Interessenkonflikte Umstrittener Geldregen für Ivanka Trump

Die Präsidententochter arbeitet als Beraterin im Weißen Haus – und schlägt aus ihrer Popularität Kapital. Juristen sind entsetzt.

Ivanka-Trump Quelle: REUTERS

Ein Wahlkampfversprechen hat Donald Trump dann doch bereits eingelöst. Er wolle seinem Land dienen, und werde aufs Gehalt – rund 400.000 US-Dollar im Jahr – verzichten, kündigte der Milliardär, dem bisher so wenig gelungen ist, im Wahlkampf an. Tatsächlich spendete er seine ersten Gehälter Anfang April. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, übergab dem National Park Service einen Scheck über 78.333,32 Dollar.

Auch Ivanka Trump will für ihre Dienste im Weißen Haus – sie fungiert als Beraterin ihres Vaters – kein Geld vom Steuerzahler annehmen. Muss sie auch nicht – schließlich verdient sie auch so prächtig. Ihre Marke Ivanka Trump erfreut sich seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten einer nie dagewesen Popularität. Im Februar stieg der Umsatz von Ivanka Trump – die Schuhe, Kleider, Taschen und Schmuck unter ihrem Namen verkauft – in den USA um 346 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Jahresvergleich steigt der Umsatz zwischen Februar 2016 und Januar 2017 immerhin um fast 61 Prozent, auf 47,3 Millionen Dollar. Nun soll China erobert werden. Das Riesenreich ist schließlich großer Fan der 35-Jährigen, die nicht nur hübsch und erfolgreich ist, sondern auch noch eine loyale Tochter und fürsorgende Mutter.

Seit Monaten vermengen die Trumps Amt und Geschäft wie keine Präsidentenfamilie zuvor. Während eines TV-Interviews im November, kurz nach der Wahl ihres Vaters zum Präsidenten, trägt Ivanka Trump über dem linken Handgelenk einen diamantenbesetzten Armreif aus Gold. Unmittelbar nach der Ausstrahlung des Gesprächs schicken Mitarbeiter von Ivanka Trumps einen „style alert“ raus – eine Meldung, dass der Armreif aus der Kollektion der Präsidententochter ist und für 10.800 US-Dollar gekauft werden kann. Ein Fehler, bekennt Ivanka Trump später. Doch dann ist sie beim Gespräch ihres Vaters mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe zugegen, während sie zeitgleich an einem Deal mit einer Modemarke in Japan feilt – an die über Umwege die japanische Regierung beteiligt ist. Ein juristisches Fehlverhalten lässt sich Trump bisher nicht nachweisen. Doch schon der Verdacht, dass die Beraterin im Weißen Haus aus ihrer Tätigkeit künftig Profit schlagen könnte, untergräbt das Vertrauen in die gesamte Präsidentschaft – und gefährdet den guten Ruf der Ivanka Trump.

Gemeinsam mit Ehemann Jared Kushner besitzt sie Vermögen von rund 740 Millionen US-Dollar. Einen Teil ihrer Immobilien und Firmenbeteiligungen haben sie abgestoßen, einen Teil – etwa Ivanka Trumps Modemarke – in einen eigenen Trust übertragen. Das reicht nicht aus, um künftige Interessenkonflikte zu vermeiden, betont Richard Painter, Jurist und Ethikberater unter Ex-Präsident George W. Bush. Solange die Trumps etwa im Hotel- und Immobiliengeschäft mitmischen, dürften sie den US-Präsidenten nicht in Fragen der Bankenregulierung beraten. „Das Immobiliengeschäft ist extrem abhängig von Bankkrediten“, sagt Painter. Eine Aufweichung von Dodd-Frank, ein Gesetzespaket zur Regulierung der Finanzindustrie, hätte mutmaßlich positive Auswirkungen aufs Geschäft. „In diesen Punkten ist eine Beratertätigkeit tabu.“

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