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Ketchup-Hersteller betroffen Kanada erhebt erste Zölle gegen US-Güter

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat Gegenmaßnahmen eingeleitet. Quelle: AP

Bisher enge Partner bekämpfen sich beim Welthandel. Nach der EU verhängt nun auch Kanada Gegenmaßnahmen gegen die Strafzölle Donald Trumps. Der kritisiert die Welthandelsorganisation, will aber nicht austreten.

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Der weltweite Handelsstreit um die Sonderzölle von Präsident Donald Trump auf Importe in die USA eskaliert weiter. Trump richtete am Sonntag scharfe Angriffe gegen die EU. „Die EU ist möglicherweise so schlimm wie China“, sagte der Präsident in einem Interview des Senders Fox News. Europa verkaufe Autos in die USA, sagte er und nannte den Markennamen Mercedes. Die US-Hersteller hätten es viel schwerer, ihre Produkte in die EU zu verkaufen. Die USA hätten gegenüber der EU ein Handelsdefizit von 151 Milliarden Dollar. Die Zeitung „Financial Times“ berichtete am Sonntag, die EU habe dem US-Handelsministerium eine Warnung geschickt. Es drohe ein ausgewachsener Handelskrieg mit weltweiten Vergeltungsmaßnahmen in Höhe von 300 Milliarden Dollar. Dem von der Zeitung zitierten Papier zufolge weist die EU-Kommission auch auf die Arbeitsplätze in der US-Autoindustrie hin, die davon betroffen sein könnten.

Wie die Europäische Union hat unterdessen auch der US-Nachbar Kanada entschiedene Gegenmaßnahmen eingeleitet. Seit Sonntag gelten Zölle auf Einfuhren für Stahl- und Aluminiumprodukte aus den USA in Höhe von 25 Prozent. Das ist die gleiche Strafe, die von der US-Regierung von Präsident Donald Trump im Juni auf importierten Stahl aus Kanada und anderen Ländern eingeführt wurde. Für andere US-Importe wie Ketchup, Pizza und Spülmittel gelten in Kanada zehn Prozent.

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland hatte angekündigt, es gehe um Waren im Wert von umgerechnet zehn Milliarden Euro. „Kanada hat keine Wahl, als mit einer maßvollen, gegenseitigen Dollar-für-Dollar-Antwort zurückzuschlagen“, hatte Freeland am Freitag erklärt. Die kanadischen Zölle betreffen US-Güter mit eine Umfang von 12,6 Milliarden Dollar. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bedankte sich in Leamington in der Provinz Ontario bei Kanadiern für eine geschlossene Haltung gegen Trumps Strafmaßnahmen. Er forderte die Kanadier auf, entsprechend auszuwählen, wenn sie in Erwägung zögen, ob sie US-Produkte kaufen. Kanada ist der zweitgrößte Handelspartner der USA, der größte ist China.

Dass Trudeau am Sonntag in Leamington eine Rede hielt, war kein Zufall. Die Stadt ist als Tomatenhauptstadt Kanadas bekannt. Dort befindet sich eine Verarbeitungsfabrik, die Tomatenpaste und andere Produkte für den Hersteller French's liefert, einen großen Konkurrenten des Ketchup-Herstellers Kraft Heinz. Heinz hatte seine Fabrik in Leamington 2014 verkauft, nachdem er 105 Jahre lang einen Betrieb in Kanada hatte. Die neuen kanadischen Zölle betreffen Ketchup und andere Produkte von Kraft Heinz.

Trump dementierte am Freitag (Ortszeit) Spekulationen, wonach er einen Austritt aus der WTO plane. „Ich spreche nicht über einen Rückzug“, sagte Trump. Die WTO habe aber die USA in der Vergangenheit sehr unfair behandelt. Dies müsse aufhören. Die USA hätten viele Streitfälle bei der WTO verloren, weil sie bei der Besetzung der Entscheidungsgremium nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

Trump hatte unter anderem Ländern wie China und Deutschland damit gedroht, den Handelskonflikt weiter zu eskalieren. Auch Zusatzzölle auf in die USA gelieferte Autos sind im Gespräch. Mehrmals erwähnte er in diesem Zusammenhang die deutsche Autoproduktion.

BMW warnt in einem Schreiben an US-Handelsminister Wilbur Ross vor solchen Zöllen. „Die heimische Produktion von Automobilen hat keinen ersichtlichen Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit der USA“, heißt es darin. „Es scheint, dass der Zweck der Androhung dieser Zölle ist, bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen.“ Die Erhebung von Zöllen sei nicht dazu geeignet, das Wirtschaftswachstum der USA zu erhöhen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit anzukurbeln. Auch die US-Autoindustrie spricht sich vehement dagegen aus. Sollte die Regierung die Handelsschranken für Autohersteller erhöhen, so berge dies Risiken, die auch in den USA der Wettbewerbsfähigkeit schaden und zu Jobverlusten führen könnten, warnte der größte US-Autohersteller General Motors am Freitag. Zuvor hatte bereits der Lobbyverband Auto Alliance, zu dem neben GM auch Branchengrößen wie Ford, Toyota oder Volkswagen zählen, vor hohen Kosten für Verbraucher gewarnt. „Zölle auf Autos und Autoteile erhöhen die Preise für Kunden, sie vermindern die Auswahl und laden Handelspartner zu Vergeltungsmaßnahmen ein“, hieß es in dem Appell.

Die EU-Staaten haben unterdessen eine entschlossene Reaktion auf mögliche neue Zusatzzölle Trumps vereinbart. „Die Europäische Union muss auf alle Handlungen reagieren, die klar protektionistischer Natur sind“, heißt es in der Gipfelerklärung der Staats- und Regierungschefs vom Freitag. Zugleich stellen sich die EU-Spitzen in dem Text noch einmal uneingeschränkt hinter die bereits auf den Weg gebrachten Gegenmaßnahmen auf Trumps Zusatzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte.

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