Hackerangriff auf Sony Nordkorea droht USA mit "härtestem" Krieg

Erst bietet Nordkorea den USA gemeinsame Untersuchungen zur Cyberattacke auf Sony an, dann kommen wüste Kriegsdrohungen aus Pjöngjang. Obama will Nordkorea wieder auf die US-Terrorliste setzen lassen.

Machthaber erklimmt höchsten Berg des Landes
Kim Jong Un Quelle: REUTERS
Kim Jong Un Quelle: dpa
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat nach einem Medienbericht nach seinem Onkel angeblich auch dessen gesamte Familie hinrichten lassen. „Alle direkten Verwandten von Jang (Song Thaek) sind getötet worden, darunter sogar Kinder“, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag unter Berufung auf mehrere Quellen. Unter den Opfern sollen angeblich die Söhne, Töchter und Enkelkinder von Jangs beiden Brüdern sein. Auch Jangs Schwester sowie deren Ehemann, der Botschafter des Landes in Kuba, und Jangs Neffe, der nordkoreanische Botschafter in Malaysia, sollen getötet worden sein. Der Onkel von Nordkoreas jungem Machthaber Kim war im vergangenen Monat unter dem Vorwurf des Hochverrats und der Planung eines Putsches hingerichtet worden. Quelle: AP
Nach der überraschenden Hinrichtung von Kims Onkel und Mentor, Jang Song Thaek, in der vergangenen Woche wurde die Zeremonie im In- und Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Auf den vom nordkoreanischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Bildern war Kims Tante, Kim Kyong Hui, nicht zu sehen. Die Witwe von Jang hätte nach südkoreanischer Auslegung mit ihrer Anwesenheit „die Hinrichtung ihres Mannes durch ihren Neffen öffentlich anerkannt“. Jang galt lange Zeit als zweitmächtigster Mann im Land. Dem 67-Jährigen wurden auch gute Verbindungen zum Militär nachgesagt. Jang und einige Gefolgsleute wurden wegen Hochverrats hingerichtet. Dagegen war Kims Frau Ri Sol Ju erstmals seit zwei Monaten wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie ging mit ihrem Mann durch das Kumsusan-Mausoleum in der Hauptstadt Pjöngjang. Dort sind Kims Vater und Amtsvorgänger Kim Jong Il sowie Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung aufgebahrt. Vor dem Mausoleum hatten sich mehrere Tausend Menschen versammelt. Quelle: dpa
Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen des Vorwurfs des Hochverrats hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag (13. Dezember). Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Das Urteil sei sofort vollstreckt worden. Jang galt lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes. Quelle: AP
Jang wurde den offiziellen Angaben zufolge vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong Un, Kim Jong Il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war und enge Kontakte zu China unterhielt, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet. Quelle: AP
Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet. Quelle: REUTERS

In der Affäre um den Hackerangriff auf das Filmstudio Sony provoziert Pjöngjang mit wüsten Kriegsdrohungen gegen die USA. Die 1,2 Millionen Mann starke Armee Nordkoreas werde „mutig zu unserm härtesten Gegenschlag gegen das Weiße Haus, das Pentagon und das gesamte amerikanische Festland“ ausholen, teilte die Nationale Verteidigungskommission am Sonntagabend mit.

Verbreitet wurde deren Stellungnahme von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Darin wurden die USA zudem als „Kloake des Terrorismus“ bezeichnet.

Washington wirft der Führung in Pjöngjang vor, hinter der Cyberattacke zu stecken, die offensichtlich mit Sonys Film-Satire „The Interview“ über ein fiktives Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Verbindung steht. Bei dem Hackerangriff waren zahlreiche hochsensible Mitarbeiterdaten sowie Drehbücher und anderes Material gestohlen worden.

