dollar im Portfolio. Quelle: REUTERS
Obama, Merkel Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: REUTERS
Obama, Putin Quelle: dpa
Flagge Großbritannien Quelle: dpa
Meer vor Nassau Quelle: dapd
Brasilien entwickelt sich immer mehr zu einer Wirtschaftsmacht. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2010 um 5,5 Prozent. Die heimische Währung hingegen macht Probleme: Der Real verteuerte sich zunehmend gegenüber dem US-Dollar. Zwischen Ende 2008 und Oktober 2010 wurde der Real um 38 Prozent aufgewertet. Die Zentralbank erhöhte daraufhin ihre Dollarbestände um ein Viertel auf über 270 Milliarden Dollar. Das Land besitzt derzeit US-Staatsanleihen im Wert von 243,4 Milliarden US-Dollar, der Wert steigt konstant. Brasilien liegt damit auf Rang 4. Quelle: dapd

Im aktuellen Haushalt, den Gouverneur Brown Mitte Januar präsentierte, klafft erstmals seit Jahren keine Finanzierungslücke mehr. Während US-Präsident Barack Obama noch immer nicht weiß, wie er der Verschuldung des Bundesstaates Herr werden soll, prognostiziert dessen Parteifreund im laufenden Haushaltsjahr sogar einen Überschuss von 785 Millionen Dollar; im nächsten sollen es 851 Millionen Dollar sein. Brown will mit dem Geldsegen eine Rücklage von einer Milliarde Dollar bilden, als Notgroschen für schwere Zeiten.

Der Bürger zahlt - Wie sich Kaliforniens Jahresbudget speist (in Milliarden Dollar) (zum Vergrößern bitte anklicken)

"Kalifornien hat den Abgrund überwunden", sagt Stephen Levy, Direktor des Center for Continuing Study of the California Economy in Palo Alto. Wie hat Brown das geschafft?

Zunächst einmal profitiert der 74-Jährige, der schon von 1975 bis 1983 Kalifornien führte und dessen Vater Pat in den Sechzigerjahren das Land regiert hat, von einem zarten Wirtschaftsaufschwung. Mit dem leichten Anziehen der Immobilienpreise hat sich die Baubranche etwas erholt, der niedrige Dollar hilft dem Agrar -und Technologiesektor.

Die größten Pleitekandidaten der USA

Erstmals seit vier Jahren ist die Arbeitslosenrate wieder unter die Zehn-Prozent-Marke gefallen. Im Budget 2013 erwartet der Staat Mehreinnahmen von 3,1 Milliarden Dollar, vor allem durch höhere Einkommen-, Verbrauchs-und Gewerbesteuern.Dank Kürzungen beim Bildungs- und Sozialetat und Steuererhöhungen für Besserverdiener

Gegen Widerstand aus seiner eigenen Partei hielt Brown auch einen strikten Sparkurs durch. Weil viele Haushaltsposten nicht gekürzt werden können, ohne Bundeszuschüsse zu verlieren, oder aber eine Reihe von Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben sind, betrafen die Streichungen fast ausnahmslos den Bildungs- und Sozialetat. "Im Grunde hat er die Mehrausgaben, die während des Dotcom-Booms gegen die Warnung vieler Ökonomen eingeführt wurden, wieder zurückgedreht", sagt Levy.

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