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Kampf gegen IS-Terrormiliz Merkel fordert die Welt zur Mithilfe auf

Der Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane geht weiter. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sichert seine Hilfe zu. Auch Angela Merkel ist entschieden, sich dem Terror der IS entgegenzustellen.

Kobane: Die Gefahr einer Erstürmung durch die IS-Terrormiliz ist noch nicht gebannt. Quelle: dpa

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak kann das internationale Militärbündnis mit weiterer Unterstützung rechnen. Kanada signalisierte am Freitag, sich auf Bitte der USA an den Luftangriffen auf IS-Stellungen zu beteiligen. Die Türkei hatte bereits am Donnerstagabend vom Parlament Militäreinsätze gegen den IS in Syrien und dem Irak genehmigt bekommen. Syrien warnte die Regierung in Ankara am Freitag allerdings davor, türkische Truppen jenseits der Grenze zu stationieren.
Dies würde als „Aggression“ angesehen, teilte das syrische Außenministerium mit. Zugleich forderte es die internationale Koalition auf, der türkischen Regierung „Grenzen für ihre Abenteuer“ zu setzen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte am Donnerstagabend nach der Abstimmung im Parlament dem TV-Sender ATV gesagt, sein Land werde verhindern, dass die schwer umkämpfte syrische Stadt Kobani nahe der türkischen Grenze in die Hände der IS-Extremisten falle.
Die Terrormiliz verstärkte unterdessen ihre Angriffe auf Kobani. Das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete von intensiven Kämpfen östlich und südöstlich der Stadt. Die kurdischen Kämpfer hätten den letzten Angriff der Extremisten abgewehrt und einen Panzer zerstört, hieß es. Aus der Stadt sollen mittlerweile alle Zivilisten geflohen sein, rund 160 000 Menschen retteten sich vor den anrückenden IS-Kämpfern.
Die USA und ihre Verbündeten setzten auch am Freitag ihre Luftangriffe auf den IS in Syrien fort. Getroffen wurden unter anderem IS-Positionen in der nordöstlichen Provinz Hassake, Trainingslager und Ölraffinerien nördlich von Rakka sowie zwei Panzer in der ölreichen Provinz Dair As-Saur, wie die US-Kommandozentrale mitteilte.
Mit 298 zu 98 Stimmen legte das Parlament in Ankara am Vorabend den Grundstein für mögliche Interventionen im Irak und Syrien. Gebilligt wurde zudem eine Stationierung ausländischer Truppen in der Türkei für den Einsatz gegen den IS. Das Parlament hatte in der Vergangenheit schon Einsätze gegen kurdische Separatisten jenseits der Grenze oder Operationen gegen Bedrohungen durch die syrische Regierung erlaubt. Nun sind diese Befugnisse ausgeweitet worden, um der IS-Miliz entgegenzutreten.
Die USA freuten sich nun auf eine stärkere Kooperation mit der Türkei im Kampf gegen die IS-Miliz, wie Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte. Der Koordinator der internationalen Koalition, John Allen, wolle sich im Laufe der kommenden Woche mit Regierungsvertretern in der Türkei treffen.
Im Irak will sich nun auch Kanada an den Luftschlägen gegen den IS beteiligen. Ministerpräsident Stephen Harper wollte noch am Freitag Details dazu bekanntgeben, wie ein Regierungsbeamter sagte. Die USA, die die internationale Koalition leiten, werden bei ihren Luftangriffen im Irak und Syrien bereits von rund zwölf Ländern unterstützt. Das kanadische Parlament muss noch zustimmen, allerdings hat Harpers konservative Regierung dort die Mehrheit. Damit dürften die Luftangriffe genehmigt werden.

Fakten zum Terror im Irak

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht im Kampf gegen den „barbarischen Vormarsch“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Herausforderung für „die ganze Welt“. Nicht allein die USA oder arabische Staaten der Region seien hier gefordert, sagte Merkel am Freitag in Hannover. „Nein, wir alle, denen der Satz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, etwas bedeutet“, fügte sie hinzu. „Die Größe der Aufgabe ist nicht zu leugnen.“ Das Problem werde sich aber nicht von alleine lösen. „Die ganze Welt ist gefordert“.
Merkel weiter: „Sich dem Terror des IS entgegenzustellen, ist im übrigen (...) in unserem Interesse, auch im deutschen Interesse. Dschihadisten bedrohen auch die Sicherheit bei uns.“ Daher unterstütze Deutschland die Peschmerga-Kämpfer im Nordirak. Die Kanzlerin beklagte, der IS habe „eine schier unbegreifliche Anziehungskraft“ auf junge Menschen auch in Europa. Deutschland müsse mit allen erdenklichen Maßnahmen verhindern, das junge Menschen von hier aus als Dschihadisten in den Krieg ziehen.

