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Kampf gegen IS in Syrien und Irak Frühjahrsoffensive soll IS aus Mossul vertreiben

Die zweitgrößte irakische Stadt Mossul soll schon im Frühjahr aus den Klauen der IS-Miliz befreit sein. Das kündigte die US-Armee in einem Schlachtplan an – und setzt dabei auf irakische und kurdische Truppen.

Kurdische und syrische Kämpfer in Kobane: Im Frühjahr soll Mossul angegriffen werden Quelle: AP

Im Frühjahr soll laut dem US-Militär eine Offensive auf die von der Terrormiliz Islamischer Staat gehaltene Stadt Mossul beginnen. An der für April oder Mai geplanten Operation würden zwölf irakische Brigaden und damit zwischen 20.000 und 25.000 Soldaten beteiligt sein, erklärte ein Vertreter des Zentralkommandos in Tampa mit. Ziel sei der Rückeroberung der zweitgrößten Stadt im Irak.

Fünf der Brigaden sollen demnach schon bald vor Ort für die Mission geschult werden. Deren Ausbildung übernimmt das US-geführte Bündnis gegen die IS-Miliz. Die fünf Einheiten sollen die Kerntruppe bilden, die die Attacken auf die Dschihadisten ausführen sollen. Ihnen würden drei weitere kleinere Brigaden als Reservetruppen zur Seite gestellt. Hinzu kommen drei Einheiten kurdischer Peschmerga-Kämpfer, die die IS-Extremisten vom Norden und Westen aus einkesseln sollen.

Die Front gegen den IS
USADie mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien (im Bild). Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen. Quelle: AP
Arabische StaatenSaudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt. Im Bild: Der Außenminister von Saudi Arabien, Saud al-Faisal. Quelle: dpa
TürkeiDie türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Im Bild ist ein türkische Helfer zu sehen, der Nahrung an die Flüchtlinge verteilt, Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt. Quelle: REUTERS
FrankreichAls erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden. Quelle: REUTERS
GroßbritannienWashingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe. Im Bild: Ein Jet der britischen Royal Air Force kehrt von einem Einsatz im Irak zurück. Quelle: AP
DänemarkAls einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden. Im Bild: Premierministerin Helle Thorning-Schmidt. Quelle: AP
BelgienFür Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 (im Bild) zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt. Quelle: REUTERS

Darüber hinaus soll eine Kampftruppe für Mossul zum Einsatz kommen, die überwiegend aus früheren Polizisten und Stammesangehörigen der Stadt besteht. Diese soll sich dafür bereithalten, nach Mossul zurückzukehren, sobald die Brigaden die IS-Kämpfer herausgedrängt hätten, hieß es. In die Kampftruppe selbst soll zudem eine irakische Anti-Terror-Einheit integriert werden, die von US-Spezialtruppen trainiert worden ist.

Mossul ist wegen des Öls strategisch wichtig

Jeder Brigade gehören den Angaben zufolge knapp 2.000 Mann an. Die USA würden militärische Hilfe in Form von Training, Luftunterstützung, Geheimdienstinformationen und Überwachung leisten, hieß es. Ob auch einige US-Bodensoldaten entsendet würden, die vor Ort Luftangriffe anfordern sollen, sei noch nicht entschieden, sagte der Gewährsmann weiter.

Die IS-Miliz nahm Mossul im vergangenen Juni bei ihrem Vormarsch durch Irak und Syrien ein, örtliche Sicherheitskräfte flüchteten in Scharen aus der Stadt. Schätzungen von US-Beamten zufolge halten sich dort aktuell zwischen 1.000 und 2.000 IS-Extremisten auf.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Mossul ist nicht zuletzt wegen seiner Ölraffinerien von strategischer Bedeutung. Die US-Militärführung hatte seit geraumer Zeit über eine Rückeroberung der Stadt beraten, jedoch erklärt, dass es erst eine Operation geben werde, wenn die irakischen Truppen bereit seien.

Nun ist es offenbar bald soweit. Geplant sei, Mossul noch im Frühling zurückzuerobern, bevor die Sommerhitze und der Fastenmonat Ramadan einsetzten, sagte der US-Militärvertreter. Die Operation könne sich aber auch verzögern, wenn die Truppen noch nicht bereit oder die Bedingungen nicht gegeben seien, schränkte er ein.

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