WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Internationaler Währungsfonds Deutlich mehr Kredit für arme Länder

Bisher war es eine Milliarde Dollar pro Jahr, jetzt erweitert der Weltwährungsfonds (IWF) die Kreditlinie für die ärmsten Länder der Welt auf 17 Milliarden Dollar für fünf Jahre. Dafür will der IWF sogar sein Gold verkaufen. Gegen den zunehmenden Hunger hilft das erstmal nicht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der Direktor des Quelle: REUTERS

„Das ist eine beispiellose Aufstockung der IWF-Hilfen für die ärmsten Länder, südlich der Sahara und in der ganzen Welt“, sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn. Rund 60 Ländern, die bereits beim Weltwährungsfonds Kredite aufnahmen, werden darüber hinaus die Zinszahlungen bis Ende 2011 erlassen. Durch die Schritte könnten Millionen von Menschen vor Armut bewahrt werden, sagte Strauss-Kahn. Er bezeichnete die Maßnahmen als Reaktion auf einen Appell der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20). Offen blieb, in welchem Umfang der IWF eigene Goldreserven verkaufen will und wann dies geschehen soll.

Acht Milliarden Dollar für die nächsten zwei Jahre

Der Fonds plane bereits in den kommenden beiden Jahren die Vergabe von acht Milliarden Dollar an Krediten. Damit übertreffe der IWF die Forderung der G20, die neue Darlehen für arme Länder in Höhe von sechs Milliarden Dollar über drei Jahre verlangt hätten. Strauss-Kahn betonte, der Fonds habe seit Beginn der Krise seine Strukturen flexibler gestaltet und den Bedürfnissen seiner 186 Mitgliedsstaaten besser angepasst. „Wir haben zugehört und reagieren auf unsere Mitglieder“, sagte der IWF-Chef. Die Maßnahmen des Fonds würden den ärmsten Länder nicht nur helfen, die Krise zu überstehen, sondern nach deren Ende im Kampf gegen die Armut eine wichtige Unterstützung sein. Bleibt die Frage, ob die ärmsten Länder bis dahin den Hunger überstehen.

Das Hungerproblem nimmt zu

Während die Rettungsschirme für Banken und Konjunkturprogramme sprießen, bleibt nämlich für die Bekämpfung des Hungers auf der Welt offenbar nicht genug, denn die von der Staatengemeinschaft versprochenen Gelder für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) sind noch nicht einmal zur Hälfte eingetroffen. Deshalb hat das WFP wegen der ausbleibenden Hilfszahlungen und gleichzeitig steigenden Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern Alarm geschlagen.

Nur die Hälfte der versprochenen Gelder

Ein Kind in Somalia vor einem Quelle: dpa/dpaweb

Die Staatengemeinschaft hatte dem WFP für 2009 nur 3,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprochen. Mehr als doppelt soviel wäre nötig, um den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen zu helfen, sagt die WFP-Direktorin Josette Sheeran. Von den versprochenen Geldern seien bislang aber nur 1,8 Milliarden Dollar eingetroffen. Daher sei das Welternährungsprogramm bereits dazu gezwungen, Lebensmittelrationen in mehreren Ländern zu verringern. Diese Entwicklung sei dabei nicht nur sehr bedrohlich für die betroffenen Regionen, sondern gefährde mittelfristig auch die Stabilität der reichen Länder, warnte Sheeran. „Es gibt nichts Grundsätzlicheres als Nahrung. Wenn Menschen sie nicht bekommen, dann gibt es drei Möglichkeiten: Sie rebellieren, sie migrieren oder sie sterben.“

Derzeit hungern nach UN-Angaben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt, vor zwei Jahren waren es nur 860 Millionen. Das Welternährungsprogramm kann lediglich den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen helfen, was etwa zehn Prozent der Betroffenen sind. Im vergangenen Jahr waren dies etwa 102 Millionen Menschen in 78 Staaten. Obwohl die Weltmarktpreise für Weizen und andere Lebensmittel zuletzt gesunken sind, hat sich die Lage in vielen Entwicklungsländern eher noch verschärft. „Die Lebensmittelkrise ist noch nicht überwunden in den Entwicklungsländern. Tatsächlich ist die Lage in vielen Ländern noch alarmierender als vor einem Jahr“, sagte Sheeran.

Halbherzige Hilfe?

Sheeran moniert gleichzeitig, dass die Hilfsbereitschaft der reichen Länder wegen der Banken- und Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen sei. Als Beispiel nannte die Direktorin ein Hilfsprogramm in Bangladesch, wo von den einst 300.000 Kindern derzeit nur noch 70.000 UN-Lebensmittel erhalten. In Kenia haben die Hilfsorganisationen die Rationen ebenfalls drastisch reduziert, so dass von den eigentlich zehn Millionen Bedürftigen nur noch ein Drittel Hilfsnahrung bekommen. Die WFP-Direktorin appellierte an die reichen Länder der G20, trotz der eigenen Wirtschaftsprobleme mehr Geld für Entwicklungshilfe zu leisten.

Die beim G8-Gipfel in Rom beschlossenen Agrarhilfen für Bauern in Entwicklungsländer im Umfang von 20 Milliarden Dollar seien ein wichtiges Signal. Bis diese Hilfe zur Selbsthilfe aber tatsächlich greife, müsse kurzfristig noch mehr in Nahrungsmittelhilfe investiert werden, forderte die Direktorin. Es müsse dabei auch genau geprüft und überwacht werden, ob die in Rom als neu dargestellte G8-Initiative tatsächlich ein zusätzliches Engagement der reichen Länder bedeute oder ob nicht vielmehr die genannte Summe auch bereits versprochene Gelder beinhalte.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%