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Interview mit Meryl Streep "Weiße Greisinnen spielen für die Wirtschaft keine Rolle"

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Größte Stärke, größte Schwäche

Vorn links: J. Roy Helland mit dem Oscar für das beste Make-up für

Sie können sich also doch in ihrer Politik wiederfinden.
Ich würde sie heute wohl genau- so wenig wählen wie damals. Die negati-ven Auswirkungen ihrer Politik bleiben unbestritten. Im Film macht ihr ja auch Labour-Führer Michael Foot den Vor- wurf: ?Sie haben es möglich gemacht, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden.? Kein Wunder, dass sie eine der meistgehassten Frauen Englands ist. Doch gleichzeitig sind die Architekten ihrer damaligen Politik auch heute noch aktiv

Aber Thatcher konnte sich in ihrer ersten Amtszeit auch nur deshalb behaupten, weil sie in den Falkland-Krieg zog.
Ich kenne diese Theorie. Nur die Sachlage ist aus meiner Sicht komplizierter. Wir nehmen immer an, dass Politiker Ereignisse steuern. Aber ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob sich komplexe Systeme überhaupt kontrollieren lassen.

War der Kontrollverlust der Grund, warum sie aus dem Amt gedrängt wurde?
Der wahre Grund lag wohl darin, dass ihre größte Stärke auch zu ihrer größten Schwäche wurde. Sie folgte strikt nur ihren eigenen Regeln, doch diese Haltung mündete letztlich in Hybris. Sie war nicht mehr für andere Argumente aufgeschlossen, selbst wenn sie noch so vernünftig waren. Sie ließ keine Emotionen zu. Aber das ist ein Dilemma, mit dem sich jeder Staatsführer konfrontiert findet. Denn die Wähler wollen Sicherheit, sie wollen den Tunnelblick. Sie haben keine Lust, von jemandem regiert zu werden, der sagt: ?Vielleicht sollte ich dies tun oder vielleicht das. Lasst mich darüber nachdenken.? Doch mangelnde Offenheit ist genauso fatal.

Gibt es etwas, was Sie mit Margaret Thatcher verbindet?
Nicht wirklich. Ich kann mich bestenfalls mit ihrem Wunsch nach Privatheit identifizieren, denn ich bewege mich nicht immer gern in der Öffentlichkeit.

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    Sie wollten mit dieser Rolle nicht Ihre Führungsqualitäten demonstrieren?
    Nein. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir Margaret Thatcher als alte demente Frau zeigen, die sich an ihr bisheriges Leben erinnert. Natürlich fand ich es unwiderstehlich, eine so kontroverse Person zu spielen, die die erste demokratisch gewählte Staatsführerin des Westens war. Aber gleichzeitig ist das Interessante an dem Film, dass eben eine alte Frau im Mittelpunkt steht.
    In der amerikanischen Kultur besitzt diese Bevölkerungsschicht nicht die geringste Bedeutung. Auch für das Marketing nicht. Fette, weiße Greisinnen spielen aus Sicht der Wirtschaft keine Rolle.

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