Kanzlerin auf Chinareise China will schnelle Lösung der Eurokrise

Deutschland und China wollen ihren Streit um Subventionen für Solarfabriken friedlich regeln. Und China kauft 50 Airbus-Flugzeuge.

Chinesische Soldaten Quelle: dapd

Draußen der Platz des himmlischen Friedens, drinnen herrscht zumindest Waffenstillstand. In der großen Halle des Volkes haben die Bundesregierung und das chinesische Regime Abrüstungsverhandlungen begonnen. Nachdem deutsche Hersteller von Solarzellen – unter Anfeuerungsrufen des damals frisch ernannten Bundesumweltministers Peter Altmaier – bei der EU-Kommission ein Anti-Dumpingverfahren gegen chinesische Konkurrenten angestrengt hatte, wollen nun beide Seiten die Eskalation möglichst beenden. 

Man habe sich „darüber ausgetauscht, dass Protektionismus nicht die Lösung ist“, berichtete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den ersten zwei Stunden der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Das klang noch etwas indifferent, denn laut dem früheren deutschen Ostblock-Unterhändler Egon Bahr bedeutet ja Meinungsaustausch: „Man geht mit seiner Meinung hin und kommt mit der Meinung des anderen zurück.“ Doch im Nachsatz wurde Merkel klarer: „Jeder ist auf freien Handel angewiesen“, mahnte sie die beiden stärksten Exportnationen der Welt. Es sei klüger, „nicht immer gleich zur Waffe gerichtlicher Auseinandersetzungen zu greifen“. 

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Auch Gastgeber Wen Jiabao bemühte sich, die Wogen zu glätten. „Wir sollten Protektionismus unterlassen und lieber gemeinsam märkte erschließen. „Das ist ein wichtiges Ergebnis dieser Regierungskonsultationen“ und könne gar „Vorbildfunktion für Handelsstreitigkeiten in der ganzen Welt“ haben. Merkel ging sogar so weit, das Verfahren in Brüssel erstmal auf Eis zu legen. „Ich werde das auch so in der EU-Kommission besprechen, dass wir diesen Versuch machen.“ Hinter den Kulissen hatte das Umweltministerium den Chinesen den Vorschlag unterbreitet, deutsche und chinesische Firmen könnten mittels Technologietransfers gemeinsam erfolgreicher sein – schließlich sind auch die Hersteller aus dem Reich der Mitte inzwischen wegen des Preisverfalls und der weltweiten Überkapazitäten in Schwierigkeiten geraten. 

Hart gepokert

In den vergangenen Wochen hatte der Solarstreit das Klima zwischen beiden Ländern spürbar belastet. In der Endphase vor dem Eintreffen der Deutschen hatten beide Seiten noch einmal hart gepokert. Die Deutschen lockten mit Verständigung und erinnerten die Gastgeber daran, dass sie doch kein Interesse haben könnten, von den USA und Europa nacheinander an den Pranger der Welthandelsorganisation gestellt zu werden. Die Chinesen wiederum nutzten die üblichen Verhandlungsschikanen. Mal wurde ein Teil der Wirtschaftsdelegation aus dem offiziellen Mittagessen gestrichen, mal sollten die mitgereisten Journalisten die Kanzlerin auf dem zweiten Teil der Reise nicht mehr begleiten. 

Heftig gerangelt wurde auch bis zur letzten Minute um die Geschäftsabschlüsse, die deutsche Firmen anlässlich der Kanzlerreise unterschreiben wollten. So hatte sich Wen persönlich in letzter Minute dafür eingesetzt, dass Airbus doch noch eine konkrete Zahl von Flugzeugen in seinen Vertrag schreiben konnte statt einer weiteren luftigen Absichtserklärung. 50 Maschinen des MittelstreckenfliegersA320 wird nun eine Finanzierungsgesellschaft der chinesischen Großbank  ICBC erwerben. Noch am Morgen war völlig unklar gewesen, ob aus dem Vorhaben überhaupt noch etwas werden würde.

Auch andere Vereinbarungen standen auf der Kippe, und nicht alle wurden schließlich Realität. Mal plante die deutsche Botschaft sieben Unternehmensvereinbarungen, dann waren es zwischenzeitlich nur drei.

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Nun wurde neben dem Verkauf der 50 Maschinen und der Fortsetzung der Airsbus-Endmontage in Tianjin bis 2016 noch ein Pilotprojekt des Berliner Entsorgungskonzerns ALBA für das Fahrzeugrecycling gestartet und eine Anlage zur Endmontage von Hubschraubern des Herstellers Eurocopter. Und Volkswagen vereinbarte den Bau eines weiteren Getriebewerkes in der Sonderwirtschaftszone Tianjin. Das war allerdings schon so lange festgezurrt, dass Wirtschaftsminister Philipp Rösler gleich morgen schon die Grundsteinlegung vornehmen kann. Doch ganz verschont wurde auch VW nicht vom Vertragschaos. Bei der Unterzeichnungszeremonie wurde zwar der neue China-Vorstand Jochem Heizmann aufgerufen, aber dann unterzeichnete doch erstmal der Handy-Hersteller ZTE seinen Vertrag.

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