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Herrscherfamilie Der Gaddafi-Clan und die Öl-Milliarden

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Libyens Staatschef Muammar Quelle: dpa

Saif ist Architekt, Ökonom und Maler und hat in Wien an einer Privatuni studiert. Ohne Luxus ging es auch hier nicht: Saif bewohnte eine Villa gemeinsam mit seinen beiden bengalischen Tigern im noblen Wiener Bezirk Döbling. Als es seinerzeit Schwierigkeiten mit der Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung in Österreich gab, sorgte sein Vater kurzerhand dafür, dass Österreichern die Einreise verboten wurde. Für ihn soll auch die brandneue Münchner Villa des Ex-Hypo-Real-Estate-Chefs Georg Funke umgebaut worden sein, samt Tiefgarage mit Aufzug für Nobelkarossen. Weil die 7,8 Millionen Euro erworbene Villa dann doch zu klein war, ist dort nie ein Gaddafi eingezogen. Statt wie seine Brüder im Jetset von sich Reden zu machen, besucht Saif lieber seine eigenen Kunstausstellungen oder den Wiener Opernball.

Gaddafis ältester Sohn Mohammed leitet das Nationale Olympische Komitee und hat die Kontrolle über die libyschen Telekommunikationsunternehmen. Ansonsten ist er kaum öffentlich aufgefallen.

Mit Geld zum Profifussball

Saadi Gaddafi, Sohn des Quelle: AP

Anders Gaddafis dritter Sohn: Saadi erregte die Aufmerksamkeit des Westens, weil er als Profi-Fußballer bei italienischen Vereinen anheuerte und auch gleich sein Gehalt zahlte. Spielen durfte er jedoch so gut wie nie. Dafür ist er heute der Vorsitzende des libyschen Fußballverbands. Anlässlich einer Party in St. Tropez soll er die Girl-Band Pussycat Dolls für eine halbe Million Dollar engagiert haben. Bei anderer Gelegenheit ließ er den US-Rapper 50 Cent aus New York nach Venedig einfliegen. Saadi und sein jüngerer Bruder Mutassim sind in Europas Promi-Partyzonen immer wieder anzutreffen.

Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab, der an der Technischen Universität in München studiert, ist da keine Ausnahme. Sein Faible für edle Autos führte dazu, dass er den bayrischen Gesetzeshütern mehrfach wegen Verkehrsdelikten auffiel. Auch wegen Waffenschmuggels und Körperverletzung ermittelte die Staatsanwaltschaft, klagte ihn jedoch nie an.

Diplomatische Krise

Einen handfesten Gesetzeskonflikt mit wirtschaftlichen Folgen löste hingegen Gaddafis fünfter Sohn Hannibal aus. Er und seine Frau hatten den Polizeiberichten zufolge Angestellte in einem Genfer Luxushotels geschlagen und misshandelt. Die Polizei steckte Hannibal zwei Tage in eine Arrestzelle und ließ ihn nur gegen eine Kaution von 500.000 Franken wieder frei. Auch andernorts in Europa war der Gaddafi-Sprössling negativ aufgefallen, kam aber trotz klarer Vergehen meist ungeschoren davon. Im Streit mit der Schweiz jedoch ziehen die Gaddafis Konsequenzen: Schätzungsweise vier Milliarden Dollar werden aus der Schweiz abgezogen, Eidgenossen die Einreise nach Libyen verweigert, Schweizer Firmen in Libyen geschlossen, Schweizer Geschäftsleute festgehalten und ein Öllieferstopp angedroht. Skuriller Höhepunkt: Herrscher Gaddafi fordert vor den Vereinten Nationen die Auflösung der Schweiz. Die sei kein Staat, „sondern eine Mafia, die den internationalen Terrorismus finanziert“.

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