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Horn von Afrika Äthiopien und Eritrea stellen diplomatische Beziehungen wieder her

Seit vielen Jahren herrschte Funkstille zwischen den Führungen Eritreas und Äthiopiens. Nun wagen die beiden Länder eine diplomatische Annäherung.

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Das das von dem Fernsehsender ERITV zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt die Ankunft von Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien, der von Isaias Afwerki, Präsident von Eritreas, am Flughafen in Asmara Willkommen geheißen wird. Quelle: dpa

Addis Abeba Nach fast 20 Jahren der Feindschaft haben sich die afrikanischen Staaten Äthiopien und Eritrea auf eine Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen geeinigt. Auch die Grenze zwischen den beiden Ländern am Horn von Afrika werde wieder geöffnet, vereinbarten der reformorientierte neue äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed und der eritreische Präsident Issaias Afewerki bei einem Treffen am Sonntag.

Afewerki begrüßte Abiy am Flughafen der eritreischen Hauptstadt Asmara mit Umarmungen und einem lachenden Gesicht. Noch vor Monaten wäre diese Szene undenkbar gewesen.

Die Nachbarländer waren lange Jahre bittere Rivalen gewesen. Abiy hatte vor einem Monat überraschend eine Friedensvereinbarung akzeptiert, mit der ein langjähriger Grenzkrieg mit Zehntausenden Toten beendet wurde. Seit Beginn der Kämpfe im Jahr 1998 hatten die beiden Länder keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, es gab wiederholt Gefechte.

Nun soll alles anders werden. „Wir haben vereinbart, Botschaften in unseren jeweiligen Ländern zu eröffnen, unseren Völkern zu erlauben, die Städte des anderen zu besuchen und unseren Fluggesellschaften und Häfen zu erlauben, frei zu agieren“, sagte Abiy. Mit Afewerki habe er sich darauf geeinigt, „die Mauer zwischen uns zu Fall zu bringen“. Weiter sagte er: „Jetzt gibt es keine Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea.“ Liebe sei stärker als moderne Waffen, Liebe könne Herzen gewinnen, wovon bei dem Treffen in Asmara viel zu sehen gewesen sei.

Auch Afewerki war voll des Lobes. Er könne sich vorstellen, dass die Entscheidungen für die äthiopische Seite nicht einfach gewesen seien. Nun werde man wie eine Einheit zusammenarbeiten.

Die Straßen von Asmara waren mit äthiopischen und eritreischen Fahnen geschmückt. Afewerki und Abiy fuhren in einer großen Autokolonne durch die Hauptstadt, während die Menge sang und tanzte. Anschließend kamen beide Politiker zu einem Gespräch unter vier Augen zusammen. Abiys Stabschef Fitsum Arega twitterte: „Wir können jetzt zwei Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und uns in eine neue Richtung bewegen.“

Die Entscheidung, die Friedensvereinbarung vollständig zu akzeptieren, war die bislang größte und überraschendste Reform von Ministerpräsident Abiy. Der 42-Jährige trat sein Amt im April an und ließ seither Journalisten und Oppositionspolitiker aus dem Gefängnis frei, öffnete die staatlich gelenkte Wirtschaft und gab Hunderte blockierte Webseiten frei. Vorausgegangen waren jahrelange Proteste gegen die Regierung.

Äthiopien ist mit mehr als 100 Millionen Einwohnern der zweitbevölkerungsreichste Staat Afrikas und eine der weltweit am schnellsten wachsende Volkswirtschaften. Das viel kleinere Eritrea ist eines der am meisten abgeschotteten Länder der Erde und wird seit seiner Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 von dem heute 72-jährigen Afewerki regiert. Beide Länder sind kulturell eng verbunden.

Aus Eritrea flüchteten in den vergangenen Jahren zahllose Menschen nach Europa, Israel oder in andere afrikanische Staaten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die scharfen Wehrpflichtgesetze dort.

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