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Immobilienmarkt Chinas Immobilienmarkt bedroht

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Insbesondere lokale Unternehmen mit in Projekten festsitzendem Kapitel lechzen nach neuem Geld. Eine wachsende Zahl an Geschäftspleiten erschütterte die Branche: Zuerst erwischte es im November 2007 die Shenzhener Firma Zhongtian Real Estate. Dann meldeten das ebenfalls dort ansässige Unternehmen Changhe Real Estate und die Pekinger Immobilienfirma Xinyitian die Schließung von Dutzenden ihrer Filialen. Anfang 2008 musste Chinas größter Immobilienhändler Chuanghui Real Estate etliche Zweigstellen schließen und zwei Drittel seiner 20.000 Mitarbeiter entlassen.

Doch der bekannte chinesische Immobilienunternehmer, Pan Shiyi, CEO der 1995 gegründeten Firma Soho China, verbreitet schon wieder Optimismus, wenn auch mit Sarkasmus gewürzt. „Schlimmer kann es nicht werden“, sagt Pan, „nach dem Regen kommt auch wieder Sonnenschein.“ Pan hofft auf ein Ende der Kreditverknappung und Zinsanhebung. Nicht völlig grundlos: Denn der Regierung selbst bereitet die restriktive Geldpolitik zunehmend Kopfzerbrechen. Durch die wiederholte Leitzinserhöhung und die erwartete graduelle Aufwertung des Yuan fließt seit Monaten mehr und mehr spekulatives Kapital ins Land. Wissenschaftler schätzen die Summe auf 300 Milliarden bis zu 1,75 Billionen US-Dollar – letztere Zahl stammt aus einem Bericht der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften und überträfe sogar die Summe der chinesischen Devisenreserven.

Dämpfende Wirkung der Geldpolitik nicht von Dauer

Analysten glauben daher, dass die restriktive Geldpolitik und deren dämpfende Wirkung auf den Immobilienmarkt nicht mehr von Dauer sein werden. Aufmerksam haben sie eine neue Nuance in den Reden von Premierminister Wen Jiabao registriert. Wen betont seit Kurzem, dass neben der Inflationsbekämpfung nun auch ein schnelleres Wirtschaftswachstum wieder in den Fokus der Regierung gerückt sei.

„Das signalisiert, dass die Regierung keine weitere Dämpfung des Immobilienmarktes anstrebt“, sagt Wang Derong, Analyst bei Citic Securities. Wang hält es für wahrscheinlich, dass die zu einem großen Teil noch immer staatlichen Banken auf Wens Botschaft hin ihre strengen Kreditvergabekriterien schon bald wieder lockern. Das sieht Liao Qun, Chefökonom bei der Citic Ka Wah Bank in Hongkong, im Prinzip genauso, nur glaubt er, dass „die Regierung erst die Stabilisierung des Immobiliensektors bis zur ersten Hälfte des Jahres 2009 abwarten wird, bevor sie die entsprechenden Beschränkungen aufhebt“.

Auch Li Haiqing, Rechtsberater der Immobilienfirma Pangu Investment, ist optimistisch, was die langfristige Entwicklung des Wohnungsmarktes angeht. Er rät nicht nur den Kunden zum Kauf, sondern handelt selbst nach dieser Devise. Im Mai hat er sich ein Appartement in einem rund zehn Jahre alten Hochhaus gekauft, Quadratmeterpreis 13.000 Yuan (rund 1.300 Euro). „Die Ängste um einen totalen Preisverfall sind größtenteils Produkt der Massenpsychologie“, sagt Li, „längerfristig wird der städtische Wohnungsmarkt wegen der zunehmenden Urbanisierung boomen.“ Vorausgesetzt allerdings, gibt Li zu bedenken, dass „Chinas Gesamtwirtschaft stabil bleibt – darauf kann ich einfach nur hoffen“.

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