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Japan Kampf der Krise durch mehr Kaufkraft

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Alle LDP-Regierungen der vergangenen 55 Jahre, sagt Koll, „haben den Unternehmen Priorität eingeräumt, die neue Regierung dagegen will Haushalte und Individuen direkt unterstützen, den Binnenkonsum in den Mittelpunkt rücken“. Das hat weniger mit Ideologie als mit einem aktuellen Übel der japanischen Wirtschaft zu tun: Als es dem Land noch gut ging, machte der private Verbrauch mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus – heute ist es kaum noch die Hälfte. Entsprechend ist der Exportanteil steil angestiegen. Das sei „die wahre japanische Krise“, meint Ökonom Koll.

Noch mehr Staatsverschuldung?

Eine schnelle Wende könnte nur über Umverteilung vollzogen werden oder – was wahrscheinlicher ist – über noch größere Verschuldung als bisher schon. In jedem Fall müssten die Familien mehr Geld in der Haushaltskasse behalten. Und genau das hat Priorität für Hatoyama: Er verspricht staatliche Geldgeschenke für Eltern un d Rentner, für Bauern und Fischer, für Arbeitslose und für Autofahrer – insgesamt wird das den heute schon immens verschuldeten japanischen Staat in den kommenden drei Jahren umgerechnet 125 Milliarden Euro kosten.

Manche japanischen Volkswirte finden das gut, zur Bekämpfung der Krise wie der sozialen Ungleichheit, die in Japan heute deutlicher ist als in westeuropäischen Ländern und sich amerikanischen Verhältnissen angenähert hat: „Eine Robin-Hood-Ökonomie ist präzise das, was in dieser Situation wachsender sozialer Ungleichheit gebraucht wird“, sagt Noriko Hama, Professorin an der Doshisha Business School in Kyoto.

Sorge vor Entzug der staatlichen Unterstützung

In vielen Vorstandsetagen hört man das mit Schrecken. Bridgestone-Erbe Hatoyama gibt sich zwar nicht unternehmensfeindlich, kritisiert aber die bisher übliche „Politik des Kotaus“ gegenüber den Konzernen. Weshalb japanische Unternehmer keine Abkehr von der Marktwirtschaft fürchten, sondern das Ende bisheriger Subventionen. „Angeschlagene Unternehmen wie die Fluggesellschaft Japan Airlines oder der Elektronikhersteller Pioneer zittern, ob sie weiterhin staatliche Unterstützung erhalten“, schreibt „Nikkei“, die führende Wirtschaftszeitung.

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