Handelskonflikte China fordert die Großen heraus

Die wirtschaftliche Großmacht China verstrickt sich in immer mehr internationale Handelskonflikte.

Fabers düstere Prognose für China
Marc Faber Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Rio de Janeiro Quelle: dapd
Kupfermine in Chile Quelle: IVAN ALVARADO
Taipeh 101 Quelle: dpa/dpaweb
Casino in Macau Quelle: REUTERS
Louis Vuitton in Shanghai Quelle: AP
Transformator Quelle: REUTERS

Es war ein Paukenschlag mitten im US-Wahlkampf: Präsident Barack Obama verkündete Mitte September, dass er eine Antidumping-Klage gegen chinesische Autoexporte bei der Welthandelsorganisation WTO eingelegt hat, um die angeschlagene amerikanische Autoindustrie vor Billigware aus China zu schützen. Die US-Regierung wirft China unzulässige Subventionen auf Autos und Autoteile vor, die sich zwischen 2009 und 2011 angeblich auf eine Milliarde Dollar belaufen sollen.

Der Streit hat eine Vorgeschichte: Die USA erhoben im September 2009 Strafzölle von 35 Prozent auf Reifenimporte aus China. Dagegen wehrte sich China, indem das Land Klage vor der WTO gegen die Zölle erhob. Die WTO lehnte die Klage allerdings ab und bestätigte im September 2011 die Rechtmäßigkeit der amerikanischen Zölle. Daraufhin erhob China im Dezember 2011 zusätzliche Strafzölle von vier bis 20 Prozent auf amerikanische Autos ab 2,5 Liter Hubraum – angeblich um unfairen Subventionen und Dumping der amerikanischen Autobranche entgegenzuwirken. Nun also ist die USA wieder an der Reihe beim chinesisch- amerikanischen Schlagabtausch: Obama wählte den Zeitpunkt sorgfältig und verkündete seine WTO-Klage gegen Chinas Autoindustrie bei einer Wahlkampfrede im Bundesstaat Ohio, wo rund 13 Prozent der Menschen in der Automobil- und Zulieferindustrie arbeiten. Gleichzeitig versucht Obama durch die WTO-Klage, Vorwürfe aus dem republikanischen Lager zu entkräften, er könne sich wirtschaftspolitisch nicht gegen China durchsetzten.

China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro

Andere Branchen ziehen nach

Auch in anderen Branchen nehmen die Handelskonflikte mit chinesischer Beteiligung zu. Das US-Handelsministerium belegte im Mai chinesische Solarzellen mit hohen Einfuhrzöllen von 31 bis 250 Prozent. Angeblich böten chinesische Hersteller wie Yingli, Suntech Power oder Trina Solar aufgrund staatlicher Subventionen Solarzellen und Solarpanels unter Herstellungskosten an. Die EU-Kommission zog im September nach und eröffnete auf Initiative des europäischen Branchenverbandes Pro Sun ein Anti-Dumping Verfahren gegen Chinas Solarindustrie. Angeblich erzielen illegale Billigimporte von chinesischen Solarmodulen im Wert von rund 21 Milliarden Euro pro Jahr Dumping-Margen von 60 bis 80 Prozent. Hat das Verfahren der EU-Kommission Erfolg, müsste die chinesische Solarbranche mit Einfuhrzöllen in der Höhe der Dumping-Margen rechnen.

Seit China 2001 der WTO beitrat, klagten die USA und EU 20 Mal vor der internationalen Handelsorganisation gegen China, neunmal klagte China gegen die USA und die EU. „Die Klagen sind ein wechselseitiges Spiel zwischen Rivalen, ein Zeichen der Normalisierung der Handelsbeziehungen. Die Vielzahl der Beschwerden zeigt, dass die Wichtigkeit der chinesischen Volkswirtschaft gewachsen ist“, sagt Matthias Busse, Professor für internationale Ökonomie an der Ruhr-Universität in Bochum. Die USA kassierte zwar insgesamt die meisten Klagen (118), gefolgt von der EU ( 72). China steht mit 27 Verfahren aber bereits an dritter Stelle der Angeklagten.

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