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IWF- und Weltbank-Tagung Devisenstreit und Währungschaos

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Japan hatte im September fast 40 Milliarden Dollar gekauft, nachdem der Yen auf ein 15-Jahres-Hoch zur US-Währung gestiegen war. Der hohe Yen-Kurs belastet Japans Exportwirtschaft. Außerdem hatte Brasilien versucht, die heimische Währung Real zu drücken. Dazu hat das rasch wachsende Schwellenland den Steuersatz für ausländische Kapitalzuflüsse verdoppelt. Zoellick sprach sich zwar auch für eine Aufwertung der chinesischen Währung aus. Dies werde aber nicht alle Probleme lösen, machte der Weltbank-Chef deutlich.

Streitthemen gibt es auch sonst reichlich. Bei der seit Jahren diskutierten Reform des IWF dürfte es auch in Washington noch keinen Durchbruch geben. Bis Jahresende müssen die Machtverhältnisse bei der internationalen Krisen-Feuerwehr endlich geregelt sein. Noch ziehen Europäer, die USA und aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China, Indien und Brasilien in verschiedene Richtungen. Vor allem Schwellenländer sollen mehr Einfluss bekommen - entsprechend ihres größeres Gewichts in der Weltwirtschaft. Deutschland ist zu Zugeständnissen bereit und würde sich sogar von Quotenanteilen trennen, sollten auch andere „überrepräsentierte“ Länder mitziehen. Die Quoten entscheiden nicht nur über Einfluss und Stimmrechte beim IWF, sondern auch über den Umfang möglicher Kredite und Zahlungsverpflichtungen. Deutschland ist mit einer Quote von rund 6,1 Prozent im IWF inzwischen zu stark vertreten. Boomländer wie die Exportmacht China dagegen sind beim IWF weit unterrepräsentiert.

Top-Posten und Regulierung

Hoch hergehen dürfte es auf der IWF-Tagung auch bei der Besetzung von Top-Posten. Die USA wollen das Exekutivdirektorium des IWF von 24 auf 20 verkleinern – zu Lasten der Europäer. Die EU hat angeboten, auf zwei ihrer derzeit neun Sitze in dem Gremium zu verzichten, wenn andere Länder sich ebenfalls kompromissbereit zeigen. Die Europäer hatten zudem einen Verzicht auf die bisherige Machtteilung zwischen Europäern und Amerikanern ins Spiel gebracht. Dies betrifft die Regel, nach der der Chef des IWF aus Europa und der Weltbank-Chef aus den USA kommt. Das Gerangel um die Neuverteilung der Macht zerrt an den Nerven der Akteure.

Die Dauerbrenner Finanzmarktregulierung, ein Frühwarnsystem, eine wirksamere Krisenbekämpfung und die enorme Staatsverschuldung in Folge der Krise stehen ebenfalls in Washington auf der Tagesordnung. Auch die lauten Mahnungen des IWF, die globalen Wirtschafts- Ungleichgewichte zwischen Überschussländern wie China und Defizitstaaten wie den USA endlich anzugehen, dürften nicht ungehört verhallen. „Das ist eine dringende Angelegenheit, um die man sich kümmern muss“, meint IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.

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