Jeb Bush Ganz der Vater

Jeb Bush will US-Präsident werden. Der möglicherweise dritte Bush im Weißen Haus setzt auf das Erbe seines Vaters. Begeisterung löste er in Berlin dennoch nicht aus.

Familienbild: George H.W. Bush (links) und seine Söhne George W. und Jeb Bush. Quelle: dpa

Wenn US-Präsidentschaftskandidaten nach Europa reisen – einen Kontinent, den sie sonst gerne verspotten, schließlich gelten ihnen Europäer im Zweifel als sozialistisch, in jedem Fall aber als veraltetet -, tun sie dies nicht, um dort zu gefallen. Sie schauen darauf, wie die Bilder daheim ankommen. 

Das gilt natürlich auch für Jeb Bush, der am Montag seine Präsidentschaftskandidatur offiziell verkündete. Ihm ging es auf seiner fünftägigen Reise nach Berlin, Warschau und Tallinn aber um mehr: er wollte amerikanischen Skeptikern signalisieren, dass sogar in Deutschland, das seinen Bruder so ablehnte und ihm den Irakkrieg bis heute nicht verziehen hat, ein anderer Bush durchaus willkommen ist – und sogar von zwei Ministern der Regierung Merkel empfangen wurde, von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). So kann Bush als Staatsmann zugleich gegen parteiinterne Rivalen punkten, die im Zweifel die USA noch nie länger verlassen haben und Berlin auf der Landkarte kaum finden würden.

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Auftritte ohne politischen Sex-Appeal

Dennoch ist natürlich auch ein Fazit aus deutscher Sicht interessant, und eins steht fest: Den Vorwurf, zu viel politischen Sex-Appeal entfaltet zu haben, den sich Demokrat Barack Obama 2008 mit seinem Auftritt vor der Siegessäule und 200.000 Menschen einhandelte – sein Rivale John McCain reagierte prompt mit einem Werbespot, der Obama mit Britney Spears verglich – wird Jeb gewiss nicht treffen. Ehrlich gesagt, eher das Gegenteil: Die hölzernen Auftritte des sichtlich verschlankten Bush erinnerten deutsche politische Beobachter an den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, dem noch niemand unbändiges Charisma nachgesagt hat. Andere merkten spitz an, Bruder George W. sei vielleicht umstrittener, aber auch unterhaltsamer gewesen.

Diesen Bruder erwähnte Bush bei seiner Rede vor dem CDU-Wirtschaftsrat mit keinem Wort. Stattdessen verwies er überschwänglich auf seinen Vater, der in Deutschland ob seiner Verdienste um die Wiedervereinigung wohl gelitten bleibt – und mittlerweile im Vergleich zu seinem Cowboy-Sohn George W. als der große Pragmatiker gilt. In der ersten Reihe der Zuhörer saß in Berlin Robert Zoellick, Ex-Weltbankchef, der einst für Vater Bush die deutsche Einheit mitverhandelte und nun Jeb berät. 

