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Jim Yong Kim Der Neue von der Weltbank

US-Präsident Obama schickt erstmals einen Mediziner an die Spitze der weltweit mächtigsten Entwicklungsbank. Die überraschende Auswahl ist ein Signal. Die Organisation soll ihre Rolle neu definieren.

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Will unorthodoxe Fragen stellen: Jim Yong Kim

Mit Jim Yong Kim zieht frischer Wind bei der Weltbank ein. Der in Südkorea geborene Amerikaner ist Arzt und Anthropologe. Seine Vorgänger waren mächtige Wall-Street-Größen, Bank-Chefs oder hochkarätige Politiker, bevor sie den Top-Posten bei der Entwicklungshilfebank antraten. Er freue sich darauf, unorthodoxe Fragen zu stellen, sagte der 52-Jährige. Das allein wird aber nicht reichen. Denn die Mission der weltweit agierenden Entwicklungsbank ist so umstritten wie nie zuvor. Es geht um Geld, Macht und Einfluss. Die Hegemonie der Amerikaner und Europäer in der Organisation hat sich überlebt. Entwicklungs- und Schwellenländer fordern zu Recht mehr Mitsprache, wohin und wofür die Milliardenkredite fließen. Den Gesundheitsexperten, der zunächst in der Medizinforschung tätig war, dann bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Kampf gegen Aids leitete und zuletzt der amerikanischen Elite-Universität Dartmouth vorstand, erwarten komplexe Aufgaben, wenn er am 1. Juli sein Amt in Washington antritt.

Seine Vorbilder: Lernen von Reformern
Philosophie und Politik wollte Kim als junger Mann studieren. Seine Mutter, Konfuzius-Anhängerin und studierte Philosophin, hatte ihn schon früh mit außergewöhnlichen Denkern vertraut gemacht. Sie las ihrem Sohn Reden des Bürgerrechtlers Martin Luther King vor und gab ihm Bücher von Booker T. Washington zu lesen. Geboren 1856 als Sklave auf einer Plantage in den Südstaaten, war Washington ein bekannter amerikanischer Pädagoge, Sozialreformer, Autor und Kämpfer für mehr Rechte der Schwarzen, der die Teilnahme an gemeinnützigen Tätigkeiten als Charakterbildung und Selbstfindung verstand. Er habe Verantwortung für die Welt, trichterte ihm seine Mutter ein, berichtet Kim. So sehr ihn Bürgerrechtler wie King oder Washington imponierten, letztlich korrigierte der Vater den Studienwunsch des Sohnes. Der Zahnarzt bestand darauf, dass sein Sohn etwas Richtiges lernt, wenn er es als Koreaner in der amerikanischen Gesellschaft zu etwas bringen wolle. So wurde er Mediziner.

Freunde & Gegner: Politisches Geschäft
Als US-Präsident Barack Obama im März Kim als neuen Weltbank-Chef aus dem Hut zauberte, war die Überraschung groß – und bei vielen auch der Ärger. Dass schon wieder ein Amerikaner an der Spitze der Organisation stehen sollte, stieß bei Entwicklungs- und Schwellenländern auf Kritik. Wie könne Obama die hochkarätige Harvard-Ökonomin und derzeitige Finanzministerin Nigerias, Ngozi Okonjo-Iweala ignorieren, kritisierte der weltweit hoch geschätzte Handelsexperte Jagdish Bhagwati. Dass die Entwicklungsländer erstmals einen Gegenkandidaten benannten, gleiche einer Revolution, heißt es in der Organisation. Kim sei mit keinem seiner Vorgänger zu vergleichen, lobt dagegen Mark Weisbrot vom Thinktank Center for Economic and Policy Research. Als Mediziner und Gesundheitsexperte bringe er neue Erfahrungen in die Weltbank ein.

Jim Yong Kims Vorlieben, Stärken, Schwächen, Ziele und Visionen

 

Cooler Boss Kim als Rapper

Vorlieben: Starker Teamplayer

Eine gute Kondition, viel Geduld und Ausdauer wird der Mediziner nötig haben, will er die oft weit auseinanderlaufenden Ansprüche, Wünsche und Interessen der Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer innerhalb der Weltbank in Einklang bringen. Ein starker Teamplayer ist er – das hilft. Als Junge träumte er davon, Basketballprofi zu werden. Immerhin schaffte er es zum Mannschaftskapitän seiner Highschool – sowohl im Basketball- wie auch im Football-Team. Auch heute ist der Sohn südkoreanischer Flüchtlinge – er kam mit fünf Jahren nach Amerika – eine Sportskanone, er spielt Tennis und Golf. Auch als Rapper macht der Vater von zwei Söhnen eine gute Figur. Auf einer Feier des Dartmouth College, das er seit 2009 leitet, tanzte und sang Kim zu "The Time of My Life".

Stärken & Schwächen: Kompromissbereit
Freunde bescheinigen Kim einen unbedingten Willen zur Veränderung und eine große Kompromissbereitschaft. Kim spricht Englisch, Spanisch und Koreanisch. Seine Gesundheitsprogramme für Haiti und Peru nahmen andere Länder zum Vorbild. Als erster Amerikaner mit asiatischen Wurzeln wurde er Chef einer amerikanischen Eliteuniversität – dem Dartmouth College. Kim sanierte die Finanzen der Universität und scheute sich nicht, erheblich Personal abzubauen. US-Finanzminister Timothy Geitner nannte ihn deswegen "einen der großen Söhne von Dartmouth". Was ihm fehlt, ist Wirtschafts- und Finanzwissen. Zwar verwies Kim auf die vielen hochrangigen Ökonomen bei der Weltbank, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stünden. Doch als Erstes muss er sich einen neuen Finanzchef suchen. Den Italiener Vincenzo La Via, seit 2005 Finanzchef der Weltbank, hat die italienische Regierung im März zurück nach Rom ins Finanzministerium beordert.

Ziele & Visionen: Mut zur Veränderung
Von sich selbst sagt Kim, er habe keine Angst, existierende Gewohnheiten zu durchbrechen. Da hat er bei der Weltbank viel zu tun – nicht nur, weil die Entscheidungen über die Ausrichtung der Bank maßgeblich in den Regierungen der Mitgliedsländer fallen. Fast 70 Jahre nach der Gründung der Bank wird Kim in Washington auf reichlich verkrustete Strukturen stoßen. Eine Riesenbaustelle nannte ein hochrangiger Mitarbeiter die Weltbank. Die einzelnen Säulen müssten enger verzahnt werden, um die Entwicklungshilfeorganisation neu auszurichten. Klar sei, so der neue Chef, dass die Weltbank künftig nicht nur Kredite vergeben könne. Eine vordringliche Aufgabe sei auch, damit neue Jobs zu schaffen.

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