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Handelsstreit USA werden zum größten Sojalieferant der EU

Handelskrieg: So wurden die USA zum größten Sojalieferant der EU Quelle: dpa

Jean-Claude Juncker hatte den USA zugesagt, dass die Europäer den Amerikanern mehr Sojabohnen abnehmen wollen. Das hat die EU in die Tat umgesetzt: 52 Prozent der EU-Sojaimporte kommen inzwischen aus den USA.

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Der Zollkonflikt der USA mit anderen Wirtschaftsmächten verändert bereits die weltweiten Handelsströme: Innerhalb weniger Wochen sind die Vereinigten Staaten zum größten Sojabohnen-Lieferanten der EU aufgestiegen, nachdem China den US-Exportschlager zuvor mit Strafzöllen belegt hatte und sich das begehrte Futtermittel seither vorwiegend in Südamerika besorgt. In den zwölf Wochen von Juli bis Mitte September kamen nach Unterlagen der EU-Kommission, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen, 52 Prozent der Sojaimporte aus den USA. Im gleichen Zeitraum 2017 waren es lediglich 25 Prozent.

Die Entwicklung ist angesichts der transatlantischen Handelsspannungen bedeutsam. Zur Beilegung des Konfliktes mit den USA sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump am 25. Juli unter anderem zu, dass die Europäer mehr Sojabohnen abnehmen. Die EU kann nun offenbar Vollzug melden. Bei dem damaligen Gespräch konnten neue US-Strafzölle auf Produkte aus der EU vorerst abgewendet werden – etwa auf Autos. Trump wirft den Europäern und vor allem Deutschland vor, sehr viel mehr Waren in die USA zu exportieren als von dort zu importieren.

Die erhöhten Sojabohnen-Importe aus den USA gingen vor allem zulasten derer aus Paraguay und Brasilien, deren Marktanteile in der Vergleichsperiode 2017 noch wesentlich höher gelegen hatten. „Diese Umwälzungen zeigen, dass der handelspolitische Waffenstillstand zwischen EU und USA im größten strategischen Interesse der USA ist“, sagte der Handelsexperte des Münchner Ifo-Instituts, Gabriel Felbermayr. „Wenn auch die EU US-Sojabohnen mit Strafzöllen belegt, dann bleibt den amerikanischen Farmern nur mehr übrig, die Preise deutlich zu reduzieren, sonst kriegen sie ihre Ernte nicht los.“

China hatte am 6. Juli Zölle von 25 Prozent auf amerikanische Sojabohnen erhoben, nachdem zuvor die Regierung in Washington die Handelshürden für chinesische Produkte deutlich angehoben hatte. Sojabohnen sind der größte Agrarexport der US-Landwirte. Viele von diesen gelten als Unterstützer von Trump und dessen republikanischer Partei. Im vergangenen Jahr wurden knapp 33 Millionen Tonnen im Wert von 12,3 Milliarden Dollar nach China exportiert – ein Viertel der gesamten Ernte. Die EU importiert rund 35 Millionen Tonnen Sojabohnen pro Jahr, die vor allem für Tierfutter und die Milchproduktion eingesetzt werden. Vor kurzem hatte der deutsche Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied noch daran gezweifelt, dass die US-Farmer ihre Soja-Exporte nach Europa sehr schnell erhöhen können.

Die neue Abhängigkeit der US-Farmer von Europa könnte sich noch als Trumpfkarte in den Verhandlungen der EU-Kommission mit Washington zur Beilegung des Zollstreits erweisen. „Ein Zweifrontenkrieg – USA gegen China und Europa – ist für Amerika volkswirtschaftlich sehr viel teurer als ein Einfrontenkrieg“, sagte Felbermayr. Denn in diesem Fall könnten US-Produkte, die in der Volksrepublik keinen Absatz mehr finden, nicht mehr so einfach nach Europa umgelenkt werden. „Anders gesagt: Je härter der Handelskrieg zwischen USA und China tobt, umso mehr kann sich Europa in Sicherheit wiegen“, sagte Felbermayr. „Im Umkehrschluss: Sobald USA und China sich einigen, droht der EU neues Ungemach.“

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