Das Duell der Dynastien
Eine schrecklich mächtige Familie: Der versammelte Bush-Clan beim 90. Geburtstag des ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush (Mitte). Bush Senior war von 1989 bis 1993 der 41. Präsident der USA. Er ist nicht der einzige US-Präsident a. D. auf dem Bild... Quelle: AP
Der Knurrer aus Texas: Der damalige US-Präsident George W. Bush 2006 in Washington. Die Amtszeit von George W. zwischen 2001 bis 2009 als 43. Präsident der Vereinigten Staaten wird in den USA kritisch gesehen. Der Irakkrieg wird sein größter Fehler bleiben. In letzter Zeit ist er eher durch impressionistische Malerei aufgefallen. Bald könnte er jedoch zum Königsmacher werden... Quelle: AP
Der ehemalige US-Gouverneur Jeb Bush auf Stippvisite in Berlin: Nach Ansicht von Experten könnte der Bruder des 43. US-Präsidenten (George W. Bush) und Sohn des 41. US-Präsidenten (George H. W. Bush) bald seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben. Damit würde er ein Duell der Dynastien bei der Wahl zum 45. US-Präsidenten befeuern... Quelle: AP
Jeb Bush würde dann womöglich gegen Hillary Rodham Clinton antreten, die für die Demokraten bereits auf Stimmenfang. Die ehemalige First Lady hat sich bereits als Außenministerin ihre politischen Tantiemen verdient. Als Nachfolgerin Obamas würde sie eine weitere US-Polit-Dynastie aus der Taufe heben: Möglicherweise wiederholt sich bald die Geschichte. In den USA könnte es zu einem weiteren Duell der Dynastien Bush und Clinton kommen. Zuletzt setzten sich die Clintons durch. Quelle: AP
Der US-Präsident a. D. und bald First Husband? Dann heißt es Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie. Die Präsidentschaftswahl am 3. November 1992 entschied Bill Clinton mit 43 Prozent für sich. Der amtierende Präsidenten George H. W. Bush konnte lediglich 38 Prozent der Stimmen ergattern. Clinton-Clan gegen Bush-Dynastie Quelle: AP
Die Kennedy-Brüder John Fitzgerald Kennedy (JFK), Robert Kennedy und Edward Kennedy (v.l.) 1963: Der Kennedy-Clan ist ein ganz besonderes Beispiel für eine US-Polit-Dynastie. Eine Vielzahl von ungewöhnlichen Schicksalsschlägen traf die Familie und ihren Umkreis. Edward starb als einziger der Brüder eines natürlichen Todes. JFK kam indes unter mysteriösen Umständen um... Quelle: AP
Am 22. November 1963 wurde JFK auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza in Dallas, Texas mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Er wurde in Polizeigewahrsam erschossen. Quelle: REUTERS

Ein Amerikaner mit dem man ins Geschäft kommen kann

Zoellick hatte ihm offenbar auch aufgeschrieben, was die Deutschen hören wollten, etwa Lob für nachhaltige Finanzpolitik und die „Schwarze Null“. Kein Wunder, dass Finanzminister Schäuble nach seinem Gespräch mit Bush wohlwollend verkünden ließ, es gebe ein „hohes Maß an Übereinstimmung“. Die Deutschen werden auch registriert haben, dass Bush statt nach London zum engsten Verbündeten Großbritannien erst nach Berlin kam. Sie werten dies als weiteres Zeichen der neuen amerikanischen Wertschätzung Deutschlands als wichtigster politischer Macht in Europa.

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Vom Sozialdemokraten Steinmeier war freilich ähnlich Überschwängliches nicht zu hören, Parteichef Gabriel empfing Bush ohnehin nicht. Andere SPD-Vertreter grummelten, der Bahnhof für den Republikaner sei ein bisschen viel gewesen. Schließlich mag dieser Bush sich moderat geben, vom außenpolitischen Erbe seines Bruders hat er sich nur halbherzig distanziert. Und bei seinen Auftritten in Warschau und Tallinn lobte er Europa, aber er heizte auch mit markigen Worten die Auseinandersetzung mit Russland im Ukraine-Konflikt neu an. "Wir sind hier an der Frontlinie im Kampf um die Freiheit", sagte Bush. Dass er über die NSA nur einen – obendrein – missglückten Witz riss, symbolisiert den schwierigen Dialog zu diesem heiklen Punkt in der transatlantischen Beziehung.

Allerdings haben sich ja auch viele Erwartungen an Obama nicht erfüllt, die Enttäuschung über ihn reicht bis in die höchsten Spitzen der deutschen Politik. Daher herrscht in Berliner Regierungskreisen eher pragmatische Ernüchterung vor. Bush sei wenigstens ein Amerikaner, sagte ein Christdemokrat, we can do business with. Einer also, mit dem man ins Geschäft kommen kann.

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