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Kampf gegen Luftverschmutzung Elektro-Autos werden Chinas Problem nicht lösen

Chinas Städte ersticken in Smog, Lärm und Stau. Soziale Unruhen sind die Folge. Die Regierung setzt nun auf E-Autos - eine halbe Million sollen es bis 2016 werden. Warum die Strategie in die Irre führt.

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Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Mit gutem Beispiel voran, lautet das Motto der chinesischen Regierung. Die hat sich vorgenommen, die Elektromobilität im Land zu fördern. Schon 2016 sollen 30 Prozent aller Dienstwagen der Kommunistischen Partei mit Strom angetrieben werden. Bei bisher mindestens 500.000 neuen Dienstwagen pro Jahr ist das eine beachtliche Anzahl.

2020 sollen laut aktuellem Fünfjahresplan fünf Millionen Elektroautos auf Chinas Straßen fahren. Ambitionierte Ziele braucht das Land, denn Chinas Städte ersticken im Smog. Die Luftverschmutzung führt zunehmend zu sozialen Unruhen.

22 Millionen Fahrzeuge wurden 2013 in China verkauft. Das Auto ist für die meisten Chinesen nach wie vor das Statussymbol Nummer eins, auch wenn die wenigsten es in den dicht besiedelten Städten wirklich zur Fortbewegung nutzen können.

Begehrte Nummernschilder

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    Seit Jahren schon bezuschusst die Regierung den Kauf von Elektroautos. 50.000 Yuan, umgerechnet rund 6000 Euro, erhalten die Käufer eines E-Mobils rückerstattet. Auch eines der begehrten Nummernschilder erhalten sie sofort – wer dagegen einen Benziner kauft, muss an einer Lotterie teilnehmen und darauf hoffen, dass das Los ihm eine Zulassung beschert.

    Experten sind trotzdem skeptisch, ob China das selbst gesteckte Ziel erreichen kann. Gerade einmal 17.000 E-Mobile wurden im vergangenen Jahr in China verkauft. 70.000 dürften insgesamt auf Chinas Straßen unterwegs sein.

    Ein großes Manko der Elektroautos ist die geringe Reichweite. Die meisten Modelle schaffen es gerade mal 160 Kilometer weit. Ladestationen gibt es zu wenige. „Wer Licht, Radio und Klimaanlage laufen lässt und im Stau steht, könnte schnell ins Schwitzen kommen“, sagt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai.

    Hoffnungen ruhen auf Daimler-Fahrzeug Denza

    Zudem verschreckte der Hersteller BYD vor zwei Jahren viele potenzielle Käufer, als die Batterie eines Elektroautos in Flammen aufging. Die Insassen starben. Hoffnungen ruhen auf dem Denza, ein von Daimler und BYD entwickeltes Elektrofahrzeug, das dieses Jahr auf dem Markt kommen soll.

    Das Modell der kalifornischen Firma Tesla bringt es zwar auf 400 Kilometer Reichweite, ist aber mit rund einer Million Yuan (125.000 Euro) für die allermeisten Chinesen nicht erschwinglich. Hinzu kommen andere Probleme: Jedes Jahr gehen in China Gebäude in Flammen auf, weil Fahrer von Elektro-Bikes ihre Batterien in Häusern mit veralteter Elektrik aufladen. Das Problem dürfte sich mit Elektroautos nochmals verschärfen.

    Darüber hinaus fehlt ein gemeinsamer Standard für die Stecker: „Wer ein Elektroauto in Peking kauft, kann es vielleicht in Shanghai gar nicht aufladen“, sagt Siebert.

    Dreckiger Strom

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      Und um das Problem der Luftverschmutzung zu lösen, sind Elektroautos ohnehin nur bedingt hilfreich: Rund 70 Prozent von Chinas Energie kommt aus teils veralteten Kohlekraftwerken. Die aber sind der Hauptverursacher des Smogs in Chinas Städten. Saubere Autos, die mit dreckigem Strom betrieben werden, können das Luftverschmutzungsproblem nicht lösen.

      Und gegen den Stau helfen nur weniger Autos. Da lässt eine andere Ankündigung der Regierung hoffen: Ab sofort soll es Dienstwagen nur noch für Parteikader ab dem Rang eines Vize-Ministers geben.

      Alle anderen Parteifunktionäre erhalten Gutscheine, um mit Taxi, Straßenbahn oder Bus zur Arbeit zu kommen. Wenn das mal kein Fortschritt ist!

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