IW-Umfrage Industrie beklagt Nachteile im Kampf um Rohstoffe

Jede zweite deutsche Industriefirma beklagt im Kampf um wichtige Rohstoffe Nachteile gegenüber der internationalen Konkurrenz. Laut einer IW-Umfrage sinkt die Wettbewerbsfähigkeit deutlich. Die Politik soll handeln.

Was in iPhones und Panzern steckt
Hybridauto von Porsche Quelle: rtr
Neodym Neodym ist Ausgangsstoff für starke Permanentmagnete, die in kleinen Mikrophonen und Lautsprechern – etwa in Apples iPhone – stecken. Sie machen auch moderne Audioanlagen erst möglich. Quelle: ap
Praseodym Auch Praseodym ermöglicht die Produktion kräftiger Magneten, die für die Herstellung kompakter Elektromotoren, aber auch von Generatoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Quelle: ap
Samarium Samarium ist ebenfalls Ausgangsstoff für Permanentmagnete, die beispielsweise in militärischen Navigationssystemen stecken, wie die US-Armee sie im Kampfpanzer Abrams einsetzt. Damit endet die Vorstellung der ersten vier Vertreter aus der Gattung der „leichten seltenen Erden“, weiter geht's mit den sogenannten „schweren seltenen Erden“. Quelle: Reuters
Terbium Als grünlicher Fluoreszenzstoff hilft Terbiumden Herstellern von Lampen ohne Glühfaden, die Lichttemperatur einzustellen. So verbrauchen Energiesparlampen bei gleicher Helligkeit weniger Strom. Quelle: ap
Gadolinium In Kernreaktoren dient Gadolinium dazu, überschüssige Neutronen zu absorbieren - entweder für eine Schnellabschaltung oder in Meilern, die nur selten neu bestückt werden, etwa für Atom-U-Boote. Quelle: ap
Yttrium In Radargeräten dienen kristallische Elemente mit Yttriumanteil dazu, die zurückkommenden elektromagnetischen Wellen besser aufzufangen. Als nächstes folgen die seltenen Metalle. Quelle: Reuters

Wie aus einer Studie des arbeitgebernahen IW-Instituts unter 2000 Betrieben hervorgeht, profitieren vor allem Wettbewerber aus rohstoffreichen Ländern von günstigeren Einkaufspreisen, geringeren Umweltauflagen und größerer Versorgungssicherheit. "Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland gibt an, dass dadurch seine eigene Wettbewerbsfähigkeit deutlich sinkt", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Gut jeder zweite Betrieb sorge sich etwa um den längerfristigen Ausfall eines Metall-Lieferanten.

Für den Industriestandort Deutschland, wo beispielsweise Metalle fast zu 100 Prozent eingeführt werden müssen, ist der Zugang zu Rohstoffen immens wichtig. In der Rohstoffallianz haben sich bereits Großkonzerne wie VW oder BASF zusammengetan, um die Versorgungssicherheit bei wichtigen Materialien zu verbessern. Zudem hat Deutschland mit den Ländern Kasachstan und der Mongolei Rohstoffpartnerschaften geschlossen, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Pro und Contra zu Rohstoff-Spekulationen
Die Frankfurter Skyline ist hinter einem Rapsfeld in Eschborn zu sehen: Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Geht es nach einer Forsa-Umfrage vom Ende vergangenen Jahres, dann sind nur elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland dafür, dass es Anlageprodukte auf Agrarrohstoffe überhaupt gibt. 84 Prozent sind dagegen. Trotzdem finden sich genügend Experten, die Spekulationen auf Agrarrohstoffe befürworten. Hier eine Auswahl: Quelle: dpa
Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität in Berlin, sagt: „Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpreise dauerhaft nach oben treiben. Landwirte und Agrarhändler können sich nur gegen Preisrisiken absichern, wenn Finanzinvestoren auf der Gegenseite in die andere Richtung wetten.“ Quelle: obs
Sein Kollege George Rapsomanikis, Ökonom bei den Vereinten Nationen, verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Märkte:
Der Gießener Agrarökonom Michael Schmitz sieht vor allem die Entwicklungsländer selbst in der Verantwortung:
Es ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich aus ethisch-moralischen Gründen gegen das Spekulieren auf landwirtschaftliche Produkte ausspricht. Kern aller Argumente ist dabei stets, dass sich hinter der Vielzahl von Kontrakten, die an den Terminbörsen abgeschlossen werden, nur selten Absicherungsgeschäfte für Landwirte und Agrarhändler befinden. In den meisten Fällen wollen Spekulanten vom Auf und Ab der Preise profitieren. Quelle: dpa
Auch an den Börsen sieht man dieses Treiben zunehmend kritisch. „Es gibt volkswirtschaftlich gesehen überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren“, sagt etwa der als „Mister Dax“ bekanntgewordene Börsenmakler Dirk Müller. Immer wieder gab es Berichte, wonach in großen Lagerhäusern Lebensmittel bewusst zu Spekulationszwecken zurückgehalten wurden, um das Angebot gering zu halten. Quelle: dpa

Die Firmen setzen laut Umfrage auf langfristige Lieferverträge und den Bezug über mehrere Lieferanten, um sich gegen Probleme zu wappnen. Zudem sicherten sie sich mit Hedging gegen Preisschwankungen ab und steckten Geld in die Forschung, um alternative Produkte und Produktionsmethoden zu entwickeln. Die IW-Forscher sehen aber auch die Politik in der Pflicht, die sich für mehr Freihandel und gegen Protektionismus einsetzen müsse. Die europäischen Staaten müssten ihre Rohstoff- und Energiepolitik besser koordinieren, forderte Hüther. Er kritisierte, Deutschland hätte rascher gegen Strafzölle der EU-Kommission auf importierte Solarmodule aus China vorgehen sollen. "Die Bundesregierung hat dagegen votiert, hat aber spät begonnen, sich zu positionieren", sagte Hüther. Er räumte ein, dass Europa wegen der unterschiedlich stark ausgeprägten Industriestruktur meist nicht mit einer Stimme spreche.Jede zweite deutsche Industriefirma beklagt im Kampf um wichtige Rohstoffe Nachteile gegenüber der internationalen Konkurrenz. Laut einer IW-Umfrage sinkt die Wettbewerbsfähigkeit deutlich. Die Politik soll handeln.

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