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Israel Der Wahlsieger Netanjahu und was dahinter steckt

Mit dem Riesenerfolg von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der vorgezogenen Parlamentswahl hatte zuletzt kaum einer gerechnet. Dabei lässt sich im Nachhinein gut erklären, warum es so gekommen ist.

Benjamin Netanjahu nach der Wahl Quelle: dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist ob seiner Sturheit im Nahostkonflikt weltweit unbeliebt – bei Israels Feinden sowieso, aber gerade auch bei den bedenklich wenigen Freunden des Judenstaates. Er hat alles getan, das Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama zu zerrütten. Er hat sich nie dementierten Berichten zufolge mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Telefon angebrüllt, trotz oder vielleicht gerade wegen des Nahost-Engagements einer Kanzlerin, die Israels Sicherheit zur deutschen Staatsraison erklärt hat.

In der oppositionellen Tel Aviver Tageszeitung „Haaretz“ bekam Netanjahu zu lesen, der Kreis seiner Freunde im Ausland beschränke sich auf republikanische Politiker in Washington, den autoritären ägyptischen Präsidenten Abdelfatth al-Sisi und den alternden Actionfilmstar Chuck Norris, einen besonders beschränkten christlichen Fundamentalisten.

Parteien in Israel

Und warum gewinnt dann so einer Wahlen? Zur Erklärung kann man Israels Sicherheitslage bemühen und seinen demographischen Wandel, der die nationalistischen und engstirnig religiösen Kräfte begünstigt. Man kann die Feinheiten des komplizierten israelischen Parteiensystems aufzeigen und die gar nicht so komplizierten Gemeinheiten Netanjahus im Wahlkampf.

Es geht aber auch viel einfacher:  Man kann sagen, dass der israelische Ministerpräsident gerade darum die Mehrheit seiner Landsleute hinter sich versammelt, weil die bösen Ausländer ihn so ablehnen. Politische Führer provozieren internationale Isolierung, und diese Isolierung stärkt ihre Herrschaft – dieses Modell entwickelt sich zur Konkurrenz der liberalen Demokratie in vielen Ländern des Globus.

Fünf Fakten über Israel

Heute früh schreibt mir ein Freund aus Istanbul, die Bilder von Netanjahu und seinen Parteigängern im Fernsehen erinnerten ihn fatal an den türkischen Dauer-Wahlsieger Erdogan. Das stimmt, so sehr sich Netanjahu und der türkische Präsident hassen mögen. Die beiden haben einen Haufen sehr ähnlicher Kollegen in wichtigen Hauptstädten von Moskau über Delhi bis Johannesburg – die Liste lässt sich fortsetzen.

Der charismatische Führer, der seine Nation gegen den fiesen Rest der Welt führt, hat weltweit Konjunktur. Auch da, wo gar keine Wahlkämpfe zu gewinnen sind: Man schaue sich nur die Propagandafilmchen des chinesischen Fernsehens über den Präsidenten Xi Jingping an – man muss kein Chinesisch verstehen, um sich zu gruseln.

In Arbeit
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Wo der autoritäre Führer Wahlen zu bestehen hat, reicht es freilich nicht ganz, dass die Leute sich an seinem Konfrontationskurs begeistern. Die Wirtschaft muss laufen – aber das tut sie ja auch in Israel: Mehr als sieben Prozent Wachstum im letzten Quartal 2014 waren der Grundstock für Netanjahus Triumph.

Zwar machte die Ökonomie des kleinen Landes damit nur die Einbußen zur Zeit des Gazakrieges im Sommer wett, aber wer so etwas sagte, war für Netanjahus Fans doch nur ein Miesmacher, im Zweifelsfall von ausländischen Feinden ferngesteuert.

Das ist irrational – aber wer in der sehr unvollkommenen Welt von heute rational handeln will, muss diese Irrationalität kennen. Nicht nur im Blick auf Jerusalem und Tel Aviv.  

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