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Italien Die Zarin steht bereit

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Wenn auch der Familienfrieden zumindest nach außen gesichert ist – gegen die Kritiker des Vaters ist Marina Berlusconi fast genauso angriffslustig wie der Meister selbst. »Gegen meinen Vater läuft eine unerträgliche Hetzjagd«, klagte sie kürzlich in einem ihrer seltenen Interviews. Seit 15 Jahren sei "ihnen jedes Mittel gegen Silvio Berlusconi recht, aber in den letzten Monaten sind die Attacken noch stärker und wirklich unanständig geworden. Man versucht, ihn mit Verleumdungen als Mensch und mit rechtswidrigen Gerichtsurteilen als Unternehmer zu zerstören." In Italien werde die Politik durch "ein paar Verleger, Richter, Professoren und Fernsehtribune ersetzt", verkündete Marina Berlusconi, »dabei sind alle diese Personen niemals vom Volk gewählt worden«.

Da spricht her master’s voice, nur ein paar Tonlagen höher. Zuletzt traf es den Schriftsteller Roberto Saviano. Der hatte jene Staatsanwälte gelobt, die gegen Silvio Berlusconi wegen des Verdachts der Nötigung und der Förderung der Prostitution Minderjähriger ermitteln. Marina Berlusconi bezeichnete Savianos Lob als "Horror". Es war nicht das erste Mal, dass sie den erfolgreichsten Autor ihres eigenen Verlags Mondadori angriff – allein in Italien wurde Savianos Erstling Gomorrha über zwei Millionen Mal verkauft. Diesmal riskiert die Verlegerin im Namen des Vaters den Bruch mit ihrem Bestsellerautor. Ein Zeichen dafür, dass die Politik für die Unternehmerin Berlusconi inzwischen schwerer wiegt als die Bilanzen.

Offener Widerspruch

Tatsächlich kann man aus den Berlusconi-Verlagen Mondadori und Einaudi vernehmen, wie die Schraube enger gezogen wird. Zwar veröffentlichen nach wie vor oppositionelle Schriftsteller und sogar Politiker in den Verlagen des Rechtspopulisten Berlusconi. Der ehemalige Ministerpräsident Massimo D’Alema, ein Exkommunist, brachte bei Mondadori sein "Handbuch für die Führung der Demokratischen Partei" heraus, bei Einaudi erschien der Essay "Die Herausforderung" des linken Turiner Bürgermeisters Sergio Chiamparino mit neuen Thesen zur Überwindung des Berlusconismus. Der offenkundige Widerspruch, mit dem Verleger Berlusconi zusammenzuarbeiten, während man den Politiker Berlusconi bekämpft, wurde in weiten Teilen der italienischen Linken nicht empfunden.

Inzwischen raten indes die Verlagsoberen selbst ihren Hausautoren von allzu "waghalsigen" Projekten dringend ab. Ähnliches gilt für Filmprojekte bei Berlusconis Produktionsfirma Medusa, die von dem Sohn seines Staatssekretärs Gianni Letta geleitet wird. Wenn Marina Berlusconi das Feld betritt, soll der Boden bereitet sein.

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