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Idol von ganz unten Ex-Weltfußballer George Weah will Liberia voranbringen

George Weah hat die Präsidentschaftswahl im westafrikanischen Liberia gewonnen. Der einstige Weltfußballer des Jahres steht vor einer schweren Aufgabe. Ein Porträt.

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Monrovia Ein ehemaliger Weltfußballer soll künftig die Geschicke des einst von freigelassenen Sklaven gegründeten westafrikanischen Landes Liberia leiten: der 51-jährige George Weah. Der frühere Leistungssportler setzte sich in der Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten deutlich gegen den bisherigen Vizepräsidenten Joseph Boakai, durch. Er ist superreich, doch er kennt die Probleme der Armen: Weah ist ein Kind der Elendsviertel Monrovias.

Von dort hatte Weah als Fußballer „die Welt erobert“. Er spielte sich als Stürmer von Spitzenvereinen wie AS Monaco, Paris Saint-Germain, AC Mailand und FC Chelsea in die Herzen der Fans und wurde 1995 zum Weltfußballer des Jahre gekürt. Bis heute ist er der einzige Afrikaner mit dieser Auszeichnung.

In der Politik seines Heimatlandes ist Weah bereits als Senator aktiv. In den Präsidentenpalast gelangt er erst im dritten Anlauf: Bereits 2005 bewarb er sich um den höchsten Posten im Staat, unterlag damals aber Ellen Johnson-Sirleaf, die als erste Frau in das höchste Amt eines afrikanischen Staates frei gewählt wurde und 2011 den Friedensnobelpreis erhielt. 2011 scheiterte Weah mit seinen Ambitionen erneut, damals ging es um das Amt des Vizepräsidenten.

Für viele Liberianer ist Weah ein Idol, seine bodenständige Art kommt sehr gut an. Weah kommt von ganz unten: Das Licht der Welt erblickte er in einem Elendsviertel der Hauptstadt Monrovia. Vor seiner Sportkarriere arbeitete er als Telefontechniker bei der staatlichen Telekomgesellschaft. Die Fußballschuhe hängte er 2002 an den Nagel.

Vergessen ist er deswegen nicht. Viele seiner früheren Mitspieler gratulierten ihm zu seinem Wahlsieg, darunter der Ivorer Didier Drogba. Auch seine alten Vereine meldeten sich über Twitter zu Wort.

Als Staatspräsident will Weah vor allem die Wirtschaft des armen Landes ankurbeln, das noch unter den Folgen der schweren Ebola-Epidemie von 2014 leidet. Das wird auch einen harten Kampf gegen die weit verbreitete Korruption bedeuten. Liberia leidet zudem unter dem Preiseinbruch für Gummi und Eisenerz, die wichtige Exportprodukte sind.

Als Weah 2003 in seine Heimat zurückkehrte, konnte das Land gerade den Bürgerkrieg nach 14 langen Jahren überwinden. Mit dem Spitznamen „König George“ versehen, arbeitete Weah als Liberias UN-Botschafter des Guten Willens. 2014 wurde der dreifache Vater zum Senator der Westprovinz Montserrado gewählt, die auch die Hauptstadt einschließt.

Ebenfalls 2014, inmitten der Ebola-Epidemie, nahm er ein Lied auf, um das Bewusstsein für das tödliche Virus unter seinen Landsleuten zu schärfen. Mehr als 4800 Menschen kamen während der Epidemie zwischen 2013 und 2015 alleine in Liberia ums Leben, in ganz Afrika gab es mehr als 11 000 Tote.

Er spüre die Wichtigkeit und die Verantwortung der „ungeheuren Aufgabe, der ich mich heute stelle“, schrieb der Ex-Fußballstar von der Koalition für Demokratischen Wechsel (CDC) nach Bekanntgabe vorläufiger Wahlergebnisse am Donnerstag auf Facebook. „Der Wechsel hat begonnen.“

So manche Wechsel gab in Weahs Leben nicht nur im Fußball, sondern auch in Fragen des Glaubens. So konvertierte er einst vom Christentum zum Islam, um dann später wieder Christ zu werden. Auch das sehen viele als einen Vorteil an: Weah gilt in Liberia als jemand, der helfen kann, religiöse und soziale Gräben zu überwinden.

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