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Griechenland Rückkehr zur Drachme böte mehr Chancen als Risiken

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ARCHIV - Eine Installation mit Quelle: dpa

Commerzbank-Ökonom Weil glaubt daher, dass sich bei einer drohenden Ansteckung anderer Länder letztlich die EZB gezwungen sähe einzuspringen. Die Notenbanker würden in diesem Fall massiv in die Märkte eingreifen und die Staatsschuldtitel der Krisenländer kaufen, um deren Kurse zu stützen und die Finanzierungskosten niedrig zu halten. „Für die Deutschen mit ihrer ausgeprägten Stabilitätskultur wäre das eine bittere Pille“, sagt Ansgar Belke, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die EZB würde dann nicht nur endgültig zum größten Staatsfinanzierer der Euro-Zone und Büttel der Finanzminister. Sie würde durch den Ankauf von Staatsanleihen auch so viel Liquidität in das Bankensystem pumpen, dass sie kaum noch in der Lage wäre, diese später wieder abzusaugen. Inflation und neue Vermögenspreisblasen wären die Folgen.

Lange könnte die EZB diesen Kurs kaum durchhalten. Zumal sich in Deutschland und anderen stabilitätsorientierten Ländern im Norden der Euro-Zone der politische Widerstand gegen eine Weichwährungs- und Schuldenunion immer stärker artikuliert. Stoppte die EZB die Anleihekäufe, müssten wohl auch Portugal und Irland, eventuell sogar Spanien und Italien die Euro-Zone verlassen. Für die betroffenen Länder wäre das sicherlich mit Härten verbunden. Doch die Währungsunion würde auf diese Weise zurückschrumpfen auf das, was sie sein sollte – ein Raum homogener und stabiler Länder.

Handel in Europa

Für den Binnenmarkt und den Handel in Europa muss das kein Nachteil sein. Zwar fielen durch die Aufspaltung der Währungsunion wieder Umtauschkosten im Handel mit den Euro-Renegaten an. Auch müssten sich die Unternehmen gegen Wechselkursschwankungen absichern. Doch das gilt auch für den Handel mit anderen Ländern, die derzeit nicht Mitglied der Euro-Zone sind.

Obwohl die Ausfuhren Deutschlands in Drittländer mit Wechselkursrisiken verbunden sind, haben sie seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 im Schnitt um knapp sieben Prozent pro Jahr zugelegt. Die Exporte in die Euro-Zone konnten da nicht mithalten. Sie legten im gleichen Zeitraum nur um 5,2 Prozent pro Jahr zu.

Das hat dazu geführt, dass der Anteil der Euro-Zone an den deutschen Exporten von 46,4 auf 41,3 Prozent gesunken ist.

Auch wenn Bundeskanzlerin Merkels Mantra „Scheitert der Euro, scheitert auch Europa“ dramatisch klingt – die Fakten und die wirtschaftlich erfolgreichen Jahre vor der Einführung des Euro belegen das Gegenteil.

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