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Japan Kampf der Krise durch mehr Kaufkraft

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Die neue Regierungspartei will erklärtermaßen nicht mehr nur die Großindustrie fördern, sondern vor allem den Mittelstand. Das weckt Hoffnungen auf mögliche neue japanisch-deutsche Kooperationen bei deutschen Managern in Tokio. „Gelingt es der Regierung, den privaten Konsum nachhaltig anzuregen, wäre das zudem ein Plus für die Weltwirtschaft, da Japan noch immer ein sehr großer Absatzmarkt ist“, sagt Günter Zorn, Präsident der deutschen Außenhandelskammer.

Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu-Institut in Tokio, teilt diesen Optimismus: „Die DPJ tritt für eine Internationalisierung ein, die Japan für ausländische Anbieter attraktiver macht.“ Schulz erwartet das Ende von Monopolen und die Öffnung abgeschotteter Bereiche wie Gesundheit und Pharma.

Katastrophale Kassenlage

Fragt sich nur, wie die neue Regierung ihre Ziele finanzieren will. Hatoyama redet von „geheimen Schätzen“ in der Staatskasse. Konkret will er umstrittene oder gar sinnlose öffentliche Vorhaben aufgeben. Das würde freilich sein Ziel gefährden, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Massenkaufkraft zu stärken. Haushaltsdisziplin in Japan geht wahrscheinlich nur auf Kosten der Bauindustrie und damit vieler Arbeitsplätze.

Die Alternative wäre, Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. Der Finanzexperte Junko Nishioka von RBS Securities erwartet, dass unter Hatoyama Japan die letzten Reste von Haushaltsdisziplin aufgibt. „Ich fürchte, dass verstärkt Staatsanleihen auf den Markt gebracht werden“, sagt auch Shinsuke Kanabu vom Handelshaus Central Tanshi, überdies könne der Druck auf die Zentralbank wachsen, „einfach die Notenpresse anzuwerfen“. Dabei ist die Kassenlage heute schon katastrophal: Die öffentliche Hand ist derzeit mit mehr als 190 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes verschuldet – Weltrekord unter den Industriestaaten.

Robin Hood- Ideale statt Realitäten

Was Kritiker dazu führt, Hatoyama und seinen Freunden weltfremde „sozialistische Fantasien“ vorzuwerfen. Ihre Politik beruhe eben im Kern „auf Robin-Hood-Idealen, nicht auf Realitäten“, moniert Richard Jerram, Chefvolkswirt von Macquarie Securities in Tokio. Es werde sich rächen, dass die DPJ zuweilen wider besseres Wissen und ohne klares Finanzierungskonzept verspreche, in Japan eine soziale Kuschelecke einzurichten. Hatoyama werde schnell lernen müssen, dass kein Industriestaat im Wettbewerb mit den großen Schwellenländern ohne aggressive Marktwirtschaft im Inneren seinen Wohlstand halten könne.

Und China liegt vor Japans Haustür.

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