IWF Russische Wirtschaft dürfte 2016 wieder leicht wachsen

Die wirtschaftliche Erholung Russlands steht auf einem wackligen Fundament. Vor allem neue Spannungen im Ukraine-Konflikt könnten Moskau einen Strich durch die Rechnung machen.

Wo deutsche Unternehmen in Russland aktiv sind
E.On-Fahnen Quelle: REUTERS
Dimitri Medwedew und Peter Löscher Quelle: dpa
Dem Autobauer bröckelt in Russland die Nachfrage weg. Noch geht es ihm besser als der Konkurrenz. Martin Winterkorn hat einige Klimmzüge machen müssen - aber theoretisch ist das Ziel erreicht: Volkswagen könnte in Russland 300.000 Autos lokal fertigen lassen. Den Großteil stellen die Wolfsburger in ihrem eigenen Werk her, das 170 Kilometer südwestlich von Moskau in Kaluga liegt. Vor gut einem Jahr startete zudem die Lohnfertigung in Nischni Nowgorod östlich Moskau, wo der einstige Wolga-Hersteller GAZ dem deutschen Autoriesen als Lohnfertiger zu Diensten steht. Somit erfüllt Volkswagen alle Forderungen der russischen Regierung: Die zwingt den Autobauer per Dekret dazu, im Inland Kapazitäten aufzubauen und einen Großteil der Zulieferteile aus russischen Werken zu beziehen. Andernfalls könnten die Behörden Zollvorteile auf jene teuren Teile streichen, die weiterhin importiert werden. Der Kreml will damit ausländische Hersteller zur Wertschöpfung vor Ort zwingen und nimmt sich so China zum Vorbild, das mit dieser Politik schon in den Achtzigerjahren begonnen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Die Nachfrage in Russland bricht gerade weg - nicht im Traum kann Volkswagen die opulenten Kapazitäten auslasten. 2013 gingen die Verkäufe der Marke VW um etwa fünf Prozent auf 156.000 Fahrzeuge zurück. Wobei die Konkurrenz stärker im Minus war. Hinzu kommt jetzt die Sorge um die Entwicklungen auf der Krim. VW-Chef Martin Winterkorn sagte der WirtschaftsWoche: "Als großer Handelspartner blicekn wir mit Sorge in die Ukraine und nach Russland." Er verwies dabei nicht nur auf das VW-Werk in Kaluga, sondern auch auf die Nutzfahrzeugtochter MAN, die in St. Petersburg derzeit ein eigenes Werk hochfährt. Der Lkw-Markt ist von der Rezession betroffen, da die Baukonjunktur schwächelt. Quelle: dpa

Die russische Wirtschaftsleistung wird dieses Jahr um 3,4 Prozent schrumpfen, wie der IWF in einem am Montag veröffentlichten Länderbericht voraussagt. Im kommenden Jahr dürfte es aber zu einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent reichen. Hauptgründe für die Rezession seien der Rückgang des Ölpreises und die Sanktionen des Westens, eine Reaktion auf die russische Politik im Ukraine-Konflikt. "Eine Zunahme der geopolitischen Risiken stellt das größte Risiko für den Ausblick dar", warnte der Fonds. Auf mittlere Sicht hält er wieder ein Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr für machbar. Dringend nötig seien aber Reformen.

Die Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf deutsche Branchen

Die IWF-Prognose basiert auf der Annahme, dass es zu keinen weiteren externen Schocks für die russische Wirtschaft kommt. Die westlichen Sanktionen und die von Moskau verhängten Gegenmaßnahmen dürften kurzfristig die russische Wirtschaftsleistung um ein bis 1,5 Prozentpunkte drücken. Dauern sie länger an, könnte die Konjunktur auf mittlere Sicht sogar um neun Prozent geringer ausfallen als ohne diesen Effekt.

Russland als großer Rohstoff-Exporteur muss sich aus IWF-Sicht auf einen niedrigeren Ölpreis einstellen. Zudem seien Strukturreformen nötig, um mehr Wettbewerb auf den heimischen Märkten zu ermöglichen sowie für mehr Transparenz und Effizienz bei Investitionsvorhaben des Staates zu sorgen.

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Die Russland-Schwäche und die Folgen der Sanktionen treffen auch die hiesigen Unternehmen. In den ersten fünf Monaten sackten die Ausfuhren nach Russland nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft um gut ein Drittel ab. Dennoch gibt immer noch deutsche Firmen in dem Land, die trotz der schwierigen Bedingungen Umsatzzuwächse erzielen.

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