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Irak Der gescheiterte Staat

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Verschiebung der nahöstlichen Koalitionen?

Kein Wunder, dass die eher verhaltene Ölpreisentwicklung der vergangenen Jahre immer wieder auf die bemerkenswerte Erholung der irakischen Förder- und Exportzahlen zurückgeführt wurde. Die Fördertürme, Pipelines und Hafenanlagen funktionierten wieder, als hätte es den Verfall unter dem Diktator Saddam Hussein, die Verwüstungen der amerikanischen Invasion 2003 und die Terrorjahre bis 2007 nicht gegeben.

Die größten Ölreserven der Welt
Eine Frau trocknet Wäsche auf einer Erdöl-Pipeline Quelle: ASSOCIATED PRESS
Libyen Quelle: REUTERS
Logo von Rosneft Quelle: ITAR-TASS
Ölraffinerie in den Vereinigten Arabischen Emiraten Quelle: AP
Ktar Quelle: REUTERS
Kuwait Quelle: REUTERS
Irak Quelle: REUTERS

Von den Ölfeldern im Süden floss immer mehr Öl über den Hafen von Basrah und den Persischen Golf in die Welt. Die faktisch autonomen Kurden im Norden des Landes begannen, ihr Öl über eine Pipeline in die Türkei zu liefern. All das könnte theoretisch weitergehen, auch wenn sich islamistische Radikale im Zentrum des Landes festsetzen, wo Erdöl eher verbraucht als gefördert wird.

Wahrscheinlich ist das nicht: Von Tikrit oder gar Bagdad aus würde ISIS diese ständig bedrohen, und die fanatisch sunnitischen Führer der Terrorarmee sind voller Hass gegen die Schiiten im Südirak wie gegen die religiös toleranten kurdischen Glaubensbruder im Norden.

Es droht die Auflösung

Die freilich haben angesichts des ISIS-Vormarschs die bislang zwischen Kurden und arabischen Irakis umstrittene Erdölstadt Kirkuk unter ihre Kontrolle gebracht. Das ist möglicherweise der erste Schritt zu einem von Bagdad ganz unabhängigen Kurdistan – und zur völligen Auflösung des Irak.

Die bahnt sich auch mit der ganz offenen Intervention des Nachbarlandes Iran an: Teheran will den schiitischen Machthaber Maliki in Bagdad stützen und wird alles tun, um ISIS zu stoppen. Da bahnt sich eine Eskalation des Konflikts zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen an, die schon Syrien ins Verderben gerissen hat.

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Und im Unterschied zu Syrien sehen wir im Irak die USA an der Seite der Schiiten – und damit des Iran. Möglicherweise wird eine große Verschiebung der nahöstlichen Koalitionen zum wichtigsten Ergebnis der ISIS-Invasion im Irak: Wenn Washington und Teheran zu Verbündeten werden, bleibt im Nahen Osten fast nichts mehr, wie es bisher war.

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