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IWF-Chefposten Pyrrhussieg für Europa

Die Ernennung von Christine Lagarde zur neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ein Schlag ins Gesicht der Schwellenländer - und ein Pyrrhussieg für Europa.

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Nach langem hin und her und diplomatischem Tauziehen haben die Europäer es geschafft, ihre Wunschkandidatin, die französische Finanzministerin Christine Lagarde, auf den Chefposten des IWF zu hieven. Ihr Gegenkandidat, der von den Schwellenländern unterstützte mexikanische Zentralbankchef Augustin Carstens, war von vornherein ein reiner Zählkandidat. Zwar sprachen sich zuletzt Australien und Kanada für Carstens aus. Doch nachdem die USA Lagarde ihre Unterstützung zugesagt hatten, war der Fall klar.

Ungeschriebene Regeln

Europa und die USA haben damit die ungeschriebene Regel verteidigt, nach der der Chefposten beim IWF mit einem Europäer, derjenige bei der Weltbank mit einem Amerikaner besetzt wird. Das aber passt nicht mehr in eine Zeit, in der der Einfluss Europas und Amerikas in der Weltwirtschaft drastisch schwindet und die Bedeutung der Schwellenländer wächst.

Diese dürften es daher als einen Schlag ins Gesicht empfinden, dass Europa und die USA die internationalen Finanzorganisationen - trotz aller Beteuerungen zu stärkeren Berücksichtigung der Interessen der Schwellenländer  - weiterhin als ihre Erbhöfe betrachten.

Europa will Einfluss bewahren

Dabei wissen die Europäer und die Amerikaner, dass der Status Quo  mittelfristig nicht zu halten ist. Doch jetzt, mitten in der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone, will Europa die Zügel beim IWF nicht aus der Hand geben.

Um die Schwellenländern zu beruhigen, hat Lagarde zwar betont, sie werde als IWF-Chefin nicht die Interessen einer bestimmten Region, sondern die aller Mitgliedstaaten vertreten und die Gelder des Fonds vorsichtig einsetzen. Doch darf bezweifelt werden, dass sie ein europäisches Krisenland im Regen stehen lässt, wenn diesem der Staatsbankrott droht und die Existenz der europäischen Währungsunion auf dem Spiel steht.

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