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IWF-Chefin Europas Bankenreform geht Lagarde zu langsam

Zu wenig Kapital, zu viele faule Kredite: Das europäische Bankensystem kommt bei IWF-Direktorin Lagarde schlecht weg. Sie fordert umfassende Aufräumarbeiten von Europa - und gibt auch den USA Zunder.

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IWF-Direktorin Christine Lagarde fordert eine Reform des Bankensystems - besonders, aber nicht nur in Europa. Quelle: dpa

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat die schleppenden Reformen im europäischen Finanzwesen beklagt. Fünf Jahre nach der globalen Finanzkrise sei das System vor allem in den schwächeren Eurostaaten noch nicht ausreichend repariert, sagte sie am Mittwoch in New York. Viele Banken dort hätten „nicht genügend Kapital und zu viele schlechte Kredite in ihren Büchern“.

Obwohl die Zentralbanken ihre Geldpolitik extrem gelockert hätten, kämen die niedrigen Zinsen deswegen nicht bei den Menschen und Betrieben an, die sie wirklich benötigten. „Die Leitungen sind verstopft. Die Priorität muss daher sein, das Bankensystem durch Rekapitalisierung, Restrukturierung und - wo es notwendig ist - Schließungen aufzuräumen.“

Die Wachstumsmärkte von morgen
Platz 9: MalaysiaMit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv. Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet. Quelle: AP
Platz 8: GhanaDas afrikanische Land kann mit seinem starken Wachstums punkten. 2011 stieg das BIP um 13,5 Prozent. Kein anderer der 50 betrachteten Wachstumsmärkte wies solche Steigerungsraten auf. Dazu lockt Ghana mit günstigen Arbeitskosten. Allerdings gilt das westafrikanische Land nach wie vor als wenig sicher und sehr korrupt. Quelle: REUTERS
Platz 7: Polen Das Land punktet bei deutschen Investoren vor allem durch seine räumliche Nähe als günstiger Beschaffungsmarkt. Die politische Lage ist stabil. 39 Millionen Einwohner freuen sich über ausländische Waren. 2011 gingen immerhin Importe im Wert von 170 Milliarden Dollar ins Land. Auch wenn die Lohnkosten verhältnismäßig hoch sind - Polen bleibt ein attraktiver Markt. Quelle: dpa
Platz 6: AlgerienDas Land erreicht in keiner Kategorie Bestwerte, kann aber als Beschaffungsmarkt überzeugen (Platz 2). Einkaufsmanager sehen viel Potenzial, außerdem verfügt das Land über immense Rohstoff-Ressourcen im Wert von 72 Milliarden Dollar. Die Arbeitskosten sind mit 7,3 Dollar noch deutlich geringer als z.B. in der Türkei (14,5 Dollar) oder Mexiko (14,6 Dollar). Damit erreicht Algerien insgesamt Platz 6. Quelle: AP
Platz 5: TürkeiIm Ranking der besten Absatzmärkte erreicht die Türkei mit einer durchschnittlich kaufkräftigen, aber dafür umso größeren Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern einen guten dritten Platz. Im Jahr 2011 wuchs das BIP um satte 8,5 Prozent. Als Beschaffungsmarkt ist das Land dafür weniger attraktiv (Platz 10 von 50). Insgesamt: Platz 5. Quelle: dpa
Platz 4: MexikoBereits 328 Milliarden Dollar Direktinvestitionen flossen 2011 nach Mexiko - der höchste Wert im Ranking. Dazu locken 112 Millionen Einwohnern. Diese Kombination macht Mexiko zum zweitbesten Absatzmarkt der Welt für die deutsche Wirtschaft - so die Experten von Valuneer. Als Beschaffungsmarkt kann das Land weniger überzeugen: Platz 11. Insgesamt reicht es für Rang vier. Quelle: dpa
Platz 3: Südkorea1723 Dollar pro Kopf steckte Südkorea im Jahr 2011 in Forschung und Entwicklung - und damit mehr als alle anderen untersuchten Ländern. Als Beschaffungsmarkt belegt Südkorea den vierten Platz. Als Absatzmarkt überzeugt der asiatische Staat, weil er bereits im Jahr 2011 Importe im Wert von 525 Milliarden Euro einführte. Quelle: dpa

In der Rede vor dem New Yorker Wirtschaftsclub lieferte sie eine Vorschau auf die Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank, zu der die Finanzminister und Notenbankchefs aus den 188 Mitgliedsstaaten erwartet werden. Wie in den Vorjahren wird die Eurokrise ein Hauptthema sein. Lagarde bekräftigte ihre Forderung nach einer gemeinsamen Finanzpolitik in der Eurozone. „Darüber hinaus benötigt sie eine echte Bankenunion, um das Fundament der Währungsunion zu stärken.“

Auch global müsse das Bankensystem grenzüberschreitend stärker reguliert werden. Viele Gefahren aus der Zeit vor der Finanzkrise bestünden weiterhin. Viele Institute seien noch immer so groß, dass ihr Scheitern die Weltwirtschaft gefährden könnte.

Und auch der Handel mit undurchschaubaren, risikoreichen Wertpapieren sei nicht genügend eingeschränkt worden, sagte Lagarde. Zudem warnte sie vor einer Überhitzung der Kreditmärkte durch die lockere Geldpolitik vieler Zentralbanken.

Ausland



Der globale Konjunkturausblick sei aber insgesamt besser als in den Vorjahren. „Die Wirtschaftswelt sieht nicht mehr ganz so gefährlich aus wie vor sechs Monaten. Wir erwarten aber nicht, dass das Wachstum in diesem Jahr viel größer ist als im vorherigen“, sagte sie.

Neben der Eurokrise bereite der Welt auch die Schuldensituation in den USA weiter großes Unbehagen. Die Amerikaner hätten bislang keinen glaubwürdigen Plan präsentiert, wie sie ihr Defizit in den Griff bekommen können, ohne der Konjunktur zu schaden.

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