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Handelsstreit Chinas Clinch mit den USA versetzt deutsche Exporteure in Sorge

Gegenschlag auf Gegenschlag: Der Handelsstreit zwischen China und den USA droht zu eskalieren. Auch deutsche Unternehmen bleiben nicht unberührt.

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Chinas Clinch mit den USA versetzt deutsche Exporteure in Sorge Quelle: AP

Peking/Berlin Der Handelsstreit zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten USA und China schaukelt sich mit Zöllen und Gegenschlägen hoch. Kurz nachdem US-Zölle auf chinesische Warenimporte im Volumen von 34 Milliarden Dollar am Freitag erhoben wurden, begann China mit Vergeltungsmaßnahmen im selben Umfang.

Die Volksrepublik wirft den USA vor, den „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“ vom Zaun gebrochen zu haben. Regierungschef Li Jinping warnte, wer einen solchen Konflikt anzettele, schade sich und anderen.

US-Präsident Donald Trump ist bereit, mit Zöllen nachzulegen: Letztlich könnten die USA dafür Waren im Wert von über 500 Milliarden Dollar ins Visier nehmen, drohte der republikanische Staatschef.

Das entspricht praktisch der Summe der gesamten Einfuhren aus China in die USA im vorigen Jahr. Bei den deutschen Exporteuren geht nun die Furcht um, dass die Weltwirtschaft durch den Konflikt der Handelsgiganten Schaden nimmt.

„Diesmal gilt: Wenn zwei sich streiten, freut sich kein Dritter. Wir beobachten die Eskalation zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt mit großer Sorge“, sagte Außenhandelspräsident Holger Bingmann. Die wechselseitig verhängten Strafzölle würden nicht nur die Exporte von in den USA ansässigen Firmen nach China und umgekehrt treffen, sondern Unternehmen auf der ganzen Welt zu Verlierern machen, so der Chef des Branchenverbands BGA.

Nach anfänglicher Verwirrung über den Zeitpunkt der chinesischen Gegenzölle stellte die Agentur Xinhua klar, dass diese um 12.01 Uhr Pekinger Ortszeit (06.01 MESZ) in Kraft gesetzt worden seien. Sie haben demnach denselben Umfang wie die von den USA verhängten Schutzzölle.

Die Palette reicht dabei von Autos über Sojabohnen und Baumwolle bis hin zu Schweinefleisch. Insbesondere die Zölle auf landwirtschaftliche Produkte gelten als bewusst gesetzte Nadelstiche, die potenzielle Wähler der Republikaner vor den Kongresswahlen im November im agrarisch geprägten Mittleren Westen der USA treffen dürften.

Die früher als Verfechter des Freihandels auftretenden USA waren bereits zu Jahresbeginn unter Trump auf einen protektionistischen Kurs umgeschwenkt und hatten höhere Import-Zölle auf Waschmaschinen und Solarmodule erhoben. Später folgten unter anderem Schutzzölle auf Stahl und Aluminium – Maßnahmen, die auch die EU, Kanada und andere Staaten trafen.

Ton verschärft sich

Die US-Regierung benehme sich wie eine Ganovenbande, hieß es in einem englischsprachigen Kommentar der staatlichen Zeitung „China Daily“. Tags zuvor warf China den USA vor, die Weltwirtschaft zu gefährden. Die US-Zölle schadeten den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten ernsthaft.

US-Präsident Trump ist das US-Defizit im Handel mit China ein Dorn im Auge, das 335 Milliarden Dollar beträgt. Er wirft China schon länger Dumpingpreise und andere unfaire Handelspraktiken sowie den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Trump hat bereits frühzeitig klargemacht, dass er vor einer Konfrontation nicht zurückschrecken werde und Handelskriege für leicht zu gewinnen halte. In der Auseinandersetzung mit der EU über drohende Autozölle sorgte er zuletzt indes für ein Entspannungssignal, indem er über seinen Botschafter in Berlin eine Streichung von Zöllen ins Spiel brachte.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will noch diesen Monat in Washington über Auswege aus dem Zollstreit verhandeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte über ihren Regierungssprecher am Freitag, dass sie bereit sei, über einen Abbau von Autozöllen zu sprechen.

„Dax weiter abwärts gerichtet“

Aus Sorge vor den Folgen eines globalen Handelskriegs für die Wirtschaft hielten sich Börsianer zurück. Dax und EuroStoxx50 notierten kaum verändert bei 12.467 und 3446 Punkten. „Übergeordnet bleibt die Richtung im Dax weiter abwärts gerichtet“, prognostizierte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hält die genauen Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China für noch nicht abschätzbar. Dem SWR sagte er, die strukturellen Auswirkungen seien aber „katastrophal“.

Durch die Zollpolitik des US-Präsidenten werde ein ganzes System von Regeln zerstört. Das sei so, als würde eine Mannschaft beim Fußball „den Ball in die Hand nehmen und ihn einfach ins Tor tragen, weil man das beim Rugby auch so darf.“

Der eskalierende Handelsstreit mit den USA sorgt bei deutschen Unternehmen je nach Firmengröße eher für Gelassenheit oder für Unruhe. Wie aus einer Umfrage der KfW-Gruppe hervorgeht, zeigen sich die kleinen und mittleren Unternehmen von der jüngsten Verschärfung bislang unbeeindruckt, während Großunternehmen die politischen Auseinandersetzungen mit den USA mit wachsender Sorge betrachteten.

„Für sie rücken strategische Entscheidungen etwa über den Produktionsstandort oder den Umbau von Wertschöpfungsketten immer näher“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Darin liegt die eigentliche Gefahr des Handelsstreits.“

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