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Griechenland Rückkehr zur Drachme böte mehr Chancen als Risiken

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ARCHIV - ILLUSRTATION - Blick Quelle: dpa

Zypriotische Geldhäuser haben zwar nur fünf Milliarden Griechen-Bonds in ihren Büchern, dennoch würde das Bankensystem der Insel daran laut Einschätzung der Commerzbank zusammenbrechen. Allerdings werde der europäische Rettungsfonds EFSF einspringen und die Institute mit frischem Kapital versorgen, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

Teurer für den Steuerzahler wird es bei der EZB: Bankvolkswirte schätzen, dass die Euro-Hüter für rund 50 Milliarden Euro Hellas-Staatsanleihen gekauft haben. Auch wenn die Zentralbank diese vorsorglich mit einem Wertabschlag in ihren Büchern stehen hat, müsste sie nach Schätzung der Nomura-Analysten noch mehr als 20 Milliarden Euro abschreiben.

Hinzu kommt: Die Notenbank hat im Rahmen ihrer Refinanzierungsgeschäfte mehr als 100 Milliarden Euro in das hellenische Bankensystem gepumpt. Dafür bekam sie Sicherheiten in Höhe von 149 Milliarden Euro. Das meiste davon dürften jedoch Schrottpapiere sein. Die Analysten von Nomura schätzen, dass bei der EZB neben den griechischen Staatsanleihen auch Schuldverschreibungen von griechischen Banken in Höhe von 53 Milliarden Euro lagern. Das Übrige sind strukturierte Produkte und andere Wertpapiere, auf die laut Nomura ein Haircut von etwa 50 Prozent fällig würde. Insgesamt würde die EZB 50 Milliarden Euro Verlust mit ihren Verleihgeschäften machen. Unterm Strich ergäbe sich bei der Zentralbank ein Gesamtverlust aus dem Engagement in griechischen Papieren von mindestens 70 Milliarden Euro.

Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Das ist deutlich mehr als ihr Eigenkapital von 10,8 Milliarden Euro. Die EZB müsste deshalb die Mitgliedstaaten zur Kasse bitten. Für Krisenländer wie Italien oder Spanien wäre das ein zusätzliches Risiko. Allerdings wäre ihr Anteil an den Rekapitalisierungskosten der EZB mit neun und sechs Milliarden Euro verhältnismäßig moderat und dürfte ihr Schuldenproblem nicht spürbar vergrößern. Den Löwenanteil würden die Deutschen mit etwa 14 Milliarden Euro schultern.

Gelänge es, Griechenland zu isolieren, wäre der Austritt des Landes aus der Währungsunion für die Bürger des Landes zwar mit großen wirtschaftlichen Härten verbunden. Doch der Schaden für den Rest der Euro-Zone hielte sich in Grenzen. Insbesondere wären die Anreize wieder richtig gesetzt. Denn für die übrigen Krisenländer wäre die Botschaft klar: Wer die Regeln der Währungsunion verletzt und nicht rechtzeitig auf den Pfad der Konsolidierung zurückkehrt, muss den Club verlassen. Das beförderte die Sparanstrengungen der Regierungen.

Aber was passiert, wenn die Märkte durchdrehen und den Ausstieg Griechenlands zum Anlass nehmen, auch auf den Austritt Portugals, Irlands oder gar Spaniens und Italiens zu spekulieren?

Euro-Bond schwache Lösung

Der Euro-Rettungsschirm wäre kaum in der Lage, die Märkte zu beruhigen. So dürfte es noch Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis die Parlamente aller EU-Länder der Ausweitung seiner Instrumente, darunter dem Ankauf von Staatsanleihen, zustimmen. Zudem reichten seine Mittel nicht aus, um Rettungsprogramme für die wirtschaftlichen Schwergewichte Spanien oder Italien aufzulegen. Dazu müssten die Garantien des Fonds von derzeit 528 Milliarden auf 1,2 Billionen Euro aufgestockt werden, schätzt die Commerzbank. Ein politisch nahezu unmögliches Unterfangen.

Dazu kommt, dass der EFSF so konstruiert ist, dass er selbst einen Dominoeffekt auslöst. Jedes Land, das finanzielle Probleme hat und Unterstützung erhält, fällt als Garantiegeber aus. Das zeichnet sich derzeit für Spanien und Italien ab. Dann konzentrierte sich die Last auf wenige Kernländer wie Deutschland, Finnland und die Niederlande. Das wäre für diese untragbar.

Auch das Lieblingskind vieler Politiker, der Euro-Bond, ist kein geeignetes Mittel gegen drohende Ansteckungseffekte. So müssten vor einer Ausgabe der Gemeinschaftsanleihen nicht nur die europäischen Verträge geändert werden. Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich in seinem jüngsten Euro-Urteil gegen die Vergemeinschaftung von Schulden gewandt, zumal dann, wenn die damit verbundenen Belastungen einem Automatismus folgen. Darüber hinaus haben die Ratingagenturen bereits durchblicken lassen, dass sie die Bewertung von Euro-Bonds an der Bonität des schwächsten Emissionslandes ausrichten werden. Statt von den starken zu den schwachen Ländern fände der Bonitätstransfer dann in umgekehrter Richtung statt.

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