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Griechenland Rückkehr zur Drachme böte mehr Chancen als Risiken

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ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Quelle: dpa

Positiv wäre sicherlich , dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft auf einen Schlag deutlich verbesserte. Nicht nur Ziegenkäse und Samos-Wein würden für ausländische Abnehmer billiger. Auch der Urlaub auf den griechischen Inseln, der sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert hatte, würde wieder erschwinglich. Statt an die Türkische Riviera zu fahren, würden die Urlauber wieder Flüge nach Kos, Rhodos und zur Akropolis buchen.

Auf der anderen Seite würde die Talfahrt der Drachme die Importpreise kräftig steigen lassen. Das könnte die Forderungen nach höheren Löhnen befeuern, zumal viele Griechen im Zuge der Wirtschaftskrise hohe Gehaltseinbußen haben hinnehmen müssen. Nach einem Austritt aus der Währungsunion würde der Reformdruck nachlassen, und die Arbeitnehmer sähen wohl keinen Sinn mehr darin, sich bei den Löhnen zurückzuhalten. Die Unternehmen dürften den Kostenschub in ihre Absatzpreise überwälzen. So könnte Griechenland den abwertungsbedingten Gewinn an preislicher Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Inflation wieder verspielen.

Banken leiden

Das gilt vor allem dann, wenn die Notenbank – was zu erwarten wäre – das hohe Defizit im Staatshaushalt durch das Anwerfen der Notenpresse finanzierte. Die Inflation und das hohe Ausfallrisiko wirkten auf ausländische Kapitalgeber abschreckend. Ähnlich wie bei anderen Staatsbankrotteuren in der Vergangenheit bestünde auch für Griechenland die Gefahr, dass das Land für längere Zeit vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten wäre. Damit fehlten die Mittel, um das Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren. Die Hellenen müssten ihren Gürtel abrupt mehrere Löcher enger schnallen. Die Ökonomen der japanischen Bank Nomura halten es sogar für möglich, dass es zu Versorgungsengpässen bei wichtigen Importgütern wie Nahrungsmitteln und Benzin käme.

Um soziale Unruhen abzuwenden, müsste Griechenland auf mehrjährige Zahlungsbilanzkredite des Internationalen Währungsfonds zurückgreifen – und bliebe so ein Dauerkunde der Washingtoner Behörde.

Die größten Probleme aber entstünden für die Banken. Denn mit der Abwertung der Drachme würden die in Euro denominierten Schulden des Staates gegenüber dem Ausland massiv aufwerten, Zins- und Tilgungszahlungen verteuerten sich. Der Staatsbankrott wäre nicht mehr zu vermeiden.

Die Gläubiger des griechischen Staates – Banken, private Haushalte und öffentliche Kreditgeber – müssten dann auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten. Die Ökonomen der japanischen Bank Nomura rechnen mit einem Forderungsausfall von 80 Prozent.

Europäische Forderungen

Für die griechischen Banken wäre das der GAU. Denn sie haben Staatsanleihen des eigenen Landes von etwa 45 Milliarden Euro in ihren Büchern. Das entspricht 160 Prozent ihres Eigenkapitals. Kommt der Schuldenschnitt, wäre das griechische Bankensystem ausgelöscht.

Ohne Banken aber ist keine Volkswirtschaft der Welt überlebensfähig. Die Institute müssten daher gerettet werden. Eigentlich wäre das die Aufgabe der griechischen Regierung. Doch dafür benötigt sie Geld. Geld, das sie nicht besitzt. Experten erwarten deshalb, dass die Europäer den Griechen den Start in das neue Währungszeitalter mit einer kräftigen Kapitalspritze für ihre Banken erleichtern – als goldener Handschlag gewissermaßen.

Auch die Forderungen anderer europäischer Finanzinstitute gegenüber dem griechischen Staat stünden im Feuer. Deren Außenstände belaufen sich auf rund 37 Milliarden Euro. Vor einem Jahr noch hätte sie ein Forderungsverzicht ernsthaft in Bedrängnis gebracht. Doch mittlerweile sind die Institute besser gerüstet, die meisten haben ihre griechischen Anleihen bis zur Hälfte des Nennwerts abgeschrieben.

Abgesehen von einigen Ausnahmen, so das Urteil der Bonitätswächter von Fitch, ist das Engagement der europäischen Banken nicht groß genug, um sich Sorgen um die Zahlungsfähigkeit der Institute im Falle einer Griechenland-Pleite zu machen. Dennoch ginge ein Haircut von 80 Prozent nicht spurlos an ihnen vorüber. Vor allem die französischen Banken würde ein Schuldenschnitt hart treffen. 16 Milliarden Euro müssten sie laut Berechnungen der Nomura-Analysten abschreiben. Deutsche Banken kämen auf Wertberichtigungen von neun Milliarden Euro, das entspräche gerade mal 2,4 Prozent ihres Eigenkapitals.

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