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Großbritannien Theresa May brandmarkt Populisten wie Trump: „Eine Form von Absolutismus“

Die scheidende britische Regierungschefin spricht kurz vor ihrem Abschied Klartext – auch wenn sie die Namen Trump und Johnson nicht in den Mund nimmt.

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London Die scheidende britische Premierministerin Theresa May hat in ihrer letzten größeren Rede im Amt die Zunahme von Populismus und einen Niedergang der politischen Kultur auf der ganzen Welt beklagt. Immer öfter werde eine „Politik der Spaltung“ und ein „Absolutismus“ betrieben, in dem abweichende Meinungen niedergemacht würden, sagte May am Mittwoch bei einer Ansprache im Chatham House, einem führenden britischen Thinktank. Sie betonte die Wichtigkeit politischer Kompromisse und verurteilte Populisten, die einfache Antworten auf komplexe Fragen gäben.

„Heutzutage scheint die Unfähigkeit, Prinzipien mit Pragmatismus zu verbinden, um einen Kompromiss zu erreichen, wenn das nötig ist, unseren gesamten politischen Diskurs auf den falschen Pfad geführt zu haben“, sagte May. „Das hat zu etwas geführt, was de facto eine Form von Absolutismus ist – einem, der glaubt, dass man sich am Ende durchsetzt, wenn man seine Meinung nur laut genug und lang genug kundtut.“ Populisten würden das Streben nach Kompromissen als Schwäche darstellen statt als Stärke.

Mays Worte wurden als Botschaft an US-Präsident Donald Trump und auch an ihren Nachfolger verstanden, der Großbritannien aus der Europäischen Union führen muss. Wer nach ihrem Rücktritt kommende Woche die Tories anführen und damit auch ins Premierministeramt wechseln soll, wird in einer Urabstimmung der Parteimitglieder entschieden. Zur Wahl stehen Ex-Außenminister Boris Johnson und dessen Nachfolger Jeremy Hunt.

Beide wollen nach eigenem Bekunden zur Not auch einen Brexit ohne Abkommen riskieren, der nach Ansicht vieler Experten schwerwiegende Folgen für die britische Wirtschaft haben dürfte. May warnte vor einem solchen No-Deal-Brexit. Es sei im nationalen Interesse, einen Weg zu einem geordneten Austritt zu finden, sagte sie.

Mehr: Die Anleger fürchten, dass Boris Johnson neuer Premierminister wird. Das Pfund Sterling rauscht von Tief zu Tief. Die Brexit-Unsicherheit dürfte die britische Währung noch Monate belasten.

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