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Griechenland Rettet uns vor diesen Hilfen!

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7. Was kostet die Griechenland-Hilfe den deutschen Steuerzahler?

Die 8,4 Milliarden Euro für 2010 wären wohl erst der Anfang. 2011 und 2012 benötigt Athen nach Schätzung von Finanzexperten jeweils weitere 40 bis 50 Milliarden Euro, 2013 sind es 28 Milliarden Euro. Bitten die Griechen die Euro-Länder dann erneut um Hilfe, müsste Deutschland weitere 36 Milliarden Euro locker- machen. Zwar liegen die Refinanzierungskosten der KfW unter den Zinsen, die sie Griechenland für den Kredit in Rechnung stellt. Zahlen die Griechen das Geld jedoch nicht zurück, müsste die Bundesregierung die Verluste übernehmen. Das belastet die Bonität Deutschlands und könnte Investoren dazu veranlassen, höhere Zinsen von Deutschland zu fordern. So kostet jeder Prozentpunkt, den der Durchschnittszins für die Schulden steigt, die Steuerzahler langfristig 20 Milliarden Euro mehr an Zinsen pro Jahr.

8. Machen die Finanzhilfen die griechische Wirtschaft wieder flott?

Nein. Auch nach den Hilfszusagen müssen die Griechen noch hohe Zinsen von über sechs Prozent am Markt zahlen. „Die hohen Zinsen sind der Sargnagel für die langfristige Zahlungsfähigkeit Griechenlands“, fürchtet der Vermögensverwalter Bert Flossbach. Er erwartet für 2012 ein Schuldenniveau von 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). „Bis dahin wird sich der durchschnittliche Zins wegen der Ablösung alter durch teurere neue Anleihen von derzeit rund vier auf fast sechs Prozent erhöht haben. Allein die Zinszahlungen würden sich dann auf rund 20 Milliarden Euro belaufen und 38 Prozent der Staatseinnahmen verschlingen. Soll der Haushalt ins Lot kommen, muss Griechenlands Wirtschaft wachsen. Das aber erfordert eine mehrjährige Rosskur mit niedrigeren Löhnen und steigender Produktivität.

9. Welche Folgen hat die Hilfe für die Zukunft der Währungsunion?

Die Hilfen setzen den Sanktionsmechanismus des Marktes außer Kraft. Damit sinkt der Druck auf Griechenland, den Staatshaushalt zu sanieren. Fraglich ist, ob IWF und Euro-Länder die Härte aufbringen, die notwendigen Reformen zu erzwingen. Weil die Hilfen die Folgen der Schuldenmacherei abfedern, steigt die Gefahr, dass andere Länder dem Beispiel Griechenlands folgen. Die Währungsunion droht so zu einer Schulden- und Transferunion zu verkommen, die die Leistungskraft der reicheren Länder aushöhlt. Der wachsende Schuldenberg lässt sich dann nur noch durch Inflation abtragen. Der politische Druck in den Ländern mit einer Stabilitätstradition, die Währungsunion zu verlassen, dürfte wachsen.

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