Kampf gegen IS Syrisches Militär wehrt Offensive auf Palmyra ab

Die Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat auf die syrische Stadt Palmyra mit ihren weltberühmten Bauwerken aus der Antike scheint gestoppt. Viele Angaben über die Kämpfe lassen sich jedoch nicht überprüfen.

Ruinen Palmyra Quelle: dpa

Syrische Truppen haben Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat in der antiken Oasenstadt Palmyra offenbar zurückgeschlagen. Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barasi, sagte der Nachrichtenagentur AP am Sonntag, Regierungssoldaten hätten die Situation nach dem Eindringen der IS-Kämpfer vom Vortag wieder vollständig im Griff. Aktivisten der syrischen Opposition bestätigten, der IS habe sich aus einem Regierungsgebäude im Norden der Stadt zurückgezogen.

Barasi sagte, die Soldaten hätten zwei Anhöhen zurückerobert. Die Stadt und die Straße nach Homs seien sicher. Zudem seien Verstärkungen geschickt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee habe dem IS schwere Verluste in den von ihm besetzen Dörfern Suchne und Arak nordöstlich von Palmyra zugefügt.

Die Front gegen den IS
USADie mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien (im Bild). Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen. Quelle: AP
Arabische StaatenSaudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt. Im Bild: Der Außenminister von Saudi Arabien, Saud al-Faisal. Quelle: dpa
TürkeiDie türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Im Bild ist ein türkische Helfer zu sehen, der Nahrung an die Flüchtlinge verteilt, Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt. Quelle: REUTERS
FrankreichAls erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden. Quelle: REUTERS
GroßbritannienWashingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe. Im Bild: Ein Jet der britischen Royal Air Force kehrt von einem Einsatz im Irak zurück. Quelle: AP
DänemarkAls einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden. Im Bild: Premierministerin Helle Thorning-Schmidt. Quelle: AP
BelgienFür Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 (im Bild) zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt. Quelle: REUTERS
NiederlandeDen Haag beteiligt sich mit sechs F-16 an dem Kampf. Zudem wurden rund 250 Soldaten nach Jordanien entsandt. Zusätzlich sollen 130 Militärausbilder irakische und kurdische Truppen ausbilden. Quelle: dpa
Australien Australiens Luftwaffe beteiligt sich im Irak am Kampf gegen den IS. Dafür werden 600 Soldaten abgestellt. Die Basis ist Dubai. Quelle: AP
KanadaKanada will sich an Luftangriffen gegen den IS im Irak beteiligen. Das Parlament erteilte der Regierung dafür ein Mandat. Quelle: AP
DeutschlandDie Regierung schließt eine direkte Kriegsbeteiligung aus und beschränkt sich auf die Unterstützung der irakischen IS-Gegner. Dazu werden Infanteriewaffen wie Gewehre, panzerbrechende Waffen und andere Ausrüstungsgüter geliefert. Zudem werden irakisch-kurdische Kämpfer im Umgang mit Waffen und mit Minenräumgerät ausgebildet. Quelle: REUTERS
Teile von Ost- und SüdeuropaLänder wie Italien, Spanien, Griechenland, Bulgarien, Tschechien, die Slowakei, Portugal, Polen, oder Norwegen liefern Waffen, bilden Kämpfer gegen den IS aus oder leisten humanitäre Hilfe. Zypern stellt eine Basis für Luftangriffe zur Verfügung. Quelle: dpa
IsraelOb sich der jüdische Staat am Kampf gegen den IS beteiligt, ist unklar. Ein hochrangiges Mitglied der Armee sagte, der jüdische Staat leite Geheimdiensterkenntnisse über den IS an die USA weiter. Quelle: AP
IranDer Iran ist zwar nicht Teil der Anti-IS-Koalition, aber eines der ersten Länder, die den Irak und die Kurden mit Waffen beliefert haben. Laut Teheran wäre ohne diese frühe Hilfe schon der ganze Irak von der IS erobert worden. Anders als die Türkei und Saudi Arabien steht der Iran aber hinter Syriens Präsidenten Baschar al-Assad. Quelle: AP

Der IS hatte seine Offensive auf Palmyra am Donnerstag begonnen und war am Samstag in die Stadt eingedrungen. Die im Südwesten gelegenen Ruinen, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören und aus der Römerzeit stammen, erreichte die Terrormiliz aber nicht.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, während der Kämpfe um Palmyra und Suchne seien in den vergangenen fünf Tagen mindestens 295 Menschen getötet worden. Unter ihnen seien mindestens 123 Soldaten und mit der Armee verbündete Milizionäre, 115 IS-Kämpfer sowie 57 Zivilisten. Diese Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Beobachter befürchteten, dass die Extremisten nach der Zerstörung historischer Stätten im Irak auch Palmyra verwüsten würden. Vor Beginn des Bürgerkriegs in Syrien waren Tausende Touristen in die Stadt gereist, um die Säulengänge aus der Zeit der Römer zu bewundern. Die Eroberung der Stadt durch den IS wäre wegen der Straße nach Homs und weiter nach Damaskus zudem von strategischer Bedeutung.

Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich nicht nur Regierung und Aufständische, sondern auch gemäßigte und radikale Oppositionsgruppen untereinander. Die Kämpfe toben seit mehr als vier Jahren. In der Zeit kamen nach UN-Angaben mindestens 220 000 Menschen ums Leben, etwa elf Millionen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Rund vier Millionen von ihnen flohen ins Ausland, die meisten in die Nachbarstaaten, Libanon, Jordanien, Irak, Ägypten und die Türkei.

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