Halbes Kabinett unterwegs Kanzlerin reist mit zwei Airbussen nach China

Bundeskanzlerin Merkel wird von einer großen Delegation nach China begleitet. Zwei Airbusse sind für die Vertreter aus Politik und Wirtschaft notwendig. Auch die WirtschaftsWoche berichtet aus der Kabine.

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
Knorr-Bremse Quelle: Screenshot
Heraeus Quelle: Foto: Heraeus
Henkel Quelle: Pressebild
Evonik Quelle: Pressebild
Bertelsmann Quelle: dapd
Schenker Quelle: dapd
Freudenberg Quelle: Pressebild

Kanzlerreise nach China, das hat schon oft bedeutet: Es fliegt eine besonders große Delegation. Doch diesmal wird alles noch mal eine Nummer größer: Nicht nur eine große Wirtschaftsdelegation wie sonst ist dabei, sondern auch das halbe Bundeskabinett. Sieben Minister, zwei Staatssekretäre samt Entourage, zwanzig Unternehmensvertreter und ebenso viele Journalisten begleiten Angela Merkel zu den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Peking.

Eineinhalb Stunden sind zum Einchecken vorgesehen. Im militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel geht das alles etwas familiärer zu als bei der Massenabfertigung im üblichen Passagierbetrieb. Fast zum Starttermin ist schon Thyssen-Chef Heinrich Hiesinger eingetrudelt, dicht gefolgt von Ulrich Grillo, dem künftigen BDI-Chef. Wer mit der Mittagsmaschine aus Düsseldorf einschwebt, für den lohnt es nicht mehr, noch für einen Mini-Termin in die Stadt zu fahren.

Anstecker als Zeichen der Völkerfreundschaft

Vorn gibt es für jeden Passagier einen Umschlag: Reisepass mit dem eingestempelten Visum (sofern man das Auswärtige Amt gebeten hatte, diese Formalität zu erledigen), Namensanhänger – Neudeutsch „Badge“ genannt und schon mal die Einreisekarte, die während des Fluges auszufüllen ist. Seit kurzem erst beigefügt: Ein DIN A 4-Zettel mit der einzutragenden  Flugnummer; die zu ermitteln führte früher während des Fluges immer zu umständlichen Nachfragen. Diesmal ist es GAF 891, und die Buchstaben stehen für German Air Force. Und es gehört das dekorative Accessoire zu jeder Delegationsreise dazu: ein kleiner Anstecker mit den Flaggen Deutschlands und des jeweiligen Besuchslandes. Kaum einer, der sich nicht den Fahnenappell en miniature ans Revers heftet, als kleines Zeichen großer Völkerfreundschaft.

Stärken und Schwächen der BRIC-Staaten
Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China Quelle: REUTERS
Leute shoppen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien Quelle: dapd
Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos Quelle: dpa
Indien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein. Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion. Quelle: dapd
Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien. Quelle: AP
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China. Quelle: REUTERS
Im Bild: Ein Eierverkaufsstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz. Quelle: REUTERS

Die Chefin des schwäbischen Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, kommt von der anderen Seite, wurde von ihrem Flieger einfach quer übers Rollfeld zum militärischen Teil herübergefahren. Aber auch sie muss noch einmal durch die Sicherheitskontrolle. Ihre Tochter hat sie bis hierhin begleitet, jetzt heißt es Abschied nehmen. Auch Bahnchef Grube ist mit dem Flugzeug angereist, wird über das Rollfeld kutschiert, ebenso Jürgen Geißinger, der Geschäftsführer des Automobilzulieferers Schaeffler.

Journalisten kommen kurz vor dem Abflug

Die Masse der Journalisten trifft eher knapp ein – nicht nur, weil sie in Berlin residieren oder bessere Nerven hätten, sondern vor allem, weil sie alle das Prozedere schon lange kennen. Mit der Kanzlerin reisen meistens „die üblichen Verdächtigen“, die Büroleiter der großen Blätter, die traditionell in fast allen Redaktionen die Regierungschefin und das Kanzleramt beobachten. Hierarchie hilft im Kontakt mit Hierarchen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Mit gleich zwei Airbussen macht sich die Delegation um 16 Uhr auf den Weg. Auf dem Programm stehen am ersten Tag die Gespräche mit der chinesischen Regierung. Nach der Übernachtung in Peking geht es am zweiten Tag per Zug nach Tianjin, zum einzigen Airbus-Montagewerk außerhalb Europas. Verbunden ist mit diesem Besuch die Hoffnung auf einen weiteren satten Auftrag für EADS. Aber große Hofnungen sind schon immer auf dem Weg nach China mitgeflogen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%