Islamischer Staat Deutsche Tornados helfen nicht gegen den Terror

Die deutschen Aufklärungsjets sind ein Symbol der Treue an Frankreich, militärisch aber irrelevant. Die wichtigste Frage lässt die Anti-IS-Allianz offen: Wie will sie den Kampf überhaupt gewinnen? Eine Analyse.

Deutschland schickt Tornados nach Syrien. Quelle: AP

Der Islamische Staat bekommt seinen Willen. Frankreich verstärkt die Militäroperationen gegen die Terrororganisationen und zieht seine engsten Verbündeten nun mit. Deutschland wird den Kampf gegen den IS künftig mit Tornados unterstützen, die Erkundungsmissionen über Syrien fliegen sollen. Ein deutsches Kriegsschiff sichert zudem den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ ab, den Paris ins östliche Mittelmeer entsendet hat.

Die Terrororganisation wollte diese Eskalation mit den Terroranschlägen von Paris erzwingen. Am liebsten wären dem IS wohl Bodentruppen gewesen, die man zu einem blutigen und gefährlichen Häuserkampf hätte zwingen können. Darauf lassen sich Franzosen, Amerikaner, Briten, Deutsche und andere aber nicht ein – bislang zumindest.

Für Deutschland ist das militärische Engagement heikel: Zwar beteiligt sich die Bundesregierung an einer ganzen Reihe von internationalen Militäroperationen, darunter Afghanistan und Mali. Dennoch herrscht in Berlin die Überzeugung vor, sich aus bewaffneten militärischen Konflikten raushalten zu wollen, falls möglich. In den USA spotten politische Analysten gerne, Deutschland habe seine Lektion aus der Geschichte zu gut gelernt und übertreibe es gelegentlich mit seiner pazifistischen Grundhaltung.

Lange hat sich Berlin gesträubt, sich über die Waffenlieferungen an die kurdischen Truppen hinaus militärisch in Syrien zu beteiligen. Deutsche Flugzeuge werden keine Bomben in Syrien abwerfen. Aber die Bundeswehr hilft Amerikanern, Franzosen und anderen nun dabei, festzulegen, wo die ihre Bomben schmeißen. Deutschland ist spätestens jetzt zum aktiven Mitspieler im Syrien-Krieg geworden. Die Gefahr von Terroranschlägen in der Bundesrepublik dürfte damit nicht sinken – im Gegenteil.

Frankreich und der Terror

Dass das kein Argument sein darf, ist ab sofort die Haltung der Bundesregierung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte gestern Abend: „Wir sollten uns keiner Illusion hingeben, wir stehen bereits im Fadenkreuz. Deshalb ist es richtig, den IS an der Wurzel zu bekämpfen.“ Von Krieg will von der Leyen aber nicht sprechen. „Das ist kein Krieg, weil wir keinen Staat bekämpfen, sondern eine Mörderbande.“

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