Das internationale Bündnis bekommt im Kampf gegen die Terrormiliz IS Verstärkung: Kanada will sich an den Luftangriffen im Irak beteiligen. Die Türkei will verhindern, dass die schwer umkämpfte syrische Grenzstadt Kobani in die Hände der Extremisten fällt.

Kurdische Kämpfer wehren sich an den Stadtgrenzen ihrer syrischen Hochburg Kobane erbittert gegen die vorrückende Terrormiliz Islamischer Stadt (IS). Die kurdischen Volksschutzeinheiten schlugen dabei nach eigenen Angaben drei Angriffe der Extremisten zurück. Die Lage sei dennoch „sehr kritisch“, sagte ein Sprecher am Freitag. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sicherte den Kurden in der Stadt Hilfe zu. „Wir würden nicht wollen, dass Kobane fällt“, sagte Davutoglu nach Angaben des Senders „A Haber“. „Wir werden tun, was immer nötig ist, um zu verhindern, dass das passiert.“
Das Parlament in Ankara hatte am Vorabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt. Damit kann die türkische Regierung in den beiden Nachbarländern mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen vorgehen. Noch ist allerdings unklar, ob - und falls ja, wann - die Regierung von der Möglichkeit Gebrauch macht.
Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte griffen die IS-Extremisten Kobane von Süden und von Südosten her an. Den Kurden sei es gelungen, zwei IS-Fahrzeuge zu zerstören. Der Sprecher der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), Redur Chelil, erklärte, die Terrormiliz bombardiere Kobane seit den frühen Morgenstunden mit Artillerie.
Die Kurden verteidigten die Stadt „mit ihrem Blut“, sagte er weiter. Die Luftangriffe der internationalen Koalition in den vergangenen Tagen hätten den IS-Vormarsch zwar verzögert, sie reichten aber nicht aus. „Unsere Menschen werden getötet und vertrieben, aber niemand kümmert sich darum“, sagte er.
Die Terrormiliz versucht seit Tagen, Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Die IS-Kämpfer sind nur noch wenige Hundert Meter vom Stadtrand entfernt. Kobane liegt an der Grenze zur Türkei und ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wurde. Die Terrormiliz kontrolliert bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane. Rund 160 000 Menschen sind vor dem IS in die Türkei geflohen.
Die im syrisch-türkischen Grenzgebiet kämpfenden kurdischen Volksschutzeinheiten stehen der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Entsprechend hatte sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu dagegen ausgesprochen, Waffenlieferung an die PKK zuzulassen, selbst wenn diese die IS-Extremisten bekämpften. Der in türkischer Haft sitzende PKK-Chef Abdullah Öcalan warnte, ein Massaker des IS in Kobane würde auch den Friedensprozess der Kurden mit Ankara beenden.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten hatten in den vergangenen Tagen IS-Ziele bei Kobane angegriffen. In der Nacht auf Freitag flogen sie Angriffen im Norden und Osten Syriens. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren Explosionen in der Nähe der Stadt Dair as-Saur und in der Provinz Al-Rakka zu hören. Aktivisten berichteten von Angriffen auf den Militärflughafen Al-Tabka, den der IS von der syrischen Armee erobert hatte.

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Im benachbarten Irak will sich nun auch Australien am Kampf gegen den IS beteiligen. Laut Ministerpräsident Tony Abbott billigte das Kabinett auf Bitten der irakischen Regierung den Einsatz von Kampfflugzeugen. Der IS habe der Welt den Krieg erklärt, und die Welt antworte darauf, sagte Abbott. Das Kabinett stimmte auch der Entsendung von Spezialkräften zu. Sie sollen die Iraker beraten.

Angesichts der immer heftiger werdenden Angriffe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die Stadt Kobane fordern die syrischen Kurden von den USA schärfere Luftangriffe gegen die Extremisten. Die internationale Bündnis gegen den IS müsse deren Kämpfer nun direkt an der Frontlinie in Kobane bombardieren, sagte die Ko-Vorsitzende der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Asia Abdullah, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.
Die bisherigen Angriffe der Koalition seien nicht effektiv gewesen, erklärte sie weiter. So habe das von den USA geführte Bündnis in der Nacht auf Freitag den IS weit entfernt von Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) bombardiert.
Die PYD steht der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Sie ist zudem mit den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) verbunden, die Kobane seit Tagen gegen die Terrormiliz verteidigen. Die Kurden wehrten sich gegen heftige Angriffe der IS-Extremisten, sagte Abdullah: „Der Widerstand wird bis zum letzten Kämpfer der YPG weitergehen.“
Zugleich warnte Abdullah die Türkei vor einem einseitigen Eingreifen. Sollte das türkische Militär in Syrien aktiv werden, müsse das eine „internationale Entscheidung“ sein, sagte sie. Das Parlament in Ankara hatte Militäreinsätze in Syrien und im Irak am Vorabend gebilligt.

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