„Islamischen Staat“ Von Saudi-Arabiens Anti-Terror-Allianz ist wenig zu erwarten

Mit großem Getöse hat Saudi-Arabien die Bildung einer militärischen Allianz fast aller islamischen Staaten gegen den „Islamischen Staat“ verkündet. Dahinter steckt leider sehr wenig. Ein Kommentar.

Mohammed bin Salman Quelle: REUTERS

Eigentlich war die Nachricht aus der saudischen Hauptstadt Riyadh wunderbar: Unter Führung Saudi-Arabiens formiert sich ein Militärbündnis gegen den weltweiten Terrorismus aus nicht weniger als 34 islamischen Staaten von Marokko bis Malaysia. So etwas hat es noch nie gegeben, so etwas Ähnliches allenfalls 1991, als ein breites Militärbündnis das besetzte Kuwait aus den Klauen des irakischen Diktators Saddam Hussein befreite.

Doch damals waren die beteiligten arabischen Truppen allenfalls Unterstützer des amerikanischen Militärs. Jetzt, so mag man denken, steht nicht mehr Amerika an der Spitze der Koalition, sondern das erzislamische saudische Königreich. Klingt wunderbar.

Islamistischer Terror gegen Europäer seit "Charlie Hebdo"

Denn anders lässt sich die Menschheitsgeißel „Islamischer Staat“ auch auf lange Sicht kaum beseitigen. Kein vernünftiger Mensch glaubt, dass Luftangriffe allein das Terrorsystem des selbsternannten Kalifen beseitigen können. Doch Bodentruppen will kein westliches Land einsetzen – zu Recht, weil nichts der terroristischen Propaganda mehr helfen würde als Instagram-Fotos von so genannten Ungläubigen im Nahkampf gegen die eigenen Leute.

Die islamische Allianz unter Führung des Hauses Saud mag da die ideale Lösung sein, gerade weil die Saudis selber für einen erzkonservativen Islam einstehen. Und die muslimischen Regierungen von Marokko bis Malaysia und von der Türkei bis nach Westafrika hinter sich zu scharen, ist eine gewaltige Leistung von König Salman und seinem Verteidigungsminister und Lieblingssohn Mohammed.

Nur: Es ist offenbar nicht so. In Pakistan, dem bevölkerungsreichsten der 34 angeblichen Bündnispartner, ließ die Regierung erst einmal verlauten, sie habe von der neuen Allianz bisher nichts gehört. Daraus wurde nach zwei Tagen eine schöne Erklärung der pakistanischen Botschaft in Riad, aus der sich herauslesen lässt, dass das Land in Freundschaft fest zu Saudi-Arabien steht, den internationalen Terrorismus ablehnt und ansonsten nichts Besonderes zu tun gedenkt.

Im Libanon, angesichts seiner Rolle als Finanzplatz ein wichtiger Schauplatz für die Bekämpfung des „IS“, verkündeten schiitische und christliche Politiker ihre schroffe Ablehnung eines Bündnisses, das offenbar exklusiv die Sunniten der Welt unter saudischer Führung vereinen soll. Der innerlich zerrissene Libanon ist damit ein Stück mehr aus dem Einflussbereich der Saudis in den ihrer schiitischen Feinde im Iran gerutscht.

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