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ifo-Präsident Sinn Brüssel verschärft die Gefahr von Staatsbankrotten

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Mit dieser Politik gelang es, die schlechteren Bewertungen der Staatspapiere durch die -Ratingagenturen zu unter-laufen, die im Herbst 2009 einsetzte. So ging zum Beispiel Fitch bei Griechenland im Oktober 2009 von A- auf BBB+ und senkte die Bewertung bis Juli 2011 Schritt für Schritt auf CCC, eine Schrott-Kategorie. Bei Irland verließ man den A-Bereich im Dezember 2010, bei Portugal im April 2011. Brenzlig wurde es kürzlich, als die Ratingagenturen Standard & Poor’s (im Mai 2011) und Moody’s (im Juni 2011) Italien eine Herabstufung androhten und als Gerüchte hochkamen, dass Frankreichs Top-Rating (AAA) in Gefahr sei.

Es ist verständlich und beängstigend zugleich, dass die Betreiber des europäischen Großkraftwerks nun fieberhaft nach neuen Alarmsystemen für Europa suchen, die weniger sensibel auf die Gefahren reagieren. Es stimmt zwar, dass die amerikanischen Agenturen keine echten Frühwarnsysteme waren, die die betroffenen Länder und ihre Gläubiger schon im Vorhinein auf überzogene Kreditrisiken hinwiesen. Aber sie haben alsbald die wirkliche Krisensituation schonungslos offengelegt. Man muss den Bonitätswächtern geradezu dankbar sein, dass sie heute eine funktionierende Kontroll- und Wachfunktion in Europa ausüben.

Die Euro-Zone sollte warten

Es stimmt, dass sich die amerikanischen Ratingagenturen während der US-Finanzkrise parteiisch gezeigt haben. Aber auch das begründet keinen Zweifel an ihrer Funktion in der europäischen Finanzkrise. Parteilichkeit bei der Beurteilung der europäischen Länder kann man ihnen wahrlich nicht vorwerfen.

Deshalb sollte die Euro-Zone mit der Einführung eigener Ratingsysteme warten, bis sie ihre Schuldenkrise gelöst hat – und die Mitgliedsländer lieber durch die Verknappung öffentlicher Rettungsgelder zur Schuldendisziplin anhalten.

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