Griechenland-Krise "Sanfte" Umschuldung, Problem vertagt

Die Bundesregierung erwägt eine „sanfte“ Umschuldung mit freiwilligen Absprachen mit den Gläubigern. Entschlossenheit geht anders, die gab es nur bei der Verschiebung der Entscheidung auf Juni.

Eine griechische Euromünze Quelle: dpa

Seit Wochen dementiert EU-Währungskommissar Olli Rehn, dass Griechenlands Schulden umstrukturiert werden könnten. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hat ebenso ausdauernd alle entsprechenden Gerüchte als Spekulationen zurückgewiesen. Doch nun zeichnet sich ab, dass es zu einer Umschuldung Griechenlands kommen wird, wie es die Finanzmärkte seit längerer Zeit erwarten. Die Bundesregierung hingegen hat erstmals eine sanfte Umschuldung ins Gespräch gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält eine Restrukturierung der griechischen Staatsschuld für möglich, wenn mit Gläubigern freiwillige Absprachen getroffen würden. Eurogruppenchef Juncker bekräftigte die Aussage gestern am späten Abend nach der Sitzung der 17 Finanzminister der Eurozone in Brüssel. Er sprach von einer "Neuprofilierung“ der Schulden. Gleichzeitig versuchte er das Thema hinunterzuspielen, indem er eine „große Umstrukturierung“ ausschloss.

Radikale Maßnahmen diskutiert

Eine schnelle Entscheidung ist jedoch nicht zu erwarten. Im Juni wird das Thema Griechenland erneut auf der Tagesordnung stehen. Vor allem werden sich die Staats- und Regierungschefs Ende Juni beim Gipfel in Brüssel damit auseinandersetzen müssen. Noch bis diesen Mittwoch sind Experten der EU-Kommission, des IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Athen, um die Fortschritte des Landes zu überprüfen. Ihr Bericht soll die Grundlage der weiteren Beschlüsse sein. Von der Einschätzung der Experten hängt auch ab, ob die nächste Kredittranche über zwölf Milliarden Euro im Juni ausbezahlt wird.

Die griechische Regierung hat sich zu weiteren Spar- und Reformanstrengungen verpflichtet, was Eurogruppenchef Juncker begrüßte. „Jeder weiß, Griechenland muss sich mehr anstrengen.“ Die französische Finanzministerin Christine Lagarde forderte die Regierung auf, die Privatisierung mit mehr Elan voranzutreiben. „Die Privatisierung in Griechenland ist in Verzug“, sagte Lagarde, „Das muss sich ändern.“

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