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Irland Musterknabe unter den Sorgenkindern

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So ist es nicht verwunderlich, dass in Irland inzwischen eine öffentliche Debatte um den weiteren Sparkurs entbrannt ist. Die Regierung Kenny, seit März im Amt, muss das Kunststück fertigbringen, trotz der nötigen Einsparungen, die sich von 2008 bis 2014 auf 30 Milliarden Euro summieren werden, auch noch die Schulden abzubauen. Selbst der Wirtschaft macht das Sorgen. „Wir sind der Ansicht, dass die Einkaufsstraße genauso wichtig ist wie die Wall Street“, betont Danny McCoy, Generalsekretär des irischen Unternehmerverbandes IBEC. Die Etat-Kürzungen dürften angesichts der schwachen Binnennachfrage nicht höher ausfallen als die bereits in Aussicht gestellten 3,6 Milliarden Euro, fordert der IBEC. Auch Gewerkschaftschef Begg warnt davor, die wacklige Konjunkturerholung abzuwürgen, und verlangt, die Einsparungen über einen längeren Zeitraum zu strecken.

Noch strikter sparen?

Ganz im Gegenteil, meint Jürgen Stark, der scheidende Chefvolkswirt der EZB. Er drängt Irland dazu, den bislang geplanten Defizitabbau zu verschärfen. Insbesondere die Höhe der Sozialabgaben und die Beamten hat er dabei im Visier: „Wenn man das Gehaltsniveau im öffentlichen Dienst Irlands mit dem anderer Länder der Euro-Zone vergleicht, dann liegt Irland gemeinsam mit Griechenland immer noch an der Spitze“, so Stark. Viele in Dublin betrachten die Intervention des schnauzbärtigen Deutschen als wenig hilfreich. Doch er bekam Schützenhilfe von einem Schwergewicht: Der Ire Peter Sutherland, einst Chef der Welthandelsorganisation GATT, ehemaliger Wettbewerbskommissar der EU und heute Aufsichtsratschef von Goldman Sachs International in London, redet seinen Landsleuten eindringlich ins Gewissen: „Wir sollten wirklich überprüfen, ob das Sparziel von 3,6 Milliarden Euro ausreicht“, sagte er. Als Kenner der Finanzmärkte weiß er, was auf dem Spiel steht: „Irland hat jetzt nur für einen kurzen Augenblick die Chance, die Märkte positiv zu überraschen und sich klar von den anderen Problemstaaten abzugrenzen.“

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