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Kim Jong Un wird 34 Die Rakete ist wichtiger als der Geburtstag

Heute vor 34 Jahren wurde höchstwahrscheinlich Nordkoreas Diktator Kim Jong Un geboren. Eine Feier in dem abgeschotteten Land gibt es nicht. Kim überraschte stattdessen zuletzt mit einem diplomatischen Vorstoß.

Nordkorea: Die Rakete ist Kim Jong Un wichtiger als der Geburtstag Quelle: dpa

TokioNordkoreas Führer Kim Jong Un hat es wieder geschafft, im internationalen Rampenlicht zu stehen. Denn am morgigen Dienstag werden sich dank seiner Zusage voraussichtlich um zehn Uhr morgens Ortszeit erstmals seit fast zwei Jahren Vertreter der beiden koreanischen Staaten treffen. Am Grenzposten Panmunjom wollen sie über Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Südkorea sprechen, die am 9. Februar beginnt.

Daheim wiederum hat Kim Jong Un in seiner Neujahrsrede gerade erst Nordkoreas Aufstieg zur vollständigen Atommacht gefeiert. Doch im Gegensatz zu seinem Vater und Großvater lässt der dritte Herrscher der bald 70-jährigen Familiendiktatur einen Anlass zum Feiern Jahr um Jahr achtlos verstreichen: seinen Geburtstag. Am heutigen 8. Januar wird er 34 Jahre alt – wahrscheinlich wenigstens.

Während die Geburtstage seines Vaters Kim Jong Il am 16. Februar als Tag des leuchtenden Sterns als Feiertag und seines Großvaters Kim Il Sung am 15. April als Tag der Sonne begangen werden, hat der jüngste Kim noch keinen eigenen Jahrestag. Viele Jahre lang wusste sogar niemand, wann er denn nun wirklich geboren worden war. Inzwischen haben sich allerdings die Indizien für den derzeit angenommen Termin gehäuft.

Eine Kronzeugin dafür war seine Tante Ko Yong Suk, die ihm die Windeln gewechselt haben will. In ihrem amerikanischen Exil erzählte sie der „Washington Post“, dass Kim im Januar 1984 geboren worden sei. Der Staat deutete den Tag dann 2010 an. Am 8. Januar erhielten die Nordkoreaner einen Tag frei, um die Beförderung Kims Beförderung vom dritten Sohn zum Nachfolger des kränkelnden Führers Kim Jong Il zu feiern.

Allerdings gibt es nur wenige offizielle Informationen zu Kims Lebenslauf: Wahrscheinlich besuchte er in jungen Jahren unter dem Namen Pak-un eine Privatschule in der Schweiz. Daheim machte er dann schnell Karriere. Ein Grund dafür war, dass es sich sein älterer Halbbruder Kim Jong Nam mit seinem Vater verscherzte. 2001 ließ er sich bei der illegalen Einreise nach Japan erwischen – er wollte mit Frau und Kind das Disneyland in Tokio besuchen. Schließlich floh er nach China.

Nach dem frühen Tod seines Vaters im Dezember 2011 übernahm Kim Jong Un die Nachfolge in der Diktatur. Anders als Kim Jong Il, der sich in wichtigen Ämtern bewähren musste, verfügte Kim über keine großen eigenen Seilschaften und Netzwerke. Für die Beförderung musste Kim Senior innerstaatliche Machtgruppen wahrscheinlich mit einigen Zugeständnissen bezahlen, mutmaßen Experten. Viele glaubten daher, dass der Junior weniger fest im Amt sitzt als sein Vater.


Fehde mit Donald Trump

Inzwischen hat Kim allerdings jegliche Zweifel an seiner Herrschaft ohne Skrupel beseitigt: Sein Onkel Jang Song-Thaek wurde im Dezember 2013 hingerichtet, sein Halbbruder Jong Nam 2017 in Malaysia im Flughafen von Kuala Lumpur durch Nervengift umgebracht.

Im vergangenen Jahr schaffte es Kim, mit dem Test von Atombomben und Langstreckenraketen US-Präsident Donald Trump wütend zu machen. Trump drohte sogar mit militärischen Optionen, falls Kim nicht durch schärfere Sanktionen und Verhandlungen zu einer atomaren Abrüstung gezwungen werden könnte.

Nicht nur Sicherheitsexperten sorgen sich daher davor, dass die Krise aus Versehen oder mit Absicht zu einem Krieg eskalieren könnte. Selbst der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden warnte Anfang des Jahres, dass ein Atomkrieg zwischen den USA und Nordkorea noch nie so nah wäre wie heute.

Deshalb sehen einige Experten ein Entspannungssignal in den aktuellen Gesprächen, andere einen Versuch Kims, einen Keil zwischen Südkorea und die Schutzmacht USA zu treiben. Doch selbst Trump ging auf die innerkoreanische Dialogchance ein und kam dem Norden sogar etwas entgegen.

Am Dienstag wird sich nun zeigen, wie Kim den US-Präsidenten verstanden hat. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses, Ed Royce, warnte Südkoreas Präsident Moon Jae-In bereits vorige Woche im amerikanischen TV-Sender „Fox News“ davor, dem Geburtstagskind wie für die Teilnahme an der Sommerolympiade im Jahr 2000 finanzielle Geschenke zu machen. „Denn das Geld findet immer seinen Weg zurück ins Atomwaffenprogramm“, sagte Royce.

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