Kim Jong Un Nordkorea kündigt Amnestie für Strafgefangene an

Nordkorea hat eine Amnestie für Häftlinge angekündigt. Anlass dafür seien die 70. Jahrestage der Befreiung der koreanischen Halbinsel von japanischer Kolonialherrschaft und der Gründung der Arbeiterpartei.

Machthaber erklimmt höchsten Berg des Landes
Kim Jong Un Quelle: REUTERS
Kim Jong Un Quelle: dpa
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat nach einem Medienbericht nach seinem Onkel angeblich auch dessen gesamte Familie hinrichten lassen. „Alle direkten Verwandten von Jang (Song Thaek) sind getötet worden, darunter sogar Kinder“, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag unter Berufung auf mehrere Quellen. Unter den Opfern sollen angeblich die Söhne, Töchter und Enkelkinder von Jangs beiden Brüdern sein. Auch Jangs Schwester sowie deren Ehemann, der Botschafter des Landes in Kuba, und Jangs Neffe, der nordkoreanische Botschafter in Malaysia, sollen getötet worden sein. Der Onkel von Nordkoreas jungem Machthaber Kim war im vergangenen Monat unter dem Vorwurf des Hochverrats und der Planung eines Putsches hingerichtet worden. Quelle: AP
Nach der überraschenden Hinrichtung von Kims Onkel und Mentor, Jang Song Thaek, in der vergangenen Woche wurde die Zeremonie im In- und Ausland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Auf den vom nordkoreanischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Bildern war Kims Tante, Kim Kyong Hui, nicht zu sehen. Die Witwe von Jang hätte nach südkoreanischer Auslegung mit ihrer Anwesenheit „die Hinrichtung ihres Mannes durch ihren Neffen öffentlich anerkannt“. Jang galt lange Zeit als zweitmächtigster Mann im Land. Dem 67-Jährigen wurden auch gute Verbindungen zum Militär nachgesagt. Jang und einige Gefolgsleute wurden wegen Hochverrats hingerichtet. Dagegen war Kims Frau Ri Sol Ju erstmals seit zwei Monaten wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie ging mit ihrem Mann durch das Kumsusan-Mausoleum in der Hauptstadt Pjöngjang. Dort sind Kims Vater und Amtsvorgänger Kim Jong Il sowie Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung aufgebahrt. Vor dem Mausoleum hatten sich mehrere Tausend Menschen versammelt. Quelle: dpa
Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen des Vorwurfs des Hochverrats hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag (13. Dezember). Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Das Urteil sei sofort vollstreckt worden. Jang galt lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes. Quelle: AP
Jang wurde den offiziellen Angaben zufolge vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong Un, Kim Jong Il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war und enge Kontakte zu China unterhielt, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet. Quelle: AP
Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet. Quelle: REUTERS
Nach Ansicht von Beobachtern festigte der etwa 30-jährige Kim Jong Un seine Macht durch die Absetzung Jangs. Politische Säuberungen sind in dem weithin abgeschotteten Staat nicht unüblich. Angesichts der jüngsten Vorgänge in Pjöngjang hatte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye in dieser Woche das Regime im Nachbarland in scharfem Ton kritisiert und Kim Jong Un eine „Schreckensherrschaft“ vorgeworfen. Quelle: AP
In Pjöngjangs Straßen brach eine regelrechte Trauerhysterie aus, als Kim Jong Il am 17. Dezember 2011 starb. Der geliebte Führer hatte die Machtübernahme seines Sohnes sorgfältig vorbereitet: seit 2009 übertrug er Kim Jong Un nach und nach zentrale Posten – die Leitung des Geheimdienstes, das Oberkommando über die Armee, den Vorsitz der Partei. Der Herrscher-Spross folgte seinem Vater mit zarten 30 Jahren ins Amt. In der Öffentlichkeit war er bis dahin fast unbekannt. Quelle: KCNA
Doch diejenigen, die dachten, Kim Jong Un werde nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il vom Führungszirkel nicht ernstgenommen, durften sich nun selbst überzeugen, dass der Sohn genauso skrupellos ist wie es der Vater war. Der Jungdiktator macht nicht einmal vor der eigenen Familie halt. Quelle: REUTERS
Doch auch nach außen hin profilierte sich Kim Jong Un als gnadenloser Machthaber und provozierte den Westen mit Raketentests. Nordkorea behauptete im Dezember 2012, einen Wettersatelliten ins All befördert zu haben, der Westen vermutete Tests für ein Atomprogramm. Die internationale Gemeinschaft verurteilte den Raketentest, Tausende Menschen in Südkorea protestierten gegen die Provokation des Nordens, die Vereinten Nationen verhängten Sanktionen. Quelle: epa
Nordkorea und Südkorea leben seit dem Koreakrieg (1950-1953) im Kriegszustand – ein Friedensvertrag wurde nie unterzeichnet. Quelle: KCNA
Da Nordkorea auf wirtschaftliche Hilfen aus dem Süden angewiesen ist, haben nordkoreanische Machthaber Südkorea schon öfter Friedensverhandlungen angeboten – nur um die Nachbarn kurz darauf wieder als „faschistische Irre“ zu verteufeln. Quelle: KCNA
Doch Kim Jong Un hat von seinen Vorgängern gelernt, wie sich ein Diktator – allen ausländischen Widerständen zum Trotz – zumindest medienwirksam die Liebe seines Volkes sichert: durch Personenkult. Die Staatsmedien verbreiten systematisch sein Image als Militärgenie und feiern seinen unermüdlichen Einsatz für das Vaterland. (Foto: Yonhap) Quelle: Yonhap
Es gibt aber auch Unterschiede zu seinen beiden Vorgängern: Im Gegensatz zum Vater Kim Jong Il und dem gottgleich verehrten Großvater und Republikgründer Kim Il Sung gewährt der Jungdiktator Kim Jong Un als erster nordkoreanischer Machthaber sogar Einblicke in die Herrscherfamilie... Quelle: KCNA
…lange spekulierte die Welt, ob Kim Jong Un verheiratet sei. Nach monatelangem Rätselraten wurde das Gerücht offiziell bestätigt: Die geheimnisumwitterte Ri Sol Ju ist tatsächlich Kim Jong Uns Gattin. Seitdem die Diktatoren-Ehe offiziell ist, ist die frühere Schlagersängerin Ri ungewöhnlich oft an der Seite ihres Mannes aufgetreten. Quelle: KCNA