Nach Bombendrohungen gegen Kinobetreiber in den USA sagte Sony den für 25. Dezember geplanten Start des Films ab. Nordkorea hatte zuvor bereits mehrfach geäußert, den Film als beleidigend zu empfinden. Eine Verwicklung in den Hackerfall wies Pjöngjang in der Erklärung erneut zurück. Obama verbreite vielmehr „frech“ Gerüchte über eine von Nordkorea orchestrierte Attacke.

Fünf spannende Fakten über Nordkorea

Am Freitag hatte der US-Präsident eine „angemessene Reaktion“ auf die Cyberattacke angekündigt, aber keine Details genannt. In einem am zwei Tage später ausgestrahlten CNN-Interview brachte er dann eine Aufnahme Nordkoreas auf die US-Liste von Terror-Unterstützerstaaten ins Spiel.

Hackerangriffe erfüllen die Kriterien nicht

Auf dieser hatte Pjöngjang zwei Jahrzehnte lang gestanden, bis es 2008 im Zuge der Atomverhandlungen von der Bush-Regierung gestrichen wurde. Washington führt derzeit noch den Iran, Sudan, Syrien und Kuba auf der Liste. Konsequenzen sind unter anderem Beschränkungen der US-Entwicklungshilfe, der Rüstungsexporte und bestimmter Finanztransaktionen.

Doch das abgeschottete Nordkorea wieder auf die Liste zu setzen, könnte schwierig werden. Das US-Außenministerium müsste dafür nachweisen, dass Pjöngjang eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt. Dazu zählt, Akte internationalen Terrorismus wiederholt unterstützt zu haben. Diese beziehen sich aber eher auf gewaltsame, physische Angriffe und nicht gerade auf Hacker.

Zudem haben die USA bereits Handelssanktionen gegen Nordkorea verhängt, und militärische Aktionen dürften auf keine Unterstützung treffen. Obamas Handlungsspielraum ist also begrenzt, Nordkorea für den Hackerangriff zu bestrafen.

Einen Tag vor den martialischen Drohungen hatte die Führung in Pjöngjang den USA noch eine gemeinsame Untersuchung des Vorfalls vorgeschlagen. Das lehnt Washington aber ab. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses, Mark Stroh, sagte in Washington, die USA hielten an der Schlussfolgerung der Bundespolizei FBI fest, wonach Pjöngjang hinter der Attacke stecke.

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Die Entscheidung von Sony, den Kinostart zu kippen, entfachte in den USA eine Grundsatzdebatte über die Meinungsfreiheit. Obama hatte Sony vorgeworfen, damit einen „Fehler“ begangen zu haben. Sony-Chef Michael Lynton hatte sich am Freitag verteidigt. Er habe keine andere Wahl gehabt, nachdem die Kinoketten sich geweigert hätten, den Streifen zu zeigen, sagte er.

Hacker attackieren südkoreanische AKW-Betreibergesellschaft

In Südkorea ist derweil am Montag das Computersystem der Betreibergesellschaft aller Atomkraftwerke des Landes Opfer eines Hackerangriffs geworden. Ein Sprecher von Korea Hydro und Nuclear Power (KHNP) sagte in Seoul, bei dem Internetangriff seien aber keine sensiblen Daten erbeutet worden. Auch sei die Sicherheit der Atomanlagen zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Es sei ausgeschlossen, dass durch einen Cyberangriff ein Atomreaktor beeinflusst werden könne, versicherte ein Sprecher des staatlichen Unternehmens. Das Energieministerium stützte diese Darstellung. "Das Kontrollsystem ist derart ausgerichtet, dass es keinerlei Risiko gibt", sagte Vize-Energieminister Chung Yang Ho.

Die Betreibergesellschaft der 23 Atommeiler in Südkorea machte "Kräfte, die soziale Unruhen entfachen wollen" für den Angriff verantwortlich. Über Twitter bekannte sich eine Umweltgruppe zu der Hackerattacke und forderte die Stilllegung älterer Meiler. Zu der Glaubwürdigkeit des Tweets konnten die Behörden keine Angaben machen. Ein Zusammenhang mit Nordkorea wurde von keiner der Stellen hergestellt.

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