Hillary Clinton Die riskante Kandidatur zur US-Präsidentschaft

Hillary Clintons Wahlkampfauftakt birgt einen gefährlichen Interessenkonflikt: Die Demokratin verspricht, für den kleinen Mann zu kämpfen, lässt ihren Wahlkampf aber von der Finanz- und Wirtschaftselite finanzieren.

Hillary for President Quelle: dpa Picture-Alliance

Unprätentiös und zeitgemäß wollte Hillary Clinton am Sonntag ihren Einstieg in das Rennen um die Präsidentschaftswahl 2016 bekannt geben: per Twitter-Nachricht. Nicht mit einer Pressekonferenz, denn dieser Umweg über die traditionellen Medien hätte die von ihr besonders umworbenen jungen Wähler womöglich vergrault. Und auch nicht mit großem Tamtam auf einer Bühne, umgeben von Hunderten frenetisch jubelnden Unterstützern. Hillary will nah an den Wähler rücken, will nicht Star sein, sondern ein bescheidener, hart arbeitender Volksdiener.

Das zumindest war die Idee der Wahlkampfmanager im Hochhaus „1 Pierrepont Plaza“ im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn, wo Clintons Kampagnenteam seit einigen Tagen seine Zentrale einrichtet. Doch wirklich konsequent ging die 67-Jährige diesen Weg am Sonntagnachmittag dann doch nicht: Zunächst bekamen wichtige Sponsoren von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta eine E-Mail mit der großen Neuigkeit. Erst eine gute Stunde später, als die Medien längst den Inhalt der E-Mail verbreiteten, twitterte Hillary: „I'm running for president. Everyday Americans need a champion, and I want to be that champion” – “Ich kandidiere für das Präsidentenamt. Der Durchschnitts-Amerikaner braucht einen Champion und ich will dieser Champion sein.“

Hillary Clinton

Zuletzt scheiterte Clinton am Normalbürger

Trotz aller Bekenntnisse zu Joe Sixpack (dem amerikanischen Bruder von Otto Normalverbraucher) bekamen am Ende die reichen Sponsoren Vorfahrt. Die profane Twitter-Massenspeisung wollte ihnen Hillary Clinton dann doch nicht zumuten. Schon in den ersten Minuten ihres Wahlkampfs offenbarte sich damit ein gefährlicher Spagat: Clinton wird mit Wall-Street- und Big-Business-Sponsoren  paktieren, weil sie ohne sie die für den Wahlkampf benötigten zwei Milliarden Dollar nicht aufbringen kann. Zugleich aber will sie ihren Wahlkampf auf dem Versprechen aufbauen, die notorische wirtschaftliche Bevorzugung der reichsten zehn Prozent der US-Bevölkerung zu beenden und dem 90-Prozent-Sockel der Gesellschaft erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wieder zu spürbarem Fortschritt zu verhelfen.

Obama: Hillary Clinton wäre eine hervorragende Präsidentin

Clinton war in den Vorwahlen von 2008 auch daran gescheitert, dass sie als zu elitär wahrgenommen wurde. Nur wird sie von ihren Wahlkampfmanagern vom Sockel geholt und neben das gemeine Volk gestellt. Mit ihrer zweiten Twitter-Nachricht des Tages um 15.34 Uhr gab sie bekannt, dass sie bereits auf dem Weg nach Iowa sei, um vor Ort um die Stimmen der Wähler zu werben. Das ländliche Iowa wird die erste Station einer Tour durch das ganze Land sein, bei der sie keine großen Reden schwingen, sondern zuhören will. Sie wolle lernen, wo den kleinen Mann der Schuh drückt und auf der Basis dieser Erfahrungen dann ihren politischen Kurs abstecken – so zumindest verkauft ihr Wahlkampfteam das Vorgehen. In Wahrheit ist die Reise aber wohl nicht viel mehr ein Baustein ihrer Ich-kämpfe-für-den-Durchschnittsbürger-Werbekampagne.

Was nicht heißen soll, dass es Hillary Clinton nicht tatsächlich ein Anliegen wäre, für die Mittelschicht, für Aufstiegschancen für Jedermann und Armutsbekämpfung einzutreten. Ihre lange politische Laufbahn gibt wenig Anlass dazu, daran zu zweifeln. 2010 bekannte sie sich zu einer Steuererhöhung für Topverdiener: „Reiche zahlen nicht ihren gerechten Anteil“. In den Reden der letzten Monate bezeichnete sie die frappierende wirtschaftliche Ungleichheit als eines der größten Probleme des Landes. 

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