Nach einem Dekret der Obersten Volksversammlung werde die Amnestie am 1. August in Kraft treten. Unklar blieb, um welche Gruppen es sich genau handelt und wie viele Häftlinge betroffen sind. Von dem Straferlass würden Personen profitieren, die „wegen Verbrechen gegen das Land und seine Menschen verurteilt wurden“, hieß es. Das Regime um Machthaber Kim Jong Un hatte zuletzt 2012 eine Amnestie für Strafgefangene gewährt. 

Die bisherigen Machthaber Nordkoreas

Vor zwei Jahren hatten die Vereinten Nationen eine Untersuchung durch eine Kommission zum Vorwurf schwerer Menschenrechtsverstöße in Nordkorea eingeleitet. Im Zentrum standen Gefangenenlager, willkürliche Verhaftungen, Hinrichtungen, Folterungen und die Beschränkung der Meinungsfreiheit. In einem Bericht der Kommission vom Februar 2014 hieß es, in Nordkorea würden als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht.  

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Noch am Vortag war bekannt geworden, dass Nordkoreas den Verteidigungsministers von Diktator Kim Jong Un hingerichtet hat. Hyon Yong Chol soll mit einer Flugabwehrkanone hingerichtet worden sein, weil er unter anderem schlecht über Kim geredet, sich über den jungen Machthaber beschwert und in einem Treffen geschlafen haben soll, wie der südkoreanische Geheimdienst im Mai enthüllt hatte. Die staatlichen Medien in Nordkorea hatten Hyon seitdem nicht mehr erwähnt oder sein Verschwinden begründet